«Eine Aktienkapitalerhöhung allein wird für das GZO nicht ausreichen»
GZO-Spitalführung im Interview
Der eine ist Spitaldirektor, der andere Verwaltungsratspräsident: Hansjörg Herren und Jörg Kündig. Mit uns sassen beide an einem Tisch und sprachen über das GZO Spital Wetzikon und seine gegenwärtige Lage.
Ruhig war es in letzter Zeit um das GZO Spital Wetzikon. Der ehemalige Spitalplaner des Kantons Zürich sprach gar von einer «gespenstigen Stille» in der momentanen Phase der provisorischen Nachlassstundung. Warum wird die Öffentlichkeit nicht mehr informiert?
Jörg Kündig, Verwaltungsratspräsident: Im Rahmen der Nachlassstundung informieren wir dort, wo wir können.
Wo geschieht denn die Information?
Kündig: Wir kommunizieren intensiv mit unseren Mitarbeitenden. Dann aber auch mit den Aktionärsvertretern und den Bondholdern. Auch mit den zuweisenden Ärzten stehen wir in einem Dialog.
Hansjörg Herren, Spitaldirektor: Die interne Kommunikation nehmen wir sehr ernst. Alle zwei Wochen informieren wir. Zum Vergleich: Vorher geschah das zweimal im Jahr. Es geht darum, Vertrauen aufzubauen, den Mitarbeitenden gegenüber durchblicken zu lassen, dass es Lösungen gibt, auch wenn wir intern ebenfalls noch nicht konkret werden können.
Kündig: Was wir sagen können, ist, dass es für die Prüfung von Sanierungsoptionen und Lösungen mehr Zeit braucht. Wir haben bereits eine gute Basis erarbeitet und sind zuversichtlich, dass das Verfahren der provisorischen Nachlassstundung um vier Monate verlängert werden kann. Anschliessend besteht die Möglichkeit einer definitiven Nachlassstundung von bis zu weiteren 24 Monaten.
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Viele fragen sich, warum Sie nicht konkreter werden können – sowohl intern als auch extern.
Kündig: Es greifen komplexe juristische Themen ineinander, deren Abklärung Zeit braucht. Zudem wird die Obligation immer noch gehandelt. Heisst, jede Nachricht, die nach aussen dringt, hat unmittelbare Auswirkungen auf die Kursentwicklung. Mögliche Wissensvorsprünge wären sehr heikel und würden vorteilhafte Positionsbezüge ermöglichen. Wir sind uns bewusst, dass es vielleicht so wirkt, als würden wir Informationen zurückhalten, und das kann in gewissen Situationen unbefriedigend sein.
Herren: Während der Nachlassstundung gilt der Gläubigerschutz. Eine abgestimmte Kommunikation muss sichergestellt sein. Die Nachlassstundung gibt uns die notwendige Zeit, an den Sanierungsplänen zu arbeiten. Daran arbeiten wir derzeit intensiv, aber es gilt, nichts zu überstürzen. Wenn das Sanierungskonzept steht, werden wir gleichzeitig informieren.
Kündig: Übrigens: Wir sind mit den Aktionärsgemeinden einig, dass wir das Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht sistieren. Die Beschwerde hatten wir vor der provisorischen Nachlassstundung eingereicht. Nun hat die Erarbeitung eines tragfähigen Sanierungskonzepts absolute Priorität, nicht eine gerichtliche Auseinandersetzung.
Wenn die Nachlassstundung verlängert werden soll, geht es um Sanierungsoptionen. Was können Sie dazu sagen?
Kündig: Grundsätzlich noch wenig aus den zuvor ausgeführten Gründen. Viele verschiedene Themen müssen wie Zahnräder ineinandergreifen. Es sind verschiedene Massnahmen, die auf der Zeitachse korrekt zu planen und mit allen involvierten Parteien sauber zu besprechen sind. Eine Kapitalerhöhung von den Gemeinden wird wohl nicht ausreichend sein.
Weil die 170 Millionen Franken für das Einzugsgebiet des Spitals nicht stemmbar sind?
Kündig: Das kann ich so weder bestätigen noch dementieren. Es ist ein sehr grosser Betrag, und ja, wir müssen im Rahmen eines Gesamtsanierungskonzepts einen Umgang mit dieser Obligationenanleihe finden. Wir zählen auf unsere Aktionärsgemeinden und erhoffen uns, dass sie einen Teil zur Lösung beitragen.
Hat denn das Spital bei den Aktionärsgemeinden inzwischen um eine Aktienkapitalerhöhung gebeten?
Kündig: Nein, es gibt noch keine konkrete Anfrage unsererseits, weil das Gesamtkonzept noch nicht abgesegnet ist. Wir befinden uns im laufenden Austausch mit den Gemeinden und kennen ihre Forderungen und auch die Abschätzung ihrer finanziellen Möglichkeiten.
Der frühere Spitalplaner Paul Vonlanthen hat den Vorwurf geäussert, dass im Ausschuss der Aktionärsgemeinden zu wenig Fachkompetenz vereint sei. Was entgegnen Sie darauf?
Kündig: Im Interview mit Ihnen vor Wochenfrist hat er einige Aussagen gemacht, die korrigiert werden müssen. Hansjörg Herren, Verwaltungsratsmitglied Marcel Peter und ich sitzen als Delegierte in diesem Gremium. Wir erleben die Gespräche als sehr hilfreich, die gewählten Vertreter haben den nötigen Sachverstand und das Know-how, sei es juristisch, gesundheitsökonomisch oder im Hinblick auf Sanierungsoptionen.
Herren: Und wenn wir eine Wissenslücke oder zu wenig Expertise haben, dann ergänzen wir das Team gezielt mit weiteren Fachexperten.
Kündig: Das Verständnis für die Sanierungsschritte ist zu schärfen. Wir haben die betriebliche Ebene, die sich im ersten Halbjahr sehr positiv entwickelt hat. Auf übergeordneter Ebene stehen unter anderem die immer noch fällige Obligationenanleihe und die Thematik des Neubaus. Diese Dinge brauchen Zeit.
Was passiert mit dem Neubau, den wir hier durchs Fenster sehen und an dem die Arbeiten seit Anfang Mai ruhen?

Herren: In Absprache mit den Sachwaltern wurde Geld gesprochen, um die Bausubstanz und die gemachte Planung zu sichern. Denn es ist auch im Interesse der Gläubiger, dass hier kein Schnellschuss, sondern ein nachhaltiges Konzept ohne neue Abhängigkeiten entsteht.
Über welche Summe reden wir hier?
Herren: Zahlen nennen wir im Moment keine. Es handelt sich um eine grössere Summe, um all diese Arbeiten zu erledigen. Damit später auf den aktuellen Stand aufgesetzt und weitergearbeitet werden kann.
Könnte es sein, dass die Baustelle die nächsten ein, zwei Jahre ruht?
Herren: Das lässt sich heute nicht sagen. Es kommt ganz auf die gefundene Lösung an. Es gibt mehrere Optionen, die einen mit einer schnelleren, andere mit einer weniger schnellen Fertigstellung des Baus.
Kündig: Für die bauliche Fertigstellung ist überdies entscheidend, ob und welche Partnerschaften im Oberland entstehen. Gibt es einen Austausch von Leistungen, wird der Neubau in Wetzikon hier sicher eine Rolle spielen können.
Gibt es da einen Namen, der genannt werden kann?
Kündig: Wir sind interessiert an Partnerschaften. Und das signalisieren wir auch, dazu sind wir absolut willens und überzeugt und der Meinung, dass wir einen gemeinsamen Weg finden werden.
Herren: Jedoch gilt auch hier: Wir dürfen nicht vorgreifen. Wenn eine Partnerschaft zustande käme, würden wir gemeinsam informieren. Wir sprechen nicht über andere, sondern mit ihnen. Solange etwas nicht spruchreif ist, handelt es sich um einen laufenden Prozess.
Sie sprachen zuvor beim Thema Sanierungen über die positive Entwicklung der betrieblichen Seite. Wie sieht diese aus?
Herren: Wir können für die ersten fünf Monate eine steigende, positive Ebitda-Betriebsmarge vermelden. Diese betrug durchschnittlich 4,4 Prozent. Damit befinden wir uns trotz Nachlassstundung wieder im guten Mittelmass der Schweizer Spitäler und liegen weit über Vorjahr, als sie noch bei 0,9 Prozent lag. (Anm. d. Red.: Die Gesundheitsdirektion verlangt von Spitälern eine Ebitda-Marge von 10 Prozent.) Die getätigten Sparmassnahmen zeigen Wirkung, die Einsparungen beim Sachaufwand sind um 12 Prozent tiefer.

Lässt sich das präzisieren?
Herren: Da wir weniger stationäre, aber mehr ambulante Patienten – genauer gesagt 7 Prozent – im ersten Halbjahr verzeichnen konnten, ist der medizinische Aufwand gesunken, Kleininvestitionen sind weggefallen. Wir konnten einen neuen Vertrag bezüglich Energieversorgung abschliessen und können so 700’000 Franken pro Jahr einsparen. Der Betrieb, das muss festgehalten werden, funktioniert sehr gut. Und selbst wenn wir insgesamt eine höhere Fluktuation beim Personal verzeichnen, so ist es glücklicherweise nie zu einer Kündigungswelle gekommen.
Kündig: Die Sanierung des operativen Betriebs ist seit Anfang 2024 in vollem Gang. Wir können heute bestätigen, dass diese Sanierung auf dieser Ebene sehr gut greift. Der erste wichtige Schritt ist damit gemacht. Wir können heute eine sehr gute Zwischenbilanz ziehen: Es ist uns gelungen, einnahmenseitig zuzulegen und die Kosten im Griff zu haben respektive zu senken.
Mit mehr ambulanten Fällen befindet sich das GZO Spital Wetzikon auch auf dem von der Gesundheitsdirektion geforderten Weg.
Herren: Allerdings verdienen wir unser Geld massgeblich noch mit stationären Fällen. Diese sind für uns finanziell immer noch wichtiger. Aber ja, es ist erfreulich, dass die Zahl der ambulanten Behandlungen gestiegen ist.
Kündig: Und das zeigt auch, dass wir weiterhin eine Anlaufstelle für die Gesundheitsversorgung im Oberland sind. Das Vertrauen der Patientinnen und Patienten und der zuweisenden Ärzte in uns ist da. Es war und ist unser Ziel, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Und das ist uns gelungen. Alle Leistungen und die Grundversorgung werden unverändert angeboten.
Das war wohl nicht immer allen klar, um die am Anfang unseres Gesprächs diskutierte Thematik der Information nochmals aufzugreifen. Auch ein erst kürzlich gegründeter Verein hat sich die Information und Sensibilisierung der Bevölkerung in Sachen GZO auf die Fahne geschrieben.
Herren: Nicht nur das. Der Wunsch seitens der Bevölkerung und seitens der Initiantinnen einer Petition, die rund 20'000 Unterschriften für das GZO zusammengebracht hat, war, dem GZO zu helfen. Wir hatten Patienten, die Geld spenden wollten. Daraus entstand die Idee zur Gründung eines Vereins, über den gespendet werden kann. Unsere ärztliche Direktorin im Vorstand fungiert als Bindeglied zum Spital.
Was soll mit den Spenden finanziert werden?
Herren: Beispielsweise eine Kampagne, welche wir dieser Tage lancieren: «Mitenand fürs Oberland». Mit Videos aus den Abteilungen wollen wir die Bevölkerung über unseren Betrieb informieren, ihr zeigen, dass wir 24 Stunden an sieben Tagen für sie da sind. Auch damit soll das Vertrauen in uns wachsen.
Apropos Vertrauen: Von aussen schienen nicht immer alle das Vertrauen in Sie als Verwaltungsratspräsidenten zu haben.
Kündig: Das Festmachen an einer Person wirkt durchaus belastend. Entscheidungen traf und treffe ich ja nie allein. Ich stehe aber auch gerne hin. Ich habe immer gesagt, dass ich, solange es mich braucht, mit meiner Erfahrung und meinem Wissen zur Verfügung stehe. Die Aktionärsvertreter haben mich kürzlich an der Generalversammlung wiedergewählt, und ich setze mich mit aller Kraft für dieses Spital ein.

Auch diese Erfahrung wurde schon angezweifelt.
Kündig: Ich habe die Gründung der AG des Spitals 2009 mitgeprägt, bin seither Verwaltungsratspräsident. In all den Jahren habe ich verschiedene Phasen miterlebt, drei Wechsel im Direktorium, dabei war ich selbst einmal stark operativ eingebunden, als wir 2015 einen CEO ad interim hatten. Die Aussage von Paul Vonlanthen, ich sei einfach nur ein Politiker, greift zu kurz, genauso wie mir das Know-how abzusprechen.
Eine letzte Frage zum Abschluss: Viele Blicke richten sich beim GZO aktuell nach vorne, auf die Rettung und Sanierung. Wird auch schon zurückgeschaut und das Geschehene aufgearbeitet?
Kündig: Natürlich beschäftigen uns diese Gedanken, aber wir sind noch nicht an einer systematischen Aufarbeitung. Die wird zu einem späteren Zeitpunkt Thema sein. Die Suche nach Lösungen hat im Moment absolute Priorität. Was sich sagen lässt: Wir haben 2014 die Mittel mit dem uns zur Verfügung stehenden Wissen aufgenommen. Die Anleihenaufnahme haben wir abgestimmt auf die Mittelbedürfnisse, die wir damals hatten. Nur mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass der Bauprozess länger dauert als gerechnet. Und des Weiteren haben sich verschiedene Parameter deutlich verschlechtert wie die Teuerung oder die Tarifsituation, plus wurden Negativzinsen erhoben.
