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Das sagen Verwaltungsratspräsident und CEO zur finanziellen Notlage

Was bedeutet das Nein vom Kanton zur benötigten Finanzspritze? Und wie geht es für das GZO jetzt weiter?

Matthias P. Spielmann, CEO des GZO Spitals Wetzikon, und Verwaltungsratspräsident Jürg Kündig (rechts) zeigen sich enttäuscht, aber auch kämpferisch.

Foto: Christian Merz

Das sagen Verwaltungsratspräsident und CEO zur finanziellen Notlage

«Müssen im Juni keine Türen schliessen»

Das GZO Spital Wetzikon wollte 180 Millionen Franken von der Regierung, aber bekommt diese nicht. Die Verantwortlichen erklären, was das bedeutet und wie es jetzt weitergeht.

Erik Hasselberg, Lennart Langer

«Die Aussagen in ihrer Härte treffen uns. Sie sind ein Schlag in die Magengrube», sagt Jörg Kündig an diesem Donnerstagnachmittag. Gemeinsam mit Matthias P. Spielmann, dem CEO des GZO Spitals Wetzikon, gibt der Verwaltungsratspräsident Auskunft zur finanziellen Situation.

Am Donnerstagmorgen informierte die kantonale Gesundheitsdirektion: Das Spital erhalte kein Geld. Doch das wäre bitter nötig. Und zwar nicht zu knapp. Und dann noch ziemlich schnell. 180 Millionen Franken benötigt das Gesundheitsinstitut, um am 12. Juni eine Obligation, die über zehn Jahre lief und für die Erstellung des Neubaus aufgenommen wurde, zurückzuzahlen.

Als ein Spital auf der kantonalen Spitalliste wollte Wetzikon die Mittel oder eine Garantie für diese bei der Kantonsregierung beantragen. Doch sie lehnt das Gesuch nun ab. Mit deutlichen Worten: Das Spital sei nicht «unverzichtbar», weder der Neubau noch die bestehenden Spitalgebäude, deren Renovation geplant sei, seien für die Spitalversorgung der Bevölkerung des Kantons notwendig.

Zentrale Bedeutung – auch wegen des Aatals

Eine Ansicht, die Jörg Kündig nicht teilt: «Wir sind im gesamten Oberland östlich des Aatalgrabens, aber auch für das Einzugsgebiet im angrenzenden Kanton St. Gallen von zentraler Bedeutung», meint der Verwaltungsratspräsident des Spitals, der zudem auch Gossauer Gemeindepräsident und FDP-Kantonsrat ist.

Das Aatal, dieses Nadelöhr, es war auch in den Diskussionen für die Aktienkapitalerhöhung des Spitals Uster, um dieses zu retten, ein vorgebrachtes Argument. Es sei eine natürliche Barriere und trenne zwei Geländekammern. Auch deshalb gebe es zwischen den zwei Spitälern, die in der Luftlinie nur wenige Kilometer auseinanderlägen, nur 5 Prozent Patientenüberschneidungen.

Bei der Gesundheitsdirektion (GD) sieht man das anders. Auch ohne Spital Wetzikon könnten Patientinnen und Patienten innert maximal 30 Minuten in einem anderen Spital sein.

Keine Liquiditätsengpässe

Überhaupt, die GD machte am Donnerstagmorgen klar, dass sie es nach wie vor für richtig hält, im Oberland künftig nur ein Listenspital zu haben. Dass es nun nur Uster statt Wetzikon sein könnte, überrascht, erhielt doch Uster bei der Bekanntgabe der Listenplätze im März 2022 zunächst nur einen provisorischen Platz – aufgrund seiner finanziellen Probleme.

«Uster stand vor Liquiditätsengpässen, bei uns ist das anders», erklärt Kündig. «Unser Betrieb, und das ist ganz wichtig, funktioniert und ist sichergestellt. Wir verfügen über die nötigen flüssigen Mittel.» Er spricht von 50 Millionen Franken Liquidität, 20 Millionen Franken Eigenkapital, wovon 12 Millionen Franken das Aktienkapital der zwölf Aktionärsgemeinden sind.

Ein Mann mit einem besorgten Gesicht.
Besorgte Miene: Doch gemäss Verwaltungsratspräsident Jörg Kündig besitzt das Wetziker Spital genügend liquide Mittel, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Das Problem sei die fällige Obligationsanleihe im Umfang von 170 Millionen Franken. Nur, hat man diese Probleme nicht kommen sehen? So zeigte sich Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) über die kurzfristige Anfrage und die Grössenordnung überrascht.

«Natürlich haben wir schon angefangen, 2022 Gespräche mit möglichen Finanzpartnern zu führen über die Refinanzierung der 170 Millionen und zuzüglichen Zinsen.» Doch die finanzielle Situation des Spitals verschlechterte sich, 2022 schrieb man einen Verlust von 2,5 Millionen Franken. Wie an vielen anderen Orten im Gesundheits- und Spitalwesen werden die Gründe hierfür dem System zugeschrieben, sprich den nicht kostendeckenden Tarifen ambulanter und stationärer Leistungen.

Anfänglich wurde eine Stärkung der Eigenkapitalbasis gefordert. «Hier schufen wir die Voraussetzungen.» Erst spät im Jahr 2023 wurde das GZO Spital Wetzikon informiert, dass seine Partner nach anfänglich optimistischer Einschätzung für die Refinanzierung nur Staatsgarantien akzeptierten. «Der Gang zum Kanton war eine logische Folge, wir wollten nicht von Beginn weg den Regierungsrat damit belasten, sondern selber eine Lösung finden», so Kündig.

Nachlassstundung als mögliche Option

Und jetzt, nach der Absage? Muss das Spital im Juni seine Türen schliessen? «Auf gar keinen Fall», erklärt die Führungsetage vehement. Zurzeit liefen Gespräche, um die Finanzierung zu sichern. «Wir prüfen zurzeit alle möglichen Optionen, wovon die Nachlassstundung nur eine Option ist.»

Diese Möglichkeit sieht der Gesetzgeber vor, um Schuldner vor ihren Gläubigern temporär zu schützen, damit Sanierungsmassnahmen und mögliche Rettungspläne erarbeitet werden können. Das, während der Betrieb normal weitergeht. Eine provisorische Nachlassstundung von zunächst 4 Monaten kann bis zu maximal 32 Monaten verlängert werden.

«Wir sind zuversichtlich, dass uns im Fall eines Gesuchs um Nachlassstundung diese richterlich gewährt würde», sagt der Verwaltungsratspräsident. «Dies gibt uns die nötige Zeit, mögliche Optionen zu prüfen, um doch noch eine Refinanzierung möglich zu machen.» Wie diese genau aussehen, bleibt zumindest am Donnerstag noch unklar.

Strukturelle Probleme im Gesundheitssystem

Aufgeben will das Spital jedoch nicht. «Wir verspüren Kampfeslust, von der Führung bis zu den Mitarbeitenden. Wenn ihnen jemand sagt, sie seien verzichtbar, dann löst das etwas in ihnen aus», gibt sich Kündig zielstrebig.

Spielmann ergänzt: «In der Pandemie haben wir gesehen, wie elementar Regionalspitäler als wichtige Pfeiler der Gesundheitsversorgung sind. Die ganzen Corona-Fälle hätten die vier grossen Spitäler nicht allein stemmen können.» Der CEO fügt an, dass bei der Leistungsvergabe der GD das GZO auch einen zusätzlichen Leistungsauftrag für Abteilungen für Schlaganfälle sowie für Früh- und Neugeborene erhalten habe. «Ersteres ist eine Spitalleistung, bei der die Zeit eine ganz entscheidende Rolle spielt. Entsprechend ist der Standort von grosser Bedeutung.»

Ein Mann in einem Anzug argumentiert mit den Händen.
Gerade die Pandemie hat für CEO Matthias P. Spielmann die elementare Rolle der Regionalspitäler für die Gesundheitsversorgung gezeigt.

Für das Vorgehen bei der Leistungsvergabe erntet die GD allerdings Kritik von Spital-CEO Spielmann. Für sie sei die Arbeit nach der Vergabe erledigt, sagt Spielmann. «Es müsste die Aufgabe des Kantons sein, die Grundversorgung besser zu strukturieren. Man kann nicht einfach sagen, macht mal.»

Als das GZO Spital Wetzikon und das Spital Uster vor einigen Jahren «machten» und eine Fusion prüften, die dann 2020 kurz vor den angesetzten Urnenabstimmungen scheiterte, «hat sich die GD nicht aktiv an den Gesprächen beteiligt», lässt auch Kündig seine Kritik durchblicken.

Wie stehen die Verantwortlichen aber zur Kritik, dass ihr Problem mit einem gewaltigen Neubau, für dessen Kosten von 200 Millionen Franken vor zehn Jahren die Obligation aufgenommen worden war, im wahrsten Sinne des Wortes selbst verschuldet ist? «Der Entscheid für den Neubau wurde im Jahr 2014 gefällt und die Finanzierung auf dieses Projekt ausgerichtet.  Ziel war es, den in die Jahre gekommenen bestehenden Bau zu ersetzen und uns gemäss den damals gültigen Prognosen auf die Zukunft auszurichten.»

Keine zusätzlichen Sparmassnahmen geplant

Stand heute gehen die Verantwortlichen immerhin nicht davon aus, dass es zu weiteren Sparmassnahmen kommt. So hatte das Spital Anfang Jahr informiert, bis zu 25 Mitarbeitende zu entlassen. «Aufgrund der natürlichen Fluktuation, gewünschter Pensenkürzungen oder des Beziehens von unbezahltem Urlaub mussten wir am Ende ‹nur› fünf Kündigungen aussprechen», erklärt der CEO. «Wie gesagt, der Betrieb funktioniert, dort sind wir finanziell auf einem guten Weg. Und das ist letztlich etwas, das uns bei unseren Gesprächen mit Finanzierungspartnern hilft», ergänzt der Verwaltungsratspräsident.

Er hält fest: «Unsere Aufgabe ist es, die aktuelle Situation zu bewältigen und den weiteren Betrieb sicherzustellen. Ja, wir stehen vor einer grossen Aufgabe. Doch unsere Aktionärsgemeinden stehen hinter uns, und wir wollen die medizinische Versorgung für die über 100’000 Menschen in unserem Versorgungsgebiet weiterhin sicherstellen.

Aber auch die Mitarbeitenden seien dafür ganz entscheidend. «Mit intensiver Kommunikation und verschiedenen persönlichen Gefässen wollen wir erreichen, dass sie mit uns diesen Weg gehen.»

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