Gesellschaft

Wie weiter nach einem Schicksalsschlag?

Leidgeprüfte Coachingtipps aus Weisslingen

Christina Boss arbeite als Coach - und hat ihre Krankheit nun in einem Buch verarbeitet.

Leidgeprüfte Coachingtipps aus Weisslingen

Wie weiter nach einem Schicksalsschlag?

Ein Hirntumor wirft einen aus der Bahn. Wie man mit der schwierigen Situation umgehen kann, erzählt Christina Boss in ihrem neuen Buch.

Lebenscoaches gibt es wie Sand am Meer. Doch wie verhält es sich mit den oft markigen Sprüchen im Alltag? Helfen sie wirklich? Auf krasse Art und Weise hat Christina Boss, die seit 2008 selbständig als Coach tätig ist, die Wirkung ihrer unterstützenden Arbeit am eigenen Körper überprüft.

2017 ist sie fast an einem Hirntumor gestorben und musste sich mühsam ins Leben zurückkämpfen. Noch heute lebt sie mit Einschränkungen. «Ich betreue nur noch Einzelpersonen in meiner Arbeit als Coach. Eine ganze Gruppe zu führen, würde mich zu viel Energie kosten, dies übernimmt nun meine Geschäftspartnerin», erklärt sie beim Besuch bei ihr zu Hause in Weisslingen. So betreut sie aktuell vor allem Personen nach einem Burn-out auf ihrem Weg zurück in den Alltag und KMU in personellen Strukturen.

Frau
Christina Boss arbeitet seit 2008 als Coach.

Doch die 58-Jährige ist viel mehr als einfach die Kranke, die dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Ihre Power ist beim Gespräch ungebrochen. «Ich habe wegen der Krankheit auch meine Arbeit als Coach hinterfragt. Eigentlich habe ich auch vor meinem Tumor schon auf mich geschaut und versucht, Zeit für mich zu nehmen. Aber nach meiner Krankheit bin ich darin noch klarer als vorher. Mein Mann sagt, ich sei härter geworden. Ich sage nein, ich bin klarer geworden.»

Frau
Mit ihrem Buch hält sie auch Lesungen.

Ihr Buch mit dem Titel «Hey T(H)umor, der Boss bin ich» betitelt sie als autobiographischen Ratgeber. «Ich kann niemanden heilen, aber inspirieren. Danach muss man den Weg alleine gehen. Der Boss bin ich.» Das 270 Seiten starke Buch, im August erschienen, ist in einem Dreiklang gestaltet. Im ersten Teil, «Christina mittendrin», erzählt Christina Boss aus allen Lebenslagen: Familie, Job, Trauer, Krankheit und das immer wieder Aussteigen aus dem Funktionier-Modus. Dann nimmt sie ihre Sicht als Coach ein und erklärt, was sie heute weiss und damals gebraucht hätte. Und im dritten Schritt gibt es einen Gedankenspiegel, der Fragen aufwirft, die jede Leserin oder jeder Leser dazu animiert, seine persönliche Lebensphase zu hinterfragen.

Mit viel schwarzem Humor

«Das Buch erzählt eine schwere Geschichte mit viel schwarzem Humor», sagt Christina Boss. Die Krankheit sei nicht eine Chance gewesen für Veränderungen. «Das ist so ein Coachingsatz, den ich hasse. Ich habe das Schicksal nicht gebeten, mich aufzurütteln. Vielmehr muss ein solcher Impuls von sich selber kommen.» Und Boss weiter: «Es bringt in der dunklen Zeit nichts, sich die Frage zu stellen, warum hat es gerade mich erwischt? Es gibt keine Frage darauf. Man darf aber durchaus mal wütend auf die Lebenssituation sein und weinen.»

Irgendwann komme der Moment, in dem man entscheide, wie es weitergehe. «Das Schicksal passiert. Wie du damit umgehst, ist deine Entscheidung», so Boss.

Auto
Mit diesem Auto ist Christina Boss unterwegs.

Danach geht es aber darum, raus aus dem Zombie-Effekt zu kommen – das ist einer der Leitsätze von Christina Boss. Heisst: Sich nicht der Ohnmacht und der Bedürftigkeit auszuliefern, sondern sich seiner Boss-Rolle bewusst zu werden. «Veränderung beginnt erst mit der radikalen Akzeptanz der neuen Situation. Nach einer Krankheit, aber auch nach einer Scheidung oder einem Todesfall, muss man dem Drang widerstehen, alles wie vorher zu machen, wo doch alles gut war. Das Alte gibt es nicht mehr.»

Bilder
Das Motto von Christina Boss.

Wichtig dabei sei auch, sich zu fragen, wer oder was man sein wolle. «Für mich ist nach der schwierigen Zeit mit meinem Hirntumor, die auch heute oft noch schwierig ist, eines noch klarer geworden: Keine faulen Kompromisse zulasten meiner Persönlichkeit, was mein Leben betrifft.»

Das bedeutet schliesslich, nicht immer allen zu gefallen, sondern für sich so zu leben, wie man möchte. «Bei Begegnungen mit anderen macht man selbstverständlich Kompromisse.» Nach dem Gespräch mit Christina Boss, die ihr Buch auch schon an Lesungen präsentiert hat, wird einem klar: Ihre Motivationstipps bleiben hängen, weil sie nicht nur aus dem Lehrbuch stammen – Christina Boss ist ihr lebendes Beispiel, und genau das inspiriert.


Weitere Infos: www.zombie-modus.com

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