Turbenthaler Hausarzt unter Beschuss
Nach SRF-Bericht
Einem Arzt, der 18 Praxen führt, werden diverse Missstände vorgeworfen. Er sieht sich als Opfer einer Verschwörung.
Die Vorwürfe wiegen schwer – und sie kommen aus allen Richtungen: Ehemalige Angestellte beschweren sich über Kündigungen während der Krankenzeit und berichten von chaotischen Zuständen. Patientinnen und Patienten erhalten ihre Krankenakten nicht. Und die Krankenkassen beklagen eine übermässige Abgabe von Medikamenten.
Was das Investigativ-Team von SRF ausgegraben hat, stellt den Arzt und Geschäftsmann Thomas Haehner in ein schlechtes Licht. Gemäss den Recherchen hat dieser in den letzten fünf Jahren über verschiedene Firmen insgesamt 18 Arztpraxen in acht Kantonen gekauft – oft von Hausärzten, die das Pensionsalter erreicht hatten.
Dabei erwarb er auch die Praxis von Peter Flachsmann und machte daraus das Ärztezentrum Turbenthal. Dort übernahm er die ärztliche Leitung. Der Start des Zentrums im letzten Herbst verlief chaotisch, im Januar gelobte Haehner Besserung.
Nun zeigt sich, dass diese Probleme offenbar kein Einzelfall sind.
Helsana hat eine Untersuchung eingeleitet
Das SRF-Team kommt zum Schluss, dass Haehner ein System aufgebaut habe, das die Praxen «ins Chaos und in finanzielle Probleme stürzt». Dabei sei es unter anderem darum gegangen, möglichst viel Umsatz über Medikamente zu generieren. So seien etwa die Angestellten während der Anfänge der Pandemie angewiesen worden, die Patientinnen und Patienten anzurufen und ihnen zur Corona-Vorsorge Zink und Vitamine zu verkaufen.
Die Methoden haben inzwischen mehrere Krankenkassen auf den Plan gerufen. Die Helsana, die landesweit grösste Vertreterin ihrer Zunft, hat eine Untersuchung gegen Haehner und seine Praxen eingeleitet. Es bestehe der Verdacht, dass unnötige Leistungen abgerechnet worden seien.
Der ganze Bericht des SRF-Investigativ-Teams.
Dieses sogenannte Überarzten ist illegal. Gemäss dem Krankenversicherungsgesetz ist ein Arzt verpflichtet, «wirtschaftlich, wirksam und zweckmässig» zu handeln.
Gleichzeitig wirkt auch Haehners Geschäftsgebaren fragwürdig. Angestellte berichten von ausstehenden Lohnzahlungen, der Betreibungsauszug einer seiner Firmen aus dem Kanton Luzern ist satte zwölf Seiten lang. Es geht unter anderem um Sozialversicherungsbeiträge und Steuern.
Der Arzt spricht von Wirtschaftskriminalität
Er selbst gesteht gegenüber SRF ein, Löhne teilweise zu spät bezahlt zu haben. Den Vorwurf der Überarztung weist er dagegen als «bösartige Verleumdung» zurück.
In einer schriftlichen Stellungnahme sieht er sich selbst als Opfer eines «schweren und niederträchtigen Falls von Wirtschaftskriminalität». Gegen ein ehemaliges Geschäftsmitglied bestehe der Verdacht der besonders schweren Untreue.
Weiter schreibt Haehner von Diebstahl, Sabotageakten, Betrug sowie Drohungen gegen die physische Integrität. Dahinter vermutet er das Ziel, die Gruppe in die Insolvenz zu treiben, um aus der Konkursmasse Praxen und Ärzte herauszulösen. In diesem Zusammenhang seien denn auch Medienvertretern geheime Dokumente und Verträge ausgehändigt worden.
Das Amt für Gesundheit des Kantons Zürich lässt derweil verlauten, dass Kontrollen vor Ort und Aufsichtsgespräche stattgefunden haben und Verbesserungsmassnahmen auferlegt worden sind. Diese seien eingeleitet und teils sogar bereits umgesetzt worden. Man werde den Prozess weiter begleiten und die notwendigen Kontrollen durchführen.
Thomas Haehner selbst war am Mittwoch für eine Stellungnahme gegenüber der Redaktion nicht erreichbar.
