Französische Privatschule hat in Dübendorf expandiert
Das Lycée Français International de Zurich in Dübendorf ist so schnell gewachsen, dass die Schule nach zehn Jahren ein weiteres Gebäude bauen musste. Bei einer Führung zeigt sich, wo die Schüler neuerdings Französisch lernen – und französisch essen.
Bei der Eröffnung des neuen Schulgebäudes des Lycée Français International de Zurich am Freitag wurde im Dübendorfer Hochbord ausnahmsweise nicht Deutsch, sondern Französisch gesprochen. Und anstatt sich mit Händeschütteln zu begrüssen, wurden «Bisous», also Küsschen, verteilt.
Das Lycée ist nämlich eine zweisprachige internationale Privatschule für Schüler ab der Kindergarten- bis zur Abschlussklasse und folgt den Vorgaben des französischen Bildungsministeriums. Ab 1978 war die Einrichtung mit rund 1100 Schülern in Gockhausen angesiedelt, seit zehn Jahren ist sie es in einem Gebäude im Hochbord.

Die Nachfrage nach Bildungsplätzen ist aber so gross, dass ein weiteres Schulgebäude nötig wurde. «Das alte Schulhaus war übervoll», sagt Matthieu Robbe, der Vizepräsident des Verwaltungsrats. «Wir mussten bereits Säle in umliegenden Gebäuden mieten, um die Schüler unterrichten zu können – das war nicht ideal.»
Sie seien vom schnellen Wachstum überrascht worden, verrät er. Also kaufte sich die Schule das letzte Grundstück rund um den Hochbordstrasse/Lagerstrasse-Kreisel, um schräg gegenüber ein weiteres Haus zu bauen. Nach einer rund zweijährigen Bauzeit erhielt die Schule am 23. August die Schlüssel, gerade rechtzeitig, um am 1. September mit der Schule zu starten.
Farben zur Orientierung
Nun steht dort ein dreistöckiges Gebäude namens «Bâtiment Auguste Piccard» für weitere 600 Schüler. Der Namensgeber des Hauses war ein Schweizer Physiker und Erfinder – er erforschte unter anderem die Stratosphäre und die Tiefsee. 1932 startete er von Dübendorf aus seinen Rekorde brechenden Höhenflug mit einem Ballon.

Besonders stolz sind die Verantwortlichen auf die Sparsamkeit des Baus: «Der Bau hat nur 27 Millionen Franken gekostet – umgerechnet auf die Schülerzahl entspricht das rund einem Drittel der Kosten einer öffentlichen Schule im Kanton Zürich.» Das Sparen sei einerseits ein Grundsatz des Lycée, liesse sich aber auch damit begründen, dass die Eltern mit ihren Schulgebühren für den Bau gezahlt hätten.
Wie der Architekt während der Führung erklärt, sind die Stockwerke in verschiedene Farben getüncht. So würden die Schüler jederzeit wissen, wo sie sich befänden. Im türkisen Untergeschoss finden sich Garderoben und eine Doppelturnhalle samt ausfahrbarer Kletterwand. Letzteres ist laut Robbe das einzige Merkmal, was die Ausstattung des neuen Gebäudes vom alten Schulhaus unterscheidet.


Im blauen Erdgeschoss sind neben den Turnhallen auch noch der Empfang und die Aula, hier «Salle de spectacle» genannt. Im ersten, zweiten und dritten Stock (grün, rot, lila) finden sich 34 Schulzimmer für je 26 Schüler. Über dem Erdgeschoss ist die «Cantine», also die Mensa, untergebracht. «Serviert wird französisches Essen», sagt Robbe. «Komplett mit Vorspeise, Nachspeise und Käse.»



Das Herzstück der oberen Stöcke ist das Atrium, ausgestattet mit Sitzmöglichkeiten und einem «Dachfenster». Dieses besteht aber tatsächlich aus leuchtenden Panels, die das natürliche Tageslicht simulieren sollen.
Denn auf dem Dach ist kein Platz für ein grosses Fenster, es dient als Schulhof und Sportplatz mit Aussicht auf die Wolkenkratzer des Hochbord-Quartiers. Auf der Überdachung befinden sich auch Solarpanels. Sie decken rund 90 Prozent des Strombedarfs des Gebäudes. Robbe erklärt: «Das ist möglich, weil fast die gesamte Energie eines Schulhauses während des Tages gebraucht wird – also dann, wenn auch die Sonne scheint.»



