Weitere Rochaden im GZO Spital – Duo übernimmt Ärztliche Direktion
Nach drei Abgängen
Am GZO herrscht auf allen Ebenen Bewegung – auch auf der medizinischen. Zwei bewährte Mediziner bilden jetzt neu die Ärztliche Direktion.
Die Abgänge in der Geschäftsleitung des GZO Spitals Wetzikon folgten in den vergangenen Wochen Schlag auf Schlag. Am 15. April trennte sich das Spital vom langjährigen CEO Matthias P. Spielmann. Nur zehn Tage später folgte die Rückstufung des bisherigen Ärztlichen Direktors Urs Eriksson – und am 7. Mai schliesslich die Trennung von Chief Operating Officer Judith Schürmeyer.
Lesen Sie hier, was in der Wetziker Spitalkrise bisher passiert ist.
Von den bisherigen fünf Geschäftsleitungsmitgliedern blieben damit nur noch zwei übrig: Hansjörg Herren, der Leiter Unternehmensentwicklung, und Finanzdirektor Daniel J. Müller. Herren amtet inzwischen als interimistischer Spitaldirektor.
Das GZO Spital schafft die Bezeichnung CEO ab. Im Zuge der aktuellen Neubesetzungen in der Geschäftsleitung hätten sich der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung entschieden, die Funktionsbezeichnungen der Geschäftsleitungsmitglieder anzupassen, schreibt das Spital. Ebenfalls ersetzt würden die weiteren englischsprachigen Bezeichnungen wie CMO oder COO. Das Spital verwendet damit ab sofort die Bezeichnungen Spitaldirektor ad interim, Ärztlicher Direktor oder Direktorin Betriebe. (lel)
Nun gibt das Spital die künftige Zusammensetzung der fünfköpfigen Geschäftsleitung bekannt. Der Verwaltungsrat habe Chantal Breitenstein, Chefärztin für Anästhesie und Schmerzmedizin, und Andreas Boss, Chefarzt Radiologie und Nuklearmedizin, bereits per 1. Mai als Zweiergespann für die Ärztliche Direktion in die Geschäftsleitung berufen, heisst es in einer Mitteilung.
Ergänzt wird die Geschäftsleitung bereits seit dem 15. Mai zudem von Susanna Oechslin. Sie wechselte als vorläufige Nachfolgerin für Judith Schürmeyer nach Wetzikon und übernahm die Bereiche Pflege, Therapie sowie Organisation und Services. Zuvor war Oechslin am Kantonsspital Winterthur unter anderem als Mitglied der Geschäftsleitung tätig.
«Ur-Wetzikerin» übernimmt
Mit Chantal Breitenstein setzt das Spital für die Ärztliche Direktion einerseits auf eine bewährte Fachperson, die eng mit dem Wetziker Spital verbunden ist. Neben Anstellungen am Universitätsspital Zürich und am Spital Uster absolvierte sie einen grossen Teil ihrer medizinischen Laufbahn am GZO. Breitenstein sei eine «Ur-Wetzikerin», schreibt das Spital. 2017 kehrte sie nach humanitären Einsätzen im Ausland ins Oberland zurück.
An Breitensteins Seite steht andererseits künftig Andreas Boss, der erst Anfang 2023 vom Universitätsspital Zürich ins GZO Spital wechselte. In Zürich war Boss zuvor mehrere Jahre Leitender Arzt. Das Spital Wetzikon profitiere «von seinen wissenschaftlichen Leistungsausweisen in Medizin, Physik und in der Radiologie sowie von seinen Lehraufträgen und Forschungsprojekten», heisst es.
Mit dem aktuellen Entscheid ist damit zumindest klar, wer das Spital künftig im medizinischen Bereich führt. Noch nicht definitiv besetzt sind aber weiterhin die Positionen des Spitaldirektors sowie der Direktorin Betriebe. Sowohl Hansjörg Herren als auch Susanna Oechslin führen ihre Ämter nur interimistisch aus.
Aktionärsgemeinden warten auf Sanierungsoptionen
Kurz nach Bekanntwerden der finanziellen Schieflage hatten die zwölf Aktionärsgemeinden des GZO Spitals einen Ausschuss gebildet, der regelmässig tagt und die aktuelle Situation bespricht. Inzwischen habe sich der Austausch zwischen dem Verwaltungsrat des Spitals, den eingesetzten Sachwaltern und dem Ausschuss institutionalisiert, heisst es in einer aktuellen Mitteilung.
Darin nehmen die Aktionärsgemeinden den Verwaltungsrat zudem ein weiteres Mal in die Pflicht, Sanierungsoptionen auszuarbeiten. Die finanzielle Notlage sei «gravierend», schreiben die Aktionärsgemeinden. Dem Ausschuss komme die Rolle als begleitende Unterstützung im «anspruchsvollen Restrukturierungsprozess» zu.
Gleichzeitig machen die Gemeinden die Dringlichkeit der aktuellen Situation deutlich. Sie würden durch den Verwaltungsrat ausgearbeitete Sanierungsoptionen ohne Zeitverlust analysieren und bei Bedarf die notwendigen politischen Schritte unverzüglich anstossen, heisst es.
Die Sanierungsoptionen seien jedoch Bedingung, damit ein politischer Prozess zur Kapitalbeschaffung geprüft werden könne. Noch vor den Sommerferien wollen die Aktionärsgemeinden die Bevölkerung über den aktuellen Stand der Arbeiten informieren. (lel)
