Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Gesundheit

Spital Uster schreibt schwarze Zahlen – und will keine Fusion mit Wetzikon

Erstmals seit 2018 erzielt das Spital Uster wieder einen Gewinn. Dieser fällt allerdings bescheiden aus.

Kann positiv in die Zukunft blicken: das Spital Uster.

Foto: Simon Grässle

Spital Uster schreibt schwarze Zahlen – und will keine Fusion mit Wetzikon

Jahresergebnis veröffentlicht

Erstmals seit 2018 erzielt das Spital Uster wieder einen Gewinn. Dieser fällt allerdings bescheiden aus.

336’000 Franken – so hoch ist er jetzt also, der Gewinn für das Jahr 2023, den das Spital Uster Ende März noch vage angekündigt hatte. In eigenen Worten des Spitals fällt der Gewinn «bescheiden» aus. Dennoch ist das Gesundheitsinstitut eines der wenigen im Kanton, das nicht in finanziellen Nöten schwebt – zumindest nicht mehr.

Ein Blick auf die Zürcher Spitalkarte zeigt vielerorts ähnliche Probleme. Die Spitäler können ihre Kosten mit den aktuellen stationären und ambulanten Tarifen nicht mehr decken. Hinzu kommen steigende Ausgaben durch die Teuerung. In vielen Fällen resultierte im vergangenen Jahr entsprechend ein finanzielles Defizit.

Erst kürzlich hatten die Stadtzürcher Spitäler ihre Zahlen für 2023 präsentiert. Beim Stadtspital, bestehend aus den Spitälern Triemli und Waid, betrug das Minus 39 Millionen Franken, beim Universitätsspital Zürich sogar 49 Millionen. Ähnlich sieht es beim Kantonsspital Winterthur aus. Dieses schrieb einen Verlust von 50 Millionen Franken.

Etwas weniger düster sieht die Situation bei den umliegenden Regionalspitälern aus. Das Spital Zollikerberg rutscht zwar in die roten Zahlen ab, allerdings betrug das Defizit nur rund eine halbe Million Franken. Erst am Dienstag vermeldete das Spital Männedorf gar einen Gewinn in Höhe von 2,8 Millionen Franken.

Das zweite Spital im Oberland, das GZO Spital Wetzikon, schrieb 2023 einen Verlust von 11,6 Millionen Franken. Dieser ist unter anderem auf Abschreibungen zurückzuführen. Tatsächlich resultierte bei einem Ertrag von 154,9 Millionen und einem Aufwand von 152,7 Millionen ein Gewinn von 2,1 Millionen Franken aus dem laufenden Betrieb. (lel/erh)

Letztes Jahr hatte das Spital Uster noch einen Verlust von 5,2 Millionen Franken vermelden müssen, aufgrund von Abschreibungen des gestoppten Bauprojekts. Der Verlust liess die sowieso schon nach der Umwandlung von einem Zweckverband in eine Aktiengesellschaft zu tief bemessene Eigenkapitalquote noch tiefer sinken, was danach kam, ist bekannt. Das Spital benötigte eine Finanzspritze durch seine zehn Aktionärsgemeinden.

Nach erfolgreichen Abstimmungen an Gemeindeversammlungen und Urnen konnte das Aktienkapital um 33,2 Millionen Franken erhöht und die Eigenkapitalquote auf ein existenzsicherndes Niveau gebracht werden. Diese erfüllt nun die Bedingungen der Gesundheitsdirektion von mindestens 30 Prozent.

«Wir sind sehr zufrieden, dass wir das Spital Uster nach einer sehr turbulenten Phase wieder stabilisiert haben», lässt sich Verwaltungsratspräsidentin Sacha Geier jetzt in einer Medienmitteilung zum Jahresergebnis 2023 zitieren.

Ein Blick auf die Zahlen

Das Betriebsergebnis ohne Berücksichtigung von Zinsen, Steuern und Abschreibungen fällt mit einem Gewinn von knapp 9,3 Millionen Franken zum dritten Mal positiv aus und liegt rund eine halbe Million Franken über dem letzten Jahr. Auch die Ebitda-Marge, die sogenannte Umsatzrendite, ist mit 5,5 Prozent besser als noch 2022, als sie bei 4,8 Prozent lag. Allerdings ist sie noch immer weit weg von den geforderten 10 Prozent, welche die Gesundheitsdirektion für Spitäler vorsieht.

Der gesamte Ertrag der Spital Uster AG sank um gut 15 Millionen Franken auf 170 Millionen Franken. Das Spital erklärt dies mit einem Patientenrückgang von 4,4 Prozent im stationären Bereich. So wurden 2023 weniger als 10’000 Patientinnen und Patienten stationär behandelt, nämlich nur 9917. Auch die Zahl der ambulanten Fälle sank leicht auf 68’125.

Durchgeführt wurden 6555 Operationen, wovon über ein Drittel – total 2223 Eingriffe – ambulant stattfand.

Der Umsatzrückgang konnte gemäss Spital «jedoch durch Kosteneinsparungen fast vollständig ausgeglichen werden». Die Einsparungen beim Betriebsaufwand liegen bei rund 16 Millionen Franken, die Hälfte davon geht auf Reduktionen beim Personal zurück, wie ein genauer Blick in den Geschäftsbericht zeigt. Bereits im Juni 2023 hatte das Spital verkündet, 20 bis 25 Stellen abbauen zu müssen.

Ausblick in die Zukunft

Für das aktuelle Jahr sind Geschäftsleitung und Verwaltungsrat optimistisch, die Ziele des Budgets und des Businessplans zu erreichen. «Der Fokus liegt nun primär auf der strategischen Entwicklung des Spitals», so Verwaltungsratspräsidentin Geier.

Und diese sieht keine Fusion mit dem GZO Spital Wetzikon vor. Die «äusserst herausfordende finanzielle Situation der GZO AG» stelle keine Lösung dar. Aktuell befindet sich das GZO seit Anfang Mai in Nachlassstundung. Grund dafür ist eine 2014 aufgenommene Obligationenanleihe in Höhe von 170 Millionen Franken, um den Neubau zu finanzieren, die nicht wie geplant bis Mitte Juni abgelöst werden kann. Auch, weil der Regierungsrat ein Gesuch um finanzielle Unterstützung abgelehnt hatte.


Lesen Sie hier, was bisher in der Wetziker Spitalkrise passiert ist.


Obwohl das Spital Uster nun eine Fusion mit Wetzikon ausschliesst, ist man sehr offen für eine engere Zusammenarbeit der Spitäler in der Region «mit einer Fokussierung der Gesundheitsversorger auf ihre jeweiligen Stärken».

Damit spricht das Spital Uster, wenn auch nicht explizit, von der schon länger herumgeisternden Idee eines überregionalen Spitalverbunds. Die Idee, die der scheidende Interims-CEO Vital Schreiber beim Werben um Aktienkapital in den Gemeinden stets propagierte, stiess beispielsweise auch beim Spital Männedorf auf Anklang. Dort sagte man gegenüber dieser Redaktion: «Kooperationen sind für Spitäler wichtig, und wir sind grundsätzlich offen. Ob ein Regionalspitalverbund einen Mehrwert bringt, hängt stark von seiner Ausgestaltung und Verbindlichkeit ab.»

Im Spital Zollikerberg äusserten sich die Verantwortlichen jedoch zurückhaltender: «Als grundversorgendes Regionalspital mit öffentlichem Leistungsauftrag und unter der Trägerschaft der Stiftung Diakoniewerk Neumünster entspricht ein Beitritt zu einem Regionalspitalverbund derzeit nicht unserer strategischen Ausrichtung.»

Investition in Ambulantisierung

Zunächst gilt es für das Spital Uster, wie aus der Medienmitteilung hervorgeht, gute operative Ergebnisse zu erzielen, «um zukünftig in die Ambulantisierung, Endoskopie und Notfallstation investieren zu können». Wie das konkret gelingen soll, schreibt das Spital allerdings nicht.

Ursprünglich hatte das Spital eine Aktienkapitalerhöhung um 40 Millionen Franken geplant, um 10 Millionen für genau ebendiese Investitionen ausgeben zu können.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns