Gesellschaft

Lokaler Apfelsaft

Hitzesommer bescherte den Fällandern besonders süsse Äpfel

Waschen, rätzen, pressen: Im Mosthaus verwandelt der Obstgartenverein Fällanden die Ernte Schritt für Schritt in Apfelmost. Trotz kleineren Früchten sorgte der Hitzesommer für besonders süsse Äpfel.

Hitzesommer bescherte den Fällandern besonders süsse Äpfel

Waschen, rätzen, pressen: Im Mosthaus verwandelt der Obstgartenverein Fällanden die Ernte Schritt für Schritt in Apfelmost. Trotz kleineren Früchten sorgte der Hitzesommer für besonders süsse Äpfel.

«Du musst die Strasse hochgehen, bis es rattert und ‹tätscht› – dort bist du richtig», erklären zwei Männer. Sie stehen am Samstagmorgen unter einem Baum auf dem Obstgartenfeld im Wägler in Fällanden. Auf dem Boden neben ihnen: zwei grosse Eimer voller Äpfel.

Und tatsächlich, einige Meter oberhalb des Felds rattern zwei Maschinen vor sich hin – und erfüllen so die morgendliche Herbstruhe mit einem produktiven Summen. Hier produzieren die Mitglieder des Fällander Obstgartenvereins heute Apfelmost.

Mitten in diesem Gewusel steht Daniel Frick, der ehemalige Vereinspräsident. «Heute mosten wir zum letzten Mal dieses Jahr», erklärt er, danach würde sich der Aufwand für die verbliebenen Äpfel nicht mehr lohnen. Mit dem Ertrag dieses Jahrs ist er zufrieden: 1480 Liter Apfelmost produzierte die Gruppe diesen Herbst trotz dem Hitzesommer. Davon werden zirka 140 Liter zu saurem Most angesetzt.

Ernte der hoffentlich wurmlosen Äpfel

«Wir bewirtschaften etwa 100 Bäume hier in Fällanden», erklärt Frick und spaziert durch den Obstgarten. Heute haben sie bereits um 8 Uhr angefangen und die Äpfel von den Bäumen gesammelt. «Die Qualität beginnt bereits beim Zusammensuchen», führt er aus, doch auch ein Wurm in den Äpfeln sei zu verkraften.

Die Birnen sorgen dafür, dass der Apfelsaft süsser wird.

Pius Döbeli

Mitglied Obstgartenverein Fällanden

«Die Äpfel, welche wir nicht aufsammeln, nehmen später die Vögel oder Leute aus der Nachbarschaft.» Anschliessend wird das Obst – denn auch Birnen werden gesammelt – mithilfe eines Leiterwagens nach oben zum Mosthaus transportiert.

Diese Aufgabe haben mittlerweile die fünf Kinder übernommen, während ihre Eltern mit Mosten beschäftigt sind.

Ein süsses Jahr für den Obstgartenverein

Den Klimawandel merke man auch bei ihnen, erzählt Frick, während er sich auf den Weg zurück zum Mosthaus begibt. «Früher haben wir erst im September mit dem Mosten angefangen, heute müssen wir bereits im August beginnen.»

Und auch die Äpfel spüren die Hitze: Sie sind heuer viel kleiner als in anderen Jahren. Dennoch zeigt sich Frick zufrieden: «Es ist ein überdurchschnittlich gutes Jahr für die Obsternte.»

Denn dank dem Hitzesommer sind die Äpfel besonders süss. «Das viele Licht bringt die Äpfel dazu, Zucker einzulagern, dafür aber weniger Wasser.»

So wird der Apfelmost produziert

Sind die Äpfel schliesslich beim Mosthaus angekommen, werden sie in fünf Stationen zu Most umgewandelt: Die erste davon ist die Qualitätskontrolle. Hier steht Peter Stauber und sortiert die schlechten Früchte mit scharfem Blick aus. Dies hat er bereits als Kind auf einem Bauernhof gelernt. «Bei mir haben sie nie eine Kiste mit schlechten Äpfeln wegstellen müssen», erzählt er stolz.

Bei der Qualitätskontrolle gibt es eine einfache Regel: Würde man den Apfel essen, kann man ihn auch zu Most verarbeiten. Anschliessend schickt Stauber die Äpfel zur zweiten Station: dem Waschen.

Der zweite Schritt der Mostproduktion ist das Waschen.
Der zweite Schritt der Mostproduktion ist das Waschen.

Mit frisch gewaschenem Obst beginnt das Mosten: Zuerst werden alle Früchte gerätzt. «Dabei werden sie wie fürs Birchermüesli aufgebrochen», erklärt ein Mitglied des Vereins. Anschliessend kommen sie in die Presse.

Nun übernehmen die Kinder die Qualitätskontrolle

In mehrere Schichten werden die aufgebrochenen Äpfel nun in der Presse übereinandergereiht. Schon bevor die Presse eingeschaltet wird, fliesst der Saft nach unten in die bereitstehenden Eimer. Hantiert wird diese Presse von Pius Döbeli. Ihm merkt man die Begeisterung für das süsse Getränk bei jedem Wort an.

«Man darf zu den Äpfeln auch 10 Prozent Birnen beifügen, dann kann man es noch immer Apfelsaft nennen», erzählt er, während er Apfelschicht auf Apfelschicht stapelt, «die Birnen sorgen dafür, dass der Apfelsaft süsser wird.»

Sind genügend Schichten aufeinander, stellt er die Presse an – und nun fliesst der Apfelmost in Strömen. Neben ihm haben sich die Kinder bereits mit einem Becher bereitgestellt, um den Saft zu testen: Qualitätskontrolle muss es schliesslich bei jedem Produktionsschritt geben.

Nun wird pasteurisiert

Im letzten Schritt der Produktion wird der Apfelmost schliesslich pasteurisiert. Dies, um das Getränk länger haltbar zu machen. «Bei uns pasteurisieren wir bei maximal 78 Grad», erklärt Frick, während er die Maschine zum Laufen bringt. Anschliessend wird der Saft abgefüllt und ins Lager gestellt.

Um die 1500 Liter Most produzierte der Obstverein in diesem Jahr.
Um die 1500 Liter Most produzierte der Obstgartenverein in diesem Jahr.

Bereits jetzt ist das Regal voll mit Mostflaschen. «Die Mitglieder können dann einfach hierherkommen und sich mit neuem Apfelmost versorgen», berichtet Frick. Wer etwas mehr geholfen habe, dürfe auch etwas mehr Most mitnehmen, genau kontrolliert werde das jedoch nicht.

Ein letzter Ratschlag

Vor dem Mosthaus ist die Produktion noch in vollem Gang, und ein angenehmer Apfelduft erfüllt die Luft. Über das laute Rattern der Mostpresse hin gibt Pius Döbeli noch einen Rat zum Trinken des Apfelmosts: «Denn Most soll man nicht mit Wasser verdünnen, man verdünnt Bier und Wein schliesslich auch nicht. Wer Durst hat, soll lieber neben dem Most noch ein Glas Wasser trinken.»

Neben ihm beobachten die Kinder mit leuchtenden Augen alle Schritte der Mostproduktion. Wenn diese Begeisterung bleibt, ist die Zukunft des Obstgartenvereins Fällanden wohl auf viele Jahre hin in guten Händen. Zumindest, wenn der Apfel nicht allzu weit vom Stamm fällt und die Kinder das Talent ihrer Eltern haben.

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