Das sind die Pläne der Gemeinden für den Erhalt des Spitals Uster
Neue Eigentümerstrategie
Das Spital Uster schrammte in jüngster Vergangenheit knapp am finanziellen Kollaps vorbei. Eine neue Eigentümerstrategie soll ein ähnliches Szenario künftig verhindern.
Durch die finanziellen Turbulenzen rund um das Spital Wetzikon geriet schon fast in Vergessenheit, dass auch das zweite Spital in der Region in Uster bis vor gut einem Jahr noch ums Überleben kämpfte. Auch in diesem Fall mussten die Aktionärsgemeinden Kapital einschiessen. Am Schluss kamen insgesamt 33,2 Millionen Franken zusammen, um den Fortbestand des Spitals zu sichern.
Im Nachgang der Krise nahmen die zehn Aktionärsgemeinden die Planung der künftigen Ausrichtung des Spitals an die Hand. Sie erarbeiteten eine Eigentümerstrategie, in der die grundlegenden Ziele und Rahmenbedingungen der Entwicklung zusammengefasst sind. Nun haben alle beteiligten Gemeinden und Städte dieser Strategie zugestimmt, wie die Stadt Uster als grösste Aktionärin mitteilt.
Für die zuständige Ustermer Stadträtin, Gesundheitsvorsteherin Karin Fehr (Grüne), ist die Eigentümerstrategie ein bedeutendes Dokument. «Es ist wichtig, dass sich die Aktionärsgemeinden darauf verständigen, welche Erwartungen sie an das Spital haben.» Ein ähnlich umfassendes Strategiepapier habe bisher nicht existiert.
Offen für einen Spitalverbund
Bindend sei die Eigentümerstrategie zwar nicht, sagt Fehr. «Aber sie ist ein Führungsinstrument.» Sie soll als Leitlinie für die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat des Spitals dienen, ist aber klar von dessen Unternehmensstrategie zu trennen. Im Kern hält sie die Interessen der öffentlichen Hand fest.
Dazu gehört der Erhalt der Grundversorgung der Bevölkerung in den Regionen Oberes Glattal und Zürcher Oberland. «Das Spital Uster soll auch künftig eine zentrale Säule der regionalen Gesundheitsversorgung sein», schreibt die Stadt. Gleichzeitig sieht die Eigentümerstrategie die Möglichkeit vor, Kooperationen mit anderen Spitälern einzugehen.
Auch eine Zusammenarbeit in Form eines Spitalverbunds schliesst die Eigentümerstrategie nicht aus. Karin Fehr wird sogar noch deutlicher: «Wir sind sehr offen für Kooperationen oder Verbunde.» Diese müssten allerdings auch betriebswirtschaftlich Sinn ergeben.

Wert legen die Gemeinden ausserdem auf die finanzielle Eigenständigkeit des Spitals. Es trage die finanzielle Verantwortung selbst. Zusätzliche Mittel der Aktionärsgemeinden sind zurzeit nicht vorgesehen. Fehr schliesst aber nicht aus, dass die Gemeinden in einigen Jahren notfalls auf diese Vorgabe zurückkommen würden. Man müsse die Situation vorzu beurteilen.
Regelmässige Kommunikation
Um ein solches Szenario möglichst zu verhindern, wollen die Gemeinden das Spital künftig an die kürzere Leine nehmen. Zwar habe man umfangreiche Vorgaben vermieden, heisst es. Allerdings wird die Forderung nach einer umfassenderen Kommunikation durch das Spital deutlich. «Regelmässig, transparent und rasch» soll diese sein.
Die Gemeinden wollen sich an klar definierten Kennzahlen und Zielgrössen zum Geschäftsverlauf, zur finanziellen Situation und zur Gesamtvergütung des Verwaltungsrats orientieren. Konkret erwähnt werden ein positives Jahresergebnis sowie eine Eigenkapitalquote von mindestens 30 Prozent.
Verlangt ist also künftig eine «kontinuierliche und nachvollziehbare Berichterstattung» durch das Spital. «Wir wollen à jour gehalten werden», sagt Fehr dazu. Zusätzlich zur jährlich stattfindenden Generalversammlung ist neu ein sogenanntes Townhall-Meeting im Herbst geplant.
Lehren aus der Vergangenheit
Fehr macht auch aus der Kritik an Entscheiden von früheren Spitalführungen keinen Hehl. Die Gemeinden hätten ihre Lehren aus der Vergangenheit gezogen, sagt sie. «Wir erwarten heute kommunikativ klar ein anderes Vorgehen.» Bei der Aktienkapitalerhöhung seien die Gemeinden immer etwas hinterhergehinkt.
Durch die Krise des Spitals Wetzikon ist die Situation für die klammen Regionalspitäler inzwischen noch schwieriger geworden. Das hat auch die Ankündigung der Aktionärsgemeinden des Spitals Männedorf gezeigt, die nun vorsorglich eine finanzielle Absicherung über 70 Millionen Franken planen. «Die Situation ist anspruchsvoll, das ist uns allen klar», meint die Ustermer Stadträtin.
Momentan zeigt sich Karin Fehr mit der Kommunikation und dem Vorgehen des Spitals zufrieden. Inzwischen gebe es unter dem Verwaltungsrat, der seit 2022 mit der neuen Präsidentin Sacha Geier agiert, nichts zu beanstanden. «Wir sind auf einem guten und vertrauensvollen Weg.»