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Ist der Rohbau mehr wert als ein fertiges Spital?

Der Rosenkrieg zwischen GZO Spital und Steiner AG eskaliert. Und im Raum steht eine bange Frage.

Ein Spital als Notfall. Das GZO Spital in Wetzikon erlebt unruhige Zeiten.

Foto: Christian Merz

Ist der Rohbau mehr wert als ein fertiges Spital?

GZO Spital Wetzikon

Während sich das Spital Wetzikon und die Steiner AG öffentlich streiten, stehen die Baukräne still. Wird aus dem Neubau am Ende etwas anderes als ein Spital?

Es ist höchst unüblich, dass zwei Firmen einen Streit derart öffentlich austragen, wie es derzeit das GZO Spital Wetzikon als Bauherrin und die Steiner AG als Generalunternehmerin tun. Am Dienstag sah sich die Leitung des Spitals zu einer Medienkonferenz genötigt, am Mittwoch will das Generalunternehmen seine Sicht der Dinge in einer Web-Konferenz darlegen. Mediensprecher Guy Papstein bezeichnet die Vorwürfe des Spitals schon mal als «haltlos».

Klar ist, dass die Arbeiten am Neubau des GZO Spitals Wetzikon seit einer Woche ruhen: Die Handwerker haben die Arbeiten eingestellt, weil sie vom Generalunternehmen nicht bezahlt wurden, da dieses vom Spital vorderhand kein Geld erhält.

Das GZO Spital Wetzikon wehrt sich gegen die Vorwürfe der Totalunternehmerin Steiner AG.
Hansjörg Herren, CEO des GZO Spitals Wetzikon, legt seine Sicht der Dinge dar.

Es ist eine vertrackte Situation für Hansjörg Herren, den interimistischen CEO des GZO Spitals. Einerseits befindet sich sein Spital in der Nachlassstundung, um sich Zeit zu verschaffen, eine ablaufende Obligationenanleihe über 170 Millionen Franken irgendwie zu refinanzieren. Auf der anderen Seite soll an der Zukunft des Regionalspitals gebaut werden, das von Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) als «nicht unverzichtbar» bezeichnet wurde.

Wie geht es mit dem Neubau weiter? Zur Beantwortung dieser Frage sind die Aussagen unmittelbar nach der Kündigung durch die Steiner AG interessanter als der derzeitige Rosenkrieg. Man sei gewillt, den Bauherrn im Rahmen der Möglichkeiten auch in Zukunft zu unterstützen, sagte Mediensprecher Guy Papstein vor einer Woche und sprach von «Lösungsansätzen bezüglich der vorhandenen Land- und Bausubstanz des Spitals».

Die «NZZ» mutmasst, dass sich die Steiner AG mit ihrer Kündigung auch gegen einen allfälligen Konkurs des Spitals absichern will. Falls es zum Konkurs kommt, würde die Steiner AG dank einem Bauhandwerkerpfand bei der Zwangsverwertung bevorzugt behandelt. Mit diesem Pfandrecht könnte sie ihre offenen Forderungen im Grundbuch eintragen lassen.

Letztes Grossprojekt als Generalunternehmerin

Das GZO-Projekt ist das letzte grosse Projekt der Steiner AG als Generalunternehmerin. Die Firma will sich in Zukunft auf die Immobilienentwicklung konzentrieren und hat erst im Januar den Verkauf ihrer Tochter Steiner Construction AG abgeschlossen, die nach dem Total- und Generalunternehmerprinzip arbeitet.

«Diese strategische Transaktion beschleunigt den Übergang der Steiner AG zu einem reinen Immobilienentwicklungsunternehmen», feierte Steiner den Deal. Das Unternehmen mit Sitz in Zürich wird seit 2010 vom indischen Konzern Hindustan Construction Company Ltd. (HCC) kontrolliert.

Und als Immobilienentwicklerin kann Steiner durchaus interessiert sein am Neubau in Wetzikon, der zu 70 Prozent fertig ist. Der Rohbau steht aktuell zu 90 Prozent, die Innenwände stehen zu 80 Prozent, die Haustechnik ist zu 50 Prozent installiert.

Bauweise lässt Optionen offen

Der Neubau wurde in Skelettbauweise errichtet. Er besteht aus einem Betonkern und Betondecken, die von Stahlstreben gehalten werden. Die Innenwände sind in Leichtbauweise errichtet und können je nach Bedarf platziert werden. Noch ist der Neubau 30 Prozent davon entfernt, ein fertiges Spital zu sein. Es bestehen noch alle Optionen. Das ist spannend für einen Immobilienentwickler.

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