Von Rüti auf den Platzspitz: Bekenntnisse eines Süchtigen
30 Jahre Heroinabgabe
Eine falsche Entscheidung stellte das Leben eines Rütners auf den Kopf. Er holte sich Hilfe, zeigte Ausdauer und ist nun endlich bereit, loszulassen. Vielleicht.
Am Tisch sitzt ein Mann, der die Ruhe in Person sein könnte. Seine Bewegungen sind weder hektisch noch nervös, seine Stimme tief und ruhig. Manchmal schmunzelt er wie ein Lausbub, manchmal weicht sein bedrückter Blick ab und verliert sich in der Ferne. In seiner Hand hält er einen Becher Kaffee.
Matteo Furrer* ist heute 57 Jahre alt und hat ein ausserordentliches Leben geführt, in dem er nicht immer die Oberhand hatte. Der Rütner ist seit knapp vier Jahrzehnten heroinabhängig und hat sich bereit erklärt, seine Geschichte zu teilen. «Wenn ich nur eine Person davon abhalten kann, in dieselbe Sucht zu fallen, dann ist mir schon viel gelungen.»
Seit vier Jahren geht er beim Zentrum für Suchtmedizin Arud in Zürich ein und aus – zuvor waren es 15 Jahre in der Clienia in Wetzikon. Im Rahmen des Programms für Heroinabgabe erhält er hier seinen Stoff, um durch den Tag zu kommen. Diese Geschichte handelt durchaus von Sucht. Sie schreibt sich aber nicht ohne Angst, Verzweiflung oder Liebe – und erst recht nicht ohne Furrers Sinn für Humor.

