Gesellschaft

ZO-Leserreise nach Como

Hochherrschaftliche Villen, Gartenträumereien und diverse Intermezzi

Wer mit der Zürcher Oberland Medien AG und der Ryffel AG eine Reise tut, der kann was erleben. Die dritte und damit letzte diesjährige Leserreise führte an den Comer See – und sorgte für einigen Gesprächsstoff unter den Mitreisenden.

Hochherrschaftliche Villen, Gartenträumereien und diverse Intermezzi

ZO/AvU-Leserreise nach Como

Wer mit der Zürcher Oberland Medien AG und der Ryffel AG eine Reise tut, der kann was erleben. Die dritte und damit letzte diesjährige Leserreise führte an den Comer See – und sorgte für einigen Gesprächsstoff unter den Mitreisenden.

Pünktlich um 7.50 Uhr verlässt der Car am Donnerstagmorgen Wetzikon in Richtung San Bernardino. Mit an Bord: 29 ZO/AvU-Leserinnen und -Leser, die voller Vorfreude auf die dreitägige Reise sind. Doch schon kurz vor dem Walensee vermeldet das Navi von Carchauffeur Bruno Breitenmoser einen Unfall auf der Autobahn. Kurzerhand entschliesst er sich, dem drohenden Rückstau via Kerenzerberg auszuweichen. Ein Entscheid, der sich als goldrichtig erweist. Und der Reisegruppe eine grandiose Aussicht auf den knallblauen See tief unten beschert.

In der Folge verzögert sich das Mittagessen im Agriturismo «La Cavallina» in Monguzzo «ännet» der Grenze um eine Dreiviertelstunde. Mit ein Grund dafür ist ein weiteres, ungeplantes Intermezzo: Ein enger Bahnübergang mit einem 90-Grad-Winkel-Knick erweist sich für den zwölf Meter langen Car und dessen Chauffeur als Herausforderung.

Dieser muss mehrfach hin und zurück «millimeterle» und trotz Bordkamera aussteigen, bevor er sein langes Gefährt schliesslich ohne Blessuren ums Eck fädelt. Für genügend Gesprächsstoff beim Mittagstisch ist somit gesorgt.

Textilmanufaktur enttäuscht, Hotel begeistert

Bis Como sind es noch knapp 30 Kilometer. Die Stadt ist nicht nur wegen ihrer Lage am gleichnamigen See bekannt. Im 17. Jahrhundert entwickelte sie sich zur Metropole der europäischen Seidenproduktion und -industrie. Auch heute noch sind rund 80 Prozent der europäischen Seidenverarbeitung und -veredlung in der Region konzentriert.

Der Besuch einer Textilmanufaktur, die hochwertige Stoffe, Foulards, Krawatten und Accessoires aus Seide produziert, soll einen Einblick in das jahrhundertealte Handwerk geben. Anders als gebucht, erweist sich das Ganze aber vor allem als Abverkauf. Oder wie es ein Teilnehmer auf den Punkt bringt: als «Kafifahrt, nur ohne Kafi». Die Reisegruppe beschliesst, abzubrechen und stattdessen direkt ins Hotel zu fahren.

Auch dieser Entscheid erweist sich als goldrichtig. Das «Como Hills» entpuppt sich als nigelnagelneues Vier-Sterne-Boutiquehotel mit einer grossen Gartenanlage und einem Pool. Während drei Mutige sich gleich in die Badehose stürzen, geniessen andere erst einmal ein Glas Vino auf der Terrasse. Auf Interesse stossen auch die elf Padel-Courts, wo sich den Zurufen («Forza! Forza!») nach vor allem Einheimische die Bälle um die Ohren schlagen.

Prachtvolle Villen und Gärten – und der Chef vom Garten-Center Meier

Am Freitag dreht sich dann alles um Gartenkunst und -kultur. Eine Carfahrt entlang dem Westufer des Sees bringt die Reisegruppe nach Tremezzina zur Villa Carlotta. Diese wurde um 1690 für den damaligen Präsidenten des lombardischen Senats, Giorgio Clerici, als Sommerresidenz erbaut, wie die lokale Reiseleiterin Debora Bonazzi auf einer einstündigen Führung erläutert. Es war auch Clerici, der den Grundstein für den Park legte, der heute jährlich Tausende von Gartenfreunden aus aller Welt anlockt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erwarb Giovanni Battista Sommariva die Villa und liess den Garten vergrössern. Dass der Mailänder Staatsmann und Freund von Napoleon Bonaparte auch einer der führenden Kunstsammler und -mäzene seiner Zeit war, davon zeugen die vielen Kunstwerke.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts liess schliesslich Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen den Park, der sich heute auf über 70'000 Quadratmeter erstreckt, zu einem eigentlichen «Naturtheater» mit Pflanzen aus aller Welt umgestalten.

Von der Villa Carlotta fährt der Car weiter das Seeufer entlang bis nach Cernobbio. Bei der Villa Erba empfängt ein ausgewiesener Gartenfachmann die Reisegruppe. Erwin Meier-Honegger vom Garten-Center Meier in Dürnten ist seit Anbeginn Jurymitglied der Orticolario. Die renommierte Gartenmesse findet just an diesem Wochenende zum 16. Mal auf dem Gelände der Villa statt.

Man sieht einen Mann, der weiteren Menschen etwas erklärt.
«Lasst euch treiben und geniesst das Ambiente», so lautet Erwin Meier-Honeggers Empfehlung an die Reisegruppe.

Unter dem Motto «en rêverie» präsentierten über 250 Aussteller seltene Pflanzen, spezielle Züchtungen, aber auch Kunsthandwerk, erklärt der Oberländer das Konzept. «Geht los, schaut, riecht und lasst euch einfach treiben. Geniesst das Ambiente, die alten Bäume, die Sonne, den See», gibt er mit auf den Weg. «Und esst unbedingt auch ein Gelato.» Mit dem Freitagnachmittag habe man den idealen Zeitpunkt für einen Besuch erwischt. «Am Samstag und Sonntag wird sich hier ganz Mailand einfinden.»

Ob einige der speziellen Züchtungen im nächsten Jahr auch in Dürnten zu kaufen sein werden, will eine Teilnehmerin wissen. Meier-Honegger winkt ab. Für die meist kleinen Spezialgärtnereien sei der Export in die Schweiz zu aufwendig und zu teuer. «Aber ihr als Privatpersonen könnt problemlos ein paar Pflänzli mit über die Grenze nehmen.» Und tatsächlich wandert das eine oder andere Mitbringsel mit zum Car, der drei Stunden später auf einem Ausstellplatz die Reisegesellschaft erwartet.

Und dann auch noch die Polizia

Und dort wird es nochmals richtig spannend: Wie aus dem Nichts bauen sich nämlich drei Beamte der Polizia locale vor Chauffeur Bruno Breitenmoser auf und verlangen seine Papiere. Das Wort «ammenda» – Busse – fällt. Und zwar «in contanti» – in bar – und «subito» – sofort. Breitenmoser ist konsterniert. Parkieren ist für Busse laut der Beschilderung vor Ort zwar tatsächlich verboten, Halten und das Aus- und Einladen von Passagieren hingegen nicht.

Zum Glück sieht das der Vorgesetzte der Polizisten, der kurz darauf im Alfa Romeo anbraust, ähnlich: Einmal um den Car gelaufen, ein knurriges «tutto okay, parta!» an die Adresse des Chauffeurs, ein grimmiger Blick zu seinen Kollegen – und weg ist er. Und so geht auch an diesem Abendessen der Reisegruppe der Gesprächsstoff nicht aus.

Am Samstagmorgen stehen dann rund drei Stunden Zeit zur Verfügung, die Altstadt von Como auf eigene Faust zu erkunden. Während ein Ehepaar gezielt auf den Dom zusteuert, macht sich ein Trüppchen Damen auf die Suche nach dem Wochenmarkt. Mit etwas Glück lässt sich ja dort ein Seidenfoulard finden. Und natürlich gönnt sich der eine oder die andere noch ein Gelato, bevor es auf die vierstündige Heimreise geht. Die übrigens ganz ohne weitere Intermezzi verläuft.

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