Diese Vorteile haben begrünte Dächer für die Städte im Oberland
Verlagsbeilage «4 Wände»
Gründächer bieten insbesondere Schutz vor Hitze und UV-Strahlung. Im Gespräch mit Dominik Scheibler, dem Geschäftsführer der Wetziker Crea Natura GmbH, wird deutlich, welches Potenzial begrünte Dächer gerade in zunehmend verdichteten Städten besitzen.
Hitze und Dürre waren auch diesen Sommer deutlich zu spüren. Doch sie sind längst keine Ausnahme mehr. Jahrzehntelanges Zögern, Verdrängen und politisches Missmanagement haben dazu beigetragen, dass die Folgen des Klimawandels heute immer deutlicher sichtbar werden. Was lange ignoriert wurde, fordert nun seinen Tribut. Die Frage ist deshalb nicht mehr, ob gehandelt werden muss, sondern wie. Eine mögliche Antwort befindet sich direkt über unseren Köpfen: begrünte Dächer.
Gerade Städte wie Uster, Dübendorf oder Wetzikon befinden sich mitten in einer urbanen Transformation. Neue Überbauungen, versiegelte Flächen und dichter werdende Zentren verschärfen die sommerliche Hitze zusätzlich. Begrünte Dächer können hier einen konkreten Beitrag zur Hitzeminderung leisten. Die gezielt aufgebaute Substratschicht schützt nicht nur die Dachabdichtung vor extremer Sonneneinstrahlung und hohen Oberflächentemperaturen, sondern wirkt auch als zusätzlicher Hitzepuffer für das Gebäude.
Wärme dringt dadurch langsamer in die darunterliegenden Schichten vor, was besonders in den oberen Stockwerken zu angenehmeren Temperaturen beitragen kann. Dominik Scheibler, Geschäftsführer der Wetziker Crea Natura GmbH, die unter anderem Gründächer plant und umsetzt, sieht den sommerlichen Hitzeschutz deshalb als einen der unmittelbarsten Vorteile einer Dachbegrünung.
Gerade vor dem Hintergrund immer häufigerer Hitzeperioden gewinnt dieser Effekt an Bedeutung. Klimaanlagen und andere aktive Kühlsysteme benötigen zusätzliche Energie und bekämpfen letztlich vor allem die Folgen der Überhitzung. Ein Gründach setzt dagegen bereits an der Gebäudehülle an und kann verhindern, dass sich diese überhaupt so stark aufheizt. Wie stark dieser Effekt jedoch spürbar ist, hängt laut Scheibler allerdings stark vom jeweiligen Gebäude ab. Bei modernen, bereits gut isolierten Bauten fällt der zusätzliche Nutzen entsprechend geringer aus.
Ein Gründach wird in mehreren Schichten auf der abgedichteten Dachfläche aufgebaut, erklärt Scheibler. Über einer Schutz- und Drainageschicht folgen ein Filtervlies sowie das Substrat, in dem die Pflanzen wachsen. Wie dick dieser Aufbau ausfällt, hängt von der gewünschten Begrünung und der Tragfähigkeit des Dachs ab.
Ein ökologischer Puffer
Die vielen Vorteile kommen jedoch nicht ohne Aufwand. Ein Gründach ist wie jedes andere Gebäudeelement auf regelmässigen Unterhalt angewiesen. «Man muss einfach mindestens zweimal, bei Solar-Gründächern eher drei- bis viermal pro Jahr auf das Dach», erklärt Scheibler.
Neben der aufwendigen Planung und dem fachgerechten Aufbau muss die Vegetation regelmässig kontrolliert werden. Besonders invasive Neophyten können sich auf den offenen Flächen schnell ausbreiten und müssen frühzeitig entfernt werden, damit der Aufwand überschaubar bleibt.
Noch kritischer sind Pflanzen mit tiefreichenden Wurzeln. Siedeln sich beispielsweise Bäume oder Schilf an, können deren Wurzeln im schlimmsten Fall die Dachabdichtung beschädigen. Auch Abläufe und Kiesstreifen müssen frei bleiben, damit überschüssiges Wasser weiterhin zuverlässig abfliessen kann und der Brandschutz gewährleistet ist. Vermeiden lässt sich der Pflegeaufwand also nicht. Wer das Dach jedoch regelmässig kontrolliert, hält ihn laut Scheibler vergleichsweise gering.
Mit all der Kontrolle und Pflege geht jedoch auch ein entscheidender Vorteil einher: Ein Gründach kann die Lebensdauer des Dachs deutlich verlängern. Während sich Kiesdächer im Hochsommer auf 60 bis 80 Grad erhitzen können, schützt die Vegetations- und Substratschicht die darunterliegende Abdichtung vor extremen Temperaturen. «Bei einem Kiesdach ist eine Sanierung vielleicht 15 bis 25 Jahre früher nötig», erklärt Scheibler.
Ein Gründach ist jedoch weit mehr als eine Investition. Es ist ein Baustein eines grösseren ökologischen Systems, dessen Wirkung sich vor allem dann entfaltet, wenn ganze Siedlungen und Städte mitziehen. Wie ernst dieses Potenzial genommen werden kann, zeigt die Stadt Zürich: Bereits seit 1991 müssen geeignete Flachdächer bei Neubauten und Sanierungen begrünt werden. Heute werden solche Projekte zusätzlich finanziell gefördert.
Ein einzelnes grünes Dach wird den Klimawandel nicht aufhalten können. Zwischen Hitze, Starkregen und fortschreitender Verdichtung zeigt es aber, wie bereits verbaute Fläche einen Teil dessen zurückgeben kann, was ihr einst genommen wurde.
Dieser Beitrag wurde in der Verlagsbeilage «4 Wände» veröffentlicht, die am 16. September mit dem «Zürcher Oberländer» und dem «Anzeiger von Uster» erschienen ist.

