Bulimie bei Jugendlichen vorbeugen – fünf Tipps für Eltern
Expertin für Essstörungen in Kemptthal
Andrea Ammann betreibt ihre Praxis als Mentorin für Menschen mit Bulimie in The Valley in Kemptthal. Eltern können helfen, Bulimie zu verhindern.
Essstörungen sind ein gesellschaftliches Phänomen. Sie hätten oft mit einem fehlenden Körpergefühl zu tun und entwickelten sich schon früh in den Köpfen der Menschen, sagt Andrea Ammann. Sie begleitet als Mentorin Menschen mit Bulimie und deren Angehörige.
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Es sei eine Thematik, mit der man als Elternteil am besten bewusst umgehen lerne und seine Kinder vertraut mache, sagt Ammann. Die Expertin hat fünf Tipps zur Prävention, die sich vor allem an Eltern richten.
1. Kinder sollen ihr eigenes Sättigungsgefühl wahrnehmen lernen
«Eltern sollen ihren Kindern helfen, einen gesunden Umgang mit Essen zu entwickeln. Dazu gehört, dass sie auch mal über die Stränge schlagen dürfen oder einfach mal nicht hungrig sind. Sätze wie ‹Das musst du jetzt unbedingt noch aufessen» sollen eher vermieden werden. Das Kind darf lernen, sich selber zu vertrauen und auf den eigenen Körper zu hören.»
2. Strukturen durchbrechen
«Viele Familien leben auch heute noch in sehr klaren Strukturen. Um zwölf gibt es Mittagessen, um sechs Uhr abends wird der Znacht aufgetischt. Somit lernen Kinder schon sehr früh, einfach zu essen, auch wenn sie gar nicht hungrig sind. Somit rate ich Eltern, wenn ein Kind zum Beispiel schon um halb sechs hungrig angerannt kommt, es in seinem Körpergefühl zu bestärken und ihm schon etwas Kleines zu essen zu geben – und keinesfalls zu sagen: ‹Nein, es ist noch nicht sechs Uhr, du darfst jetzt noch keinen Hunger haben.› Allzu straffe Strukturen sollten aufgebrochen werden. Das schafft Platz für Spontanität, Freiräume und die Möglichkeit, die eigenen Bedürfnisse besser wahrzunehmen.»
3. Das Wort Diät soll eine Achtjährige noch nicht kennen
«Auf Tiktok schreibt mir ein zehnjähriges Mädchen, dass es mit acht Jahren seine erste Diät gemacht hat. Mit zehn Jahren hat es schon eine Magersucht entwickelt, es ist dann an eine Klinik verwiesen worden. Von dort ist es mit einer Bulimie zurückgekommen. Einfach, weil alle Beteiligten wollten, das es wieder zunimmt. Somit wirkte vordergründig alles geregelt und gesund, aber hinter der Fassade hat es eine neue Sucht entwickelt – mit zehn Jahren. Das schockiert mich. Ein achtjähriges Kind sollte ‹Diät› einfach noch gar nicht im Wortschatz haben müssen.»
@andrea.ammann.coaching Ja, du hast absolut richtig gehört! Leider gehört das nicht zu den Ausnahmen…😟 #buli #bulirecovery #hilfe #coaching #bul #freiheit ♬ Emotional Love - Azwar
4. Eltern sollten nachfragen, wie es dem Kind geht
«Man könnte denken, es sei normal, wenn Eltern einfach nachfragen, wie es dem Kind geht. Das ist leider nicht immer so. Eltern sind oft selber viel zu beschäftigt, um beim Kind präsent zu sein und mitzufühlen, wie es ihm wirklich geht. Oft hören die Kinder auch einfach auf zu sprechen und beginnen Dinge in sich ‹reinzufressen›, weil sie sich nicht gesehen oder gehört fühlen.»
5. Dem Kind bedingungslos vertrauen
«Im Grunde geht es um ein gesundes Vertrauen: Ein Kind soll Erfahrungen sammeln können. Auch wenn man als Elternteil schon vorausschauend denkt – ‹Oh, nein, das kommt jetzt nicht gut!› –, soll man das Kind machen lassen. Nur so kann es reflektieren lernen und ein Gefühl dafür entwickeln, was ihm guttut und was nicht. So kann ein junger Mensch in die Eigenverantwortung kommen und kluge Entscheidungen treffen lernen.»
Über die Bulimie-Expertin
Andrea Ammann begleitet Menschen, die an Bulimie leiden. Sie bietet ihre Beratung vor allem online an. Auch steht die 51-Jährige als Coach für Angehörige von durch Ess-/Brechsucht betroffenen Menschen zur Seite. In den letzten vier Jahren hat Ammann schon mehr als 500 Menschen betreut – meistens waren es Frauen.
