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Gesundheit

«In zehn Jahren wird es das Modell Einzelpraxis nicht mehr geben»

Zusammen geht es besser. Dieses Motto gilt auch unter Oberländer Hausärzten.

Rafal Kasina gehört zum Hausarztteam im Gesundheitszentrum Wilacare.

Foto: Bettina Schnider

«In zehn Jahren wird es das Modell Einzelpraxis nicht mehr geben»

Hausarztmangel in der Region – Teil 3

Noch gibt es sie, die Ärzte, die allein einen Betrieb führen. Doch in der Region gehört die Zukunft den Gemeinschaftspraxen.

Was die Zukunft der Hausarztpraxen anbelangt, hat Reto Schnyder, Co-Präsident der Gesellschaft der Ärztinnen und Ärzte des Zürcher Oberlandes (AGZO), eine Prognose: «In zehn Jahren wird es das Modell Einzelpraxis nicht mehr geben.»

Als Grund dafür sieht er den Mentalitätswandel unter den jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Diese wollten nicht mehr zu 100 Prozent arbeiten. Schnyder wirkt trotz vor Kurzem erfolgter Pensionierung weiterhin in seiner Gemeinschaftspraxis in Hittnau.

«Ich mache diesen Job wirklich gerne, aber es ist sehr streng. Auch die Jüngeren leisten einen sehr grossen Einsatz, aber sie sind nicht mehr dazu bereit, diesen in dieser hohen Kadenz zu liefern», bilanziert der AGZO-Co-Präsident.

Gemeinschaftspraxis mit vielen Vorteilen

In allen angefragten Praxen in der Region hat die Zahl der Patienten in den letzten Jahren zugenommen. Eine genügende Auslastung ist damit kein Problem.

Gemäss dem Ustermer Hausarzt Res Kielholz braucht es täglich 20 bis 30 Patienten, um eine Praxis rentabel betreiben zu können. «Oft werden daraus aber 40, an Spitzentagen bis 50, Telefonkonsultationen eingerechnet.» Gleichwohl werde es immer schwieriger, eine Einzelpraxis zu führen.

«In einer Gemeinschaftspraxis kann man die Kosten und administrativen Aufgaben aufteilen, sich während der Ferien vertreten, schwierige Fälle besprechen und Krankheitsausfälle bei einem grösseren Team besser kompensieren. Zudem macht es auch viel mehr Spass, in einem guten Team zu arbeiten.»

Wichtiger Medikamentenverkauf

Für Schnyder ist nur das Modell von Gruppenpraxen zukunftsfähig. Mit den heutigen Tarifen lasse sich eine solche noch betreiben. Aber auch nur, wenn die Ärzte selbst Medikamente verkaufen könnten. Allerdings stehen die Hausärzte auch in diesem Bereich vor einer Unsicherheit.

So wird auf Mitte Jahr ein neues Vergütungsmodell im Medikamentenverkauf eingeführt. Mit diesem werden die bisher üblichen Margen abgeschafft.

Ein Mann steht zwischen hohen Medikamentenschränken.
Der Medikamentenverkauf – im Bild Markus Irniger von der Rütner Praxis am Bahnhof – ist für Hausärzte sehr wichtig.

Auch der Baumer Arzt Beat Staub ist sehr skeptisch, ob eine Einzelpraxis noch profitabel betrieben werden kann. «Ich bin überzeugt, dass die Zukunft den interdisziplinären Betrieben gehören wird. Häuser, in denen von der Ernährungsberatung über Psychologen bis zum Hausarzt verschiedene Professionalitäten gemeinsam arbeiten. Eine spannende Rolle kommt dabei den Pflegeexpertinnen zu, die die ärztliche Tätigkeit pflegerisch ergänzen.»

Gemeinschaftspraxen böten auch einen leichteren Einstieg für junge Ärzte. So spiele es auch eine Rolle, dass die Herausforderung, ein KMU zu führen, neben der eigentlichen medizinisch-ärztlichen Tätigkeit für viele eben doch zu gross sei. «In der Aus- und Weiterbildung wird man nicht darauf vorbereitet», merkt Staub an.  

Migros als grösster Hausarzt

Schwieriger wird es laut dem AGZO-Co-Präsidenten für Grosspraxen, die auf Profitabilität ausgelegt sind. Die Infrastrukturkosten nähmen dann rasch zu. Ein wirtschaftlicher Betrieb von solchen Grosspraxen sei nur in Ballungsräumen möglich und dann vorzugsweise auch als Ketten.

Mittlerweile sei denn auch die Migros mit ihren Medbase-Kliniken schweizweit der grösste Hausarzt. In der Region verfügt Medbase über vier Standorte. In Greifensee liegt der Fokus auf der Physio, in Uster, Wetzikon und Hinwil auf der Medizin. 

Zusammenarbeit mit den Gemeinden

Um die medizinische Versorgung in einer Gemeinde zu sichern, erachtet der AGZO-Co-Präsident auch ein Engagement der Politik als wichtig. «In Hittnau hat mich zum Beispiel die Gemeinde bei der Suche nach grösseren Räumlichkeiten unterstützt.»

So seien sie nun in einer gemeindeeigenen Liegenschaft eingemietet. «Das ist eine Win-win-Situation», betont Schnyder. Solche Konstrukte gebe es auch in Wila, und in Russikon sei etwas geplant.

Ein Mann mit Krücken steht vor einer Theke.
Die Gemeinde Wila hat sich für die Eröffnung eines Gesundheitszentrums engagiert.

Die Situation bleibe auch so schwierig genug für junge Kollegen, die eine Praxis eröffnen wollten. Sie könnten eine solche nämlich nicht finanzieren, zumal sich kaum mehr eine Bank finden lasse, die dafür einen Kredit gebe. Vor 30 Jahren sei das noch kein Problem gewesen.   


Wir haben uns in der Region zum Hausärztemangel umgehört und haben die Problematik in drei Artikel aufgeteilt:

> > Lesen Sie hier Teil 1: Hausärzte gehen in Papierflut unter

> > Lesen Sie hier Teil 2: Notfallpraxen kennen keinen Aufnahmestopp


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