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Ustermer Gesundheitsexperte äussert sich zum möglichen Spital-Konkurs

Als Co-Präsident der Ärztegesellschaft Zürcher Oberland kennt Daniel Ambauen das Gesundheitswesen. Seine Meinung zum Spital Uster steht fest.

Daniel Ambauen sagt: «Für die Aktienkapitalerhöhung des Spitals Uster sehe ich kein Problem.»

Foto: Erik Hasselberg/PD

Ustermer Gesundheitsexperte äussert sich zum möglichen Spital-Konkurs

«Mehr Kooperation notwendig»

Daniel Ambauen ist Co-Präsident der Ärztegesellschaft Zürcher Oberland. Der Ustermer, der auch eine Hausarztpraxis leitet, erklärt, wieso es das Spital Uster braucht.

«Die Spital Uster AG braucht eine Aktienkapitalerhöhung von 40 Millionen Franken, um die Eigenkapitalquote auf ein existenzsicherndes Niveau zu bringen. Andernfalls droht der Konkurs.»

So deutlich wie vielleicht noch nie äusserte sich das Spital Uster am Montag in einer Mitteilung zu seiner Zukunft. Eine Zukunft, die es auch mit einem neuen CEO antreten muss, weil der bisherige Direktor eine neue Herausforderung sucht.

Die Institution vermeldete jedoch, dass sie zuversichtlich sei. Schliesslich sei nach einer ausserordentlichen Generalversammlung der zehn Aktionärsgemeinden die Aktienkapitalerhöhung auf gutem Weg. Denn in der Tat: Einige Gemeinden sind dabei, ihre im Sommer getroffenen Entscheide zu überdenken.

Aktienkapitalerhöhung kein Problem

Einer, der das Spital Uster seit Jahrzehnten kennt und mit dem Krankenhaus zusammenarbeitet, ist Daniel Ambauen. Der Facharzt für Allgemeine Innere Medizin leitet in Uster eine Hausarztpraxis und ist gleichzeitig Co-Präsident der Ärztegesellschaft Zürcher Oberland.

«Ein Konkurs des Spitals Uster ist für mich unvorstellbar, so verankert, wie es in der Stadt und der Region ist», erklärt Ambauen am Telefon zwischen zwei Sprechstunden.

«Seit Jahren weise ich dem Spital Patienten zu, man kennt sich, die Zusammenarbeit ist extrem wertvoll.» So würden die Spitalärzte stets wissen, dass er in seiner Praxis schon zahlreiche Abklärungen getroffen habe, die Wege seien kurz.

Der Aktienkapitalerhöhung blickt der Hausarzt spürbar gelassen entgegen. «Da sehe ich kein Problem, alle Gemeinden sind dafür und haben sich dafür ausgesprochen. Wenn die Aktionärsgemeinden vorausgehen, sind die Chancen gering, dass das Volk Nein sagt.»

Unklare Situation bei Spitaltarifen

Was eine Katastrophe wäre, aber für alle Regionalspitäler gleichermassen, betont Ambauen, wären mögliche Kürzungen der Spitaltarife.

Da die Pandemie vorbei ist und die Gesundheitskosten immer weiter steigen, könnte der scheidende SP-Bundesrat und Gesundheitsminister Alain Berset diesen Sparentscheid noch dieses Jahr treffen.

Momentan gilt für die meisten Akutspitäler im Kanton Zürich ein Basisfallpreis von 9900 Franken, die von Krankenkasse und Kanton an die Häuser fliessen. Der Tarif ist alles andere als kostendeckend.

«Es ist bereits heute so, dass Spitäler ihr Geld nur mit Privatpatienten und teuren Operationen verdienen», erklärt der Co-Präsident der Ärztegesellschaft Zürcher Oberland.

«Sollte die Tarifkürzung kommen, wäre Uster genau gleich betroffen wie ein anderes Spital, das nicht zentrumsnah ist. Uster ist da aus meiner Sicht nicht speziell gefährdet.» Die aktuellen Zeiten seien für alle Spitäler schwierig.

Mehr Kooperationen notwendig

«Deshalb halte ich es für notwendig und essenziell, dass mehr Kooperationen angestrebt werden.» Und für ihn unternehme das Spital Uster schon vieles in diese Richtung. «Es ist Teil eines grösseren Netzwerks und zeigt sich schon jetzt offen für einen kooperativen Kurs.» So hatte das Spital bereits im März die vermehrte Zusammenarbeit mit der Zürcher Hirslanden-Klinik bekannt gegeben.

«Die Zusammenarbeit muss aber noch viel weiter gehen und bei der Verwaltung anfangen. Möglich wäre, dass mehrere Regionalspitäler eine Holding bilden würden, um dann ihre Zusammenarbeit bei der Verteilung und Spezialisierung von Aufgaben zu planen», erklärt Ambauen.

Fusion mit Wetzikon unrealistisch

Muss dann aber nicht zwangsläufig wieder die Frage nach einer möglichen Fusion mit dem GZO-Spital Wetzikon auf den Tisch gebracht werden? Diese war vor rund drei Jahren gescheitert. Grund war die finanzielle Schieflage des Spitals Uster.

«Das Spital Uster steht jetzt finanziell sicher besser da als damals, auch wenn ich natürlich die genauen Zahlen und Umstände nicht kenne», sagt Ambauen. «Allerdings ist es so, dass die zwei Standorte ganz unterschiedliche Einzugsgebiete und nur wenige Überschneidungen haben. Und es ergibt einfach mehr Sinn, wenn sich mehrere Regionalspitäler zusammenschliessen, nicht nur zwei.»

Uster orientiere sich westlich Richtung Glattal und in einem Einzugsgebiet von 200’000 Menschen. Wetzikon übernehme den südöstlichen Teil des Oberlands. Während in Uster mit der Hirslanden-Klinik zusammengearbeitet wird, hat das GZO-Spital Wetzikon 2022 einen Kooperationsvertrag mit dem Kantonsspital Winterthur unterzeichnet.

Nach der gescheiterten Fusion seien Wetzikon und Uster eigene Wege gegangen. «Eine gemeinsame Kultur hat sich nicht entwickelt», erklärt Ambauen und schliesst: «Beide Spitäler müssen eine Grundversorgung anbieten.» Nicht ohne anzuhängen, dass effizienter gearbeitet werden müsse.

«Es ist für mich nicht vorstellbar, dass es das Spital Uster nicht mehr geben wird. Es braucht diese stationäre Institution hier.» Und er sei zuversichtlich, dass der eingeschlagene Weg des Spitals mit einer erweiterten Grundversorgung und der Zusammenarbeit mit Spitex, Arztpraxen sowie Alters- und Pflegeheimen der richtige sei.

Gesundheitsdirektion hält sich bedeckt

Diesen Weg beurteilt auch die Gesundheitsdirektion (GD) des Kantons. Im Rahmen der Spitalplanung 2023 hat diese dem Spital Uster Auflagen gemacht. «In diesem Zusammenhang stehen wir mit den Spitalverantwortlichen in regelmässigem Kontakt. 2025 wird eine entsprechende Gesamtbeurteilung seitens des Kantons erfolgen», beantwortet die GD knapp einen umfassenden Fragenkatalog zur Beurteilung der gegenwärtigen Situation.

Auf die Frage, welche möglichen Auswirkungen der Wechsel in der Geschäftsleitung für den Austausch habe, heisst es: «Die Personalplanung obliegt den Spitälern und muss nicht mit der Gesundheitsdirektion abgesprochen werden.»

Zu kommunalen Abstimmungen, wie die Aktienkapitalerhöhung eine sei, wolle man sich nicht äussern.

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