So erklären GZO und Aktionärsgemeinden den Neustart
Wie kam es zum neusten Knall?
Haben die Aktionärsgemeinden des GZO Spitals Wetzikon ihn zum Rücktritt gedrängt? Wurde Jörg Kündig als Verwaltungsratspräsident die Belastung zu viel?
Sieben Monate, so lange ist es her, seit Pascal Bassu (SP), Stadtpräsident von Wetzikon und Sprecher der Aktionärsgemeinden des GZO Spital Wetzikon, sagte: «Wir bereiten momentan keinen Wechsel an der Spitze des GZO vor, schliesslich stehen wir nach wie vor hinter dem Spital.» Jetzt kommt dieser Wechsel doch noch.
Wie am Mittwochmorgen bekannt wurde, bietet der gesamte Verwaltungsrat des Regionalspitals inklusive seines Präsidenten Jörg Kündig (FDP) seinen Rücktritt an. Das Spital befindet sich seit April, seit der Kanton dem Spital seine finanzielle Unterstützung versagt, in der Krise. Es hat Schulden in dreistelliger Millionenhöhe, ist aber vor seinen Gläubigern geschützt, weil es sich in einer provisorischen Nachlassstundung befindet.
Neubesetzung für die Zukunft
Was hat sich geändert, dass die zwölf Gemeinden, denen als Aktionären das Spital gehört, nun einen neuen Verwaltungsrat suchen dürfen oder müssen?
Grundsätzlich nichts, wie Bassu, der auch als Sprecher eines Ausschusses der Gemeinden fungiert, am Telefon erklärt. «Wir wollen jetzt einfach vorwärts in die Zukunft gehen. Mit einem neuen Verwaltungsrat möchten wir die mögliche Zusammenarbeit mit Partnern und Partnerinstitutionen in einem möglichen Spitalverbund neu verhandeln.» Es stellt sich tatsächlich die Frage, ob das mit der aktuellen Besetzung, die zu Teilen auch schon die Fusion mit dem Spital Uster vor einigen Jahren aufgleiste, nicht möglich gewesen wäre.

«Nach unserer Überzeugung kann ein frischer Verwaltungsrat unbekümmert und unverbraucht in Diskussionen und Verhandlungen gehen», so Bassu. Zudem könne jetzt das Gremium noch gezielter und fokussierter zusammengestellt werden.
Kein Druck seitens der Aktionärsgemeinden
Auch wenn der Sprecher der Aktionärsgemeinden betont, dass es ihm «nicht um eine Schuldzuweisung» gehe, das Lesen zwischen den Zeilen lässt hier Spielraum zu. Deshalb stellt sich auch eine Frage ganz besonders: Haben die Besitzer des Spitals den Abgang des Führungsgremiums forciert?
«Nein, wir haben niemanden zu diesem Schritt gedrängt. Das Ganze hat sich aus dem Prozess, aus der gegenwärtigen Situation langsam ergeben.» So sei man gemeinsam mit den Verantwortlichen beim GZO zu diesem Schluss gekommen.
Jörg Kündig, der an diesem Tag nicht für Interviews zur Verfügung steht, sondern nur schriftlich via Kommunikationsstelle des GZO erreichbar ist, bestätigt: «Es gab keinen Druck seitens der Aktionärsgemeinden.»
Überhaupt sind es die Aktionärsgemeinden, die jeweils den Verwaltungsrat des GZO wählen. Seit der Gründung der Aktiengesellschaft für das Spital 2009 wurde jener von Kündig präsidiert. Ihm wurde in den vergangenen Monaten oft die direkte Verantwortung dafür angelastet, dass sich das Spital jetzt in der Krise befindet.
Nachfrage bleibt unbeantwortet
Bereits im Juli erklärte Kündig, wie belastend die Situation für ihn sei. Er stellt allerdings klar: «Diese Belastung hat nicht zum heutigen Entscheid geführt.» Wie kam es dann zu dem Entscheid, dass gerade jetzt der gesamte Verwaltungsrat seinen Rücktritt anbietet? Die Antwort auf diese Nachfrage ist eins zu eins der am Morgen verschickten Medienmitteilung des Spitals entnommen:
«Am 25. Oktober 2024 hat die GZO AG ein umfassendes und nachhaltiges Sanierungskonzept für das Spital Wetzikon präsentiert. Dieses Sanierungskonzept und das seit Anfang 2024 laufende Sparprogramm am Spital Wetzikon bilden die beiden Stützen für die umfassende und nachhaltige finanzielle Gesundung des Spitals Wetzikon. Stimmt das Bezirksgericht Hinwil der Überführung der provisorischen in die definitive Nachlassstundung per 1. Januar 2025 zu, erhält die GZO AG 24 Monate Zeit, um das Sanierungskonzept umzusetzen. Für den Verwaltungsrat der GZO AG ist damit der geeignete Zeitpunkt gekommen, um Hand zu bieten für eine Nachfolgelösung.»
Noch im April hatte Kündig gesagt, «ich bleibe im Amt, solange es mich braucht, und setze mich mit aller Kraft für eine gute Lösung ein». Warum braucht es ihn jetzt nicht mehr? Wer eine tiefgründige Antwort auf diese Frage erwartet, der wird enttäuscht. Denn Kündig und die Kommunikationsstelle verweisen auf dieselbe Antwort wie zuvor.
Viele Punkte bleiben ungeklärt. Nicht aber die Frage, wie lang die Neubesetzung des Verwaltungsrats in Anspruch nehmen wird. «Bestenfalls ein bis zwei Monate», wie Pascal Bassu erklärt. Er rechne dem Spital und seinem Führungsgremium hoch an, dass es nicht sofort zurückgetreten sei, sondern einen flüssigen Übergang ermögliche.
Aktienkapitalerhöhung bis Ende Jahr
Neben der Personalsuche, die eine Findungskommission und ein Personalvermittler leiten, umtreibt die Besitzergemeinden derzeit noch die Prüfung der Aktienkapitalerhöhung. Diese ist ein wesentlicher Bestandteil des Sanierungskonzepts, das auch einen hohen Schuldenschnitt für die Gläubiger vorsieht.
Bis Ende Jahr soll in allen zwölf Gemeinden geprüft worden sein, ob und in welcher Höhe sie das Spital unterstützen und neues Geld einschiessen wollen. Vonseiten Spital liegt ein Antrag in Gesamthöhe von 45 bis 55 Millionen Franken vor.
Entscheiden wird letztlich das Stimmvolk an der Urne in den jeweiligen Gemeinden. Bis dahin dauert es allerdings noch. Zuvor entscheidet noch bis Ende Jahr das Bezirksgericht Hinwil, ob es das Spital in die definitive Nachlassstundung überführt. Und dem Gesundheitsinstitut damit 24 weitere Monate Zeit gibt, sein Sanierungskonzept umzusetzen.
Dieser Entscheid fusst dabei auf einem Gesuch der eingesetzten Sachwalter, welche die finanzielle Lage des Spitals beurteilen und zusammen mit der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat der GZO AG Sanierungsoptionen prüfen.
Neuerliche Forderungen der Creditor Group
Ebendiese will nun die aktivistisch agierende GZO Creditor Group per sofort absetzen. Die Gruppe hält 6,56 Prozent der 170-Millionen-Franken-Anleihe, mit welcher das Spital seinen Neubau finanzieren wollte. Sie ist nicht bereit, den Schuldenschnitt des GZO in Kauf zu nehmen, und trat zuletzt immer wieder mit lauten und harschen Forderungen in Erscheinung.
Gemäss eigener Aussage hat sich die Creditor Group schriftlich an das Bezirksgericht Hinwil gewandt und die sofortige Absetzung der Sachwalter beantragt – wegen Interessenskonflikten. Ein solcher ergäbe sich aus der Tatsache, dass die Sachwalterin Brigitte Umbach-Spahn mit Patrick Umbach verheiratet sei, einem Mitglied des Gemeinderats von Gossau, eine der zwölf Aktionärsgemeinden des GZO.
Auf Anfrage beim Bezirksgericht Hinwil heisst es, dass man von so einem Gesuch keine Kenntnis habe.
