Neues Einhorn-Kunstwerk bereits verschmiert
Ein Dübendorfer Künstler hat von der Stadt den Auftrag für zwei grosse Einhorn-Graffiti bekommen. Doch kurz vor der Fertigstellung haben Vandalen alles verunstaltet.
Es hätte so schön sein können. Ein 27-jähriger Künstler sprayte während der Woche ein grossflächiges Graffito in der Zwinggartenstrasse in Dübendorf. Der dargestellte Galopp mehrerer Einhörner säumte bereits eine Wand der Fussgängerunterführung. Auf der gegenüberliegenden Wand waren die Fabeltiere schon vorgezeichnet.
Offenbar hat das jemanden gestört.
Graffitikünstler aus Dübendorf
Spätestens am Dienstag wollte er beide Wände fertig gestaltet haben. Danach sollte auch der Graffitischutz, der die Entfernung von fremden Tags erleichtert, auf dem Bild aufgetragen werden. Doch nun haben Unbekannte und Anhänger eines Fussballvereins das Kunstwerk bereits verunstaltet. «Sowie ihr eus – mir eu!», steht in Schweizerdeutsch geschrieben. Darunter ist das Tag eines Zürcher Fussballklubs zu sehen. Das dominante goldene Einhorn ist zu einem grossen Teil übersprayt. Der Dübendorfer Graffitikünstler will anonym bleiben, da er Repressalien vonseiten der Vandalen befürchtet.
Vermutung, was dahintersteckt
Am Telefon zeigt sich der junge Mann gefasst. Er habe sein überspraytes Werk am Freitagmorgen auf dem Weg zu seinen Eltern entdeckt. «Schade, aber mega hässig kann ich nicht sein», sagt er. Er hat eine Vermutung, weshalb das Graffito übersprayt wurde. Zuvor seien dort Tags des Fussballklubs gewesen. Diese habe die Stadt Dübendorf entfernen lassen, damit er seine weisse Grundierung und anschliessend sein Kunstwerk auftragen könne. «Offenbar hat das jemanden gestört.»
Der Dübendorfer hatte von der Stadt den Auftrag für das Kunstwerk erhalten. Rund 20’000 Franken lässt sich die Stadt das Ganze kosten. Das Sujet hatte er selbst gewählt. Bis anhin hatte er zusammen mit ein paar Freunden rund 25 Stunden Arbeit in das Projekt gesteckt – Vorbereitungsarbeiten nicht mitgerechnet.
In der Szene gilt der Ehrenkodex, wonach ein bestehendes hochwertiges Graffito mit keinem minderwertigen übersprayt werden darf. Darauf hatten auch die Verantwortlichen bei der Stadt Dübendorf gehofft. Ist diese Strategie gescheitert? «Nein», schreibt die Kommunikationsstelle der Stadt, «aus unserer Sicht stellt dieser Vorfall den Ansatz nicht grundsätzlich infrage.»
Die Erfahrungen bei der Unterführung Zwicky würden dafür sprechen, Wandgestaltungen weiterhin als eine von mehreren Massnahmen einzusetzen. «Nach unseren bisherigen Beobachtungen gingen dort die illegalen Tags zurück. Einen vollständigen Schutz vor Beschädigungen bieten die Massnahmen jedoch nicht.» Dennoch will die Stadt auch künftig daran festhalten.
«Wir bedauern, dass das Kunstwerk beschädigt wurde. Dahinter steckt viel Arbeit eines jungen Dübendorfer Künstlers, der die Unterführung mit einem lokalen Motiv aufwertet.»
Dieser kann sein Einhorn-Bild nun nicht wie geplant fertigstellen. Er habe mit der Stadt Dübendorf vereinbart, vorerst die Spraydose beiseitezulegen. Die Behörden würden nun das Gespräch mit der Fanszene des Fussballklubs suchen.
Schadenssumme abklären, dann Anzeige
Man stehe bereits seit Längerem regelmässig mit Fanvertretungen im Austausch, heisst es vonseiten der Stadt. Dieser Dialog sei Teil eines breiteren Massnahmenpakets, zu dem unter anderem auch die Bereitstellung legaler Sprayflächen gehöre.
Aber was erhoffen sich die Verantwortlichen davon? «Wir möchten für die Auswirkungen unerlaubter Sprayereien sensibilisieren und gemeinsam Möglichkeiten finden, weitere Beschädigungen zu verhindern», schreibt die Medienstelle. Dazu gehöre auch, den Respekt vor bestehenden Kunstwerken und vor öffentlichem und privatem Eigentum zu stärken.
Wer für die Beschädigung des Einhorn-Kunstwerks verantwortlich ist, ist nicht bekannt. Die Stadt klärt derzeit die Schadenssumme ab und will anschliessend Anzeige erstatten.
Ausserdem würden derzeit zusätzliche Schutzmassnahmen während der Gestaltungsarbeiten geprüft. Welche das sein werden, ist nicht bekannt. Ebenso ist unklar, wann und wie die Sprayarbeiten an der Zwinggartenstrasse weitergehen.

