In Dürnten «pumpen» auch Senioren – für mehr Gesundheit und Lebensfreude
Bewegung und Sport im Alter
Sich auf dem Laufband auspowern oder am Kraftgerät schwitzen: In diesem Fitnessstudio machen das auch Frauen und Männer «Ü60». Weshalb das weit mehr als nur mit Eitelkeit zu tun hat.
«Das sieht gut aus», lobt Jenny Barry. Sie ist Fachfrau für Gesundheits- und Bewegungsförderung und Geschäftsführerin des Chili Fitness in Dürnten. Ihr Lob gilt Hanspeter Stettler, mit dem sie gerade ein neues Trainingsprogramm durchgeht.
Wer dem motivierten und rüstigen 75-Jährigen zuschaut, kann sich kaum vorstellen, dass er vor wenigen Wochen noch ans Spitalbett gefesselt war. Im künstlichen Koma, angehängt an eine Herz-Lungen-Maschine.
«Im Februar musste ich mich einer koronaren Bypass-Operation unterziehen», erzählt der Bubiker, «bei meinen Herzkranzgefässen wurden starke Verengungen festgestellt.» Bei diesem chirurgischen Verfahren am offenen Herz werden körpereigene Venen oder Arterien als «Umleitungen» eingenäht. So kann die Blutversorgung des Herzmuskels wiederhergestellt werden.
Wer seinen Körper pusht, lernt ihn kennen
Schon Anfang Jahr hatte Stettler gemerkt, dass etwas mit seinem Herz nicht stimmte. Deshalb konnte der Eingriff vorgenommen werden, bevor Schlimmeres, etwa ein Herzinfarkt, passierte. «Ich trainiere schon seit bald 20 Jahren in diesem Fitnessstudio und kenne meinen Körper recht gut.» Mit seiner Fitnessuhr überprüfe er seine Leistungsdaten regelmässig.
«Die Ärzte haben mir gesagt, dass mir dies vermutlich das Leben gerettet hat.» Denn wer seinen Körper nicht regelmässig fordere, spüre – wenn überhaupt – viel zu spät, wenn das Herz mit immer weniger Sauerstoff versorgt werde.
Nach anfänglichen Verzögerungen in der Genesung durch Komplikationen bei der OP hatte sich Stettler dann überdurchschnittlich schnell wieder erholt. «In der Rehabilitation in Wald wurde ich nach kürzester Zeit in die stärkste Leistungsklasse eingeteilt.» Nach zwei Wochen Reha konnte er bereits nach Hause, und nochmals 14 Tage später war er wieder im Chili Fitness anzutreffen.

Anfänglich unter engmaschiger Begleitung, kann er heute fast wieder auf seinem bisherigen Niveau trainieren. Dass er so schnell wieder fit geworden sei, würden die Ärzte ebenfalls seinem regelmässigen Training zuschreiben. «Es macht sich bezahlt, wenn man regelmässig Sport treibt», ist Hanspeter Stettler überzeugt und fügt augenzwinkernd an: «Auch noch in meinem Alter.»
Beim morgendlichen Besuch im Fitnessstudio gibt es zahlreiche weitere «Ü60», die seine Aussage unterstreichen. Zum Beispiel das Ehepaar Häubi. «Kurz nach unserer Pensionierung haben wir gemerkt, dass wir etwas für unsere Gesundheit tun müssen», erzählt Fritz Häubi. «Plötzlich hat man zahlreiche Wehwehchen.»
Das war vor knapp drei Jahren. Sein Rat an alle älteren Generationen lautet: Besser mit Sport anzufangen, bevor der Körper Schaden nehme. «Rücken stärken statt Rückenschmerzen», ergänzt seine Frau Ulrika poetisch. «Es ist nie zu spät, anzufangen.»


Für beide geht es beim Training um die Erhaltung von persönlicher Lebensqualität. «Je mehr man im Alter noch machen kann, desto mehr Freude macht das Leben», ist sie überzeugt. Ob Wandern, Velofahren, Besuche im Theater: «Wir wollen unser Leben selbst bestimmen und uns nicht von unserer Gesundheit einschränken lassen.»
Von Jung bis Alt, von Einsteiger bis Profi
Im Dürntner Fitnessstudio setzt man auf ein gemischtes Publikum: In der einen Ecke bereitet sich die Profisportlerin von der gegenüberliegenden Sportschule auf ihren Wettkampf vor. Neben ihr macht der 89-Jährige Kräftigungsübungen gegen seine Rückenschmerzen.
«Wir legen grossen Wert auf eine familiäre, altersdurchmischte Atmosphäre», sagt Jenny Barry, die Geschäftsführerin und fünffache Mutter. So gehöre es zum Alltag, dass Eltern mit ihren Kindern oder Grosseltern mit den Enkeln trainierten. «Weil sie alle die Wichtigkeit der Bewegung erkennen.»
Alle sollen sich wohlfühlen können. Es gehe nicht zwingend um leistungsorientiertes Training, «an erster Stelle steht immer die Gesundheit», so Barry.

Neben dem Training erhalte man deshalb auch Beratung zu Themen wie Ernährung und Regeneration. «Ausserdem bietet unser Kursprogramm unter anderem mentales Training an, das für die Gesundheit zusätzlich eine wichtige Rolle spielt.»
Sarkopenie: Wenn die Muskeln im Alter schwinden
Jenny Barry verrät einen weiteren Aspekt, der für Bewegung und Sport im Alter spricht: «Ohne Training verlieren wir ab dem 30. Lebensjahr kontinuierlich an Muskulatur.» Diese Tatsache lässt aufhorchen. Und brachte die Gesundheitsexpertin auf die Idee, einen Vortrag zum Thema «Sarkopenie» zu organisieren. So lautet die medizinische Bezeichnung für den altersbedingten Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft.
Als Referenten konnte sie Axel Kleinefinke engagieren. Er ist Spezialist in Bewegungs- und Gesundheitsförderung und Geschäftsleiter des Chili Health Training in Hinwil.

«In unserer Gesellschaft, die immer älter wird, ist dieses Thema omnipräsent», sagt Kleinefinke. «Ohne Training können wir den Kraftverlust nicht bremsen.» Die Folgen seien eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Mobilität. «Der Alltag ist immer schwerer zu bewältigen, die Lebensqualität beginnt abzunehmen.»
Um gleich bildhafte Beispiele aus dem Alltag aufzuzeigen: «Plötzlich schafft man es nicht mehr, die Vase vom Schrank herunterzuholen oder den Aktenordner aus dem Regal zu nehmen.» Mit dem Schwinden der Muskeln steige zugleich die Sturzgefahr. «Vom Aufstehen nach einem Sturz oder aus einem Sessel ganz zu schweigen.»
Der Spezialist hat aber auch gute Nachrichten, denn: «Muskeln sind ein Leben lang trainierbar – es ist nie zu spät.» In vielen Köpfen hafte noch das Vorurteil, dass Fitnessstudios ausschliesslich «pumpenden» Bodybuildern vorenthalten seien.

«Die Pflege des Bewegungsapparats sollte zu einem gesunden Leben für alle so selbstverständlich dazugehören wie das Zähneputzen», sagt Axel Kleinefinke. «In beiden Fällen kann damit vielen Krankheiten vorgebeugt werden.»
Positive Nebeneffekte seien bereits nach kurzer Zeit spürbar: «Man fühlt sich klarer, energiegeladener und frischer.» Das motiviere zugleich, weiterzumachen. «Sogar 80-Jährige können nach drei bis vier Monaten eine deutliche Verbesserung der Mobilität im Alltag erreichen.»
Wer es ganz genau wissen möchte, kann im Studio eine Körperanalyse vornehmen lassen. «Da sieht man schriftlich sehr detailliert, wie sich unter anderem die Anteile von Fett, Muskelmasse und Wasser verändert haben.»
Nicht zuletzt habe Krafttraining im Alter einen positiven Effekt auf das Hirn: «Die Muskeln regelmässig zu nutzen, ist eine gute Demenzprophylaxe.»
Kleinefinke, der früher Fussballtrainer war und schon Spieler für den deutschen Hertha BSC gescoutet hat, freut sich über jeden noch so kleinen Erfolg seiner Kundinnen und Kunden. «Das Wohlbefinden steht immer an erster Stelle.» Oder wie Jenny Barry es ausdrückt: «Mit einem gesunden Körper macht Älterwerden mehr Freude.»
Vortrag an der Neueröffnung Chili Fitness in Dürnten
Am Sonntag, 18. Mai, feiert das Chili Fitness seine Neueröffnung nach einer sanften Auffrischung des Studios. Ab 10 Uhr stehen kostenlose Schnupperkurse von Pilates bis Spinning auf dem Programm. Um 14.30 Uhr findet ein Vortrag über Sarkopenie statt.
Ähnliche Angebote in weiteren Studios
Es gibt in der Region inzwischen zahlreiche Fitnessstudios, die sich ebenfalls auf ein altersdurchmischtes Publikum und dessen Bedürfnisse spezialisiert haben. Zu ihnen gehören zum Beispiel:
– Well come Fit, unter anderem in Wetzikon und Rikon
– Fritz bewegt mich in Uster und Illnau
– Chili Health Training, unter anderem in Hinwil
– Top-Fit in Pfäffikon
