Notfallpraxen kennen keinen Aufnahmestopp
Hausarztmangel in der Region – Teil 2
In Zeiten von Patientenaufnahmestopps in Hausarztpraxen sind die Notfalldienste noch gefragter. Die Notfallpraxen bei den Spitälern in Uster und Wetzikon sind häufige Anlaufstellen.
Jeder Arzt ist verpflichtet, sich nicht nur regelmässig weiterzubilden, sondern auch Notfalldienst zu leisten. Mit den unregelmässigen Einsätzen abends, nachts und am Wochenende gehört dieser Dienst unter den Hausärzten zu den unbeliebten Aufgaben.
Dies bestätigt Reto Schnyder, Co-Präsident der Gesellschaft der Ärztinnen und Ärzte des Zürcher Oberlandes (AGZO), der seit 35 Jahren den Notfalldienst in einem Teil der Region organisiert. Grund für die geringe Begeisterung sei auch der Umstand, dass dieser Dienst neben der üblichen Praxiszeit zusätzlich geleistet werden müsse und ungenügend oder gar nicht abgegolten werde.
Ärztephon koordiniert
Dennoch habe er die ganze Zeit über nie Probleme gehabt, den Notfalldienst abzudecken. Noch vor zehn Jahren sei diese Aufgabe wegen der sehr hohen Dienstbelastung der Einzelnen stressig gewesen. Doch seit der Einführung der Notfallpraxen bei den Spitälern Uster und Wetzikon und des Ärztephons sei eine Entlastung eingetreten. Das unter der Nummer 0800 33 66 55 erreichbare Ärztephon ist im Kanton Zürich die erste Anlaufstelle für nicht lebensbedrohliche medizinische Notfälle.



Das stellt auch der Ustermer Hausarzt Res Kielholz fest: «Eine sehr grosse Belastung waren früher die häufigen und langen Notfalldienste, die wohl viele Interessierte abgeschreckt haben, eine Hausarztpraxis zu übernehmen. Dank der gelungenen Kooperation mit dem Spital Uster können wir unseren Notfalldienst heute in der Notfallpraxis leisten, eine Win-win-Situation.»
Pflicht zur Versorgung
Der Baumer Arzt Beat Staub hat für die heutige Notfallversorgung im Oberland ebenfalls lobende Worte: «Sie ist mit der Notfallpraxis am GZO-Spital gut gelöst.» Diese biete auch die Grundlage für eine rasche Behandlung. «Selbstverständlich hat jeder kranke Mensch das Gefühl, dass er im Krankheitsfall zu lange warten muss, zu lange Schmerzen erleiden muss oder zu lange aufs Ausstellen des Arbeitsunfähigkeitszeugnisses warten muss.»
Bei der Frage der idealen Gesundheitsversorgung müsse auch geklärt werden, welche Wege einem Kranken zumutbar seien: «Kann ein Kranker von Rüti nach Bauma zum Notfallarzt reisen? Bei einem banalen Pfnüsel: selbstverständlich. Bei einem Herzinfarkt: nein, keinesfalls – dafür ist ja dann der Rettungsdienst zuständig.»
Notfallpraxen kommen in Zeiten von Aufnahmestopps verstärkt zum Zug. «Patienten, die in Praxen abgewiesen werden, müssen über den Notfalldienst versorgt werden», betont Reto Schnyder.
Wir haben uns in der Region zum Hausärztemangel umgehört und haben die Problematik in drei Artikel aufgeteilt:
> > Lesen Sie hier Teil 1: Hausärzte gehen in Papierflut unter
> > Lesen Sie hier Teil 3: «In zehn Jahren wird es das Modell Einzelpraxis nicht mehr geben»
