In Wetzikon ist das Eis schottischer Natur
Zu Besuch beim Eismeister
Frazer Shaw ist beim Curling Club Wetzikon angestellt – und ist fast täglich auf dem Eis. Nicht um zu spielen, sondern um zu arbeiten.
Draussen herrschen noch spätsommerliche Temperaturen von rund 20 Grad – hier drinnen hingegen scheint schon der Winter ausgebrochen zu sein. In der Halle des Curling Clubs (CC) Wetzikon zeigt das Thermometer nur 6 Grad an. So liebt es Frazer Shaw: Der 28-Jährige ist der Eismeister, offiziell Ice Technician genannt, des CC Wetzikon.
«Als eines der modernsten Curlingzentren der Region bietet unsere Curlinghalle eine optimale und professionelle Infrastruktur. Mit sechs hervorragend präparierten Eisbahnen (Rinks) ist sie die grösste in der Region», heisst es auf der offiziellen Website des Klubs.
Dass diese so perfekt ist, dafür sorgt Frazer Shaw, der bei der World Curling Federation (WCF) offiziell als Ice Technician akkreditiert ist. Sein aussergewöhnliches Handwerk hat er in seiner Heimat Schottland gelernt. Seine Karriere startete Frazer Shaw 2017 in Schottland im bekannten Greenacres Curling Club. «Von einem alten Meister habe ich die Grundlagen gelernt», wie Shaw erklärt. Später war er unter anderem auch Eismeister für den Verein Curl Edinburgh.
Von August bis März in der Schweiz
In Schottland sei Curling sehr populär, und jede Curlinghalle habe einen eigenen Eismeister – vergleichbar mit Golfclubs, welche die Pflege des Rasens speziellen Greenkeepers überlassen. «Auch das Eismachen ist eine kleine Wissenschaft für sich», betont der Schotte. In Schottland sei der Job des Eismeisters sehr vielfältig: Er habe auch einen Curlingshop geleitet, sich um Events und Turniere gekümmert und zusätzlich als Curling-Coach gearbeitet.
Neben der Anstellung in Wetzikon bietet er für die Firma British Curling Supplies freiberufliche Beratung rund um den Eisaufbau (Ice Installs), die Pflege (Ice Prep) sowie die Wartung von Curlingsteinen an.
«Hier in Wetzikon kümmere ich mich nur um das optimale Eis. Das ist natürlich fantastisch für mich», schwärmt Frazer Shaw. Das ist die zweite Saison, für die er als Eismeister beim CC Wetzikon arbeitet. Von August bis März lebt er jeweils hier in der Schweiz – in einem möblierten Appartement in Wetzikon. «Im Sommer kehre ich nach Schottland zurück und geniesse nach sehr anstrengenden Wintermonaten meine Ferien und mache andere Projekte.»
Warum engegiert der CC Wetzikon extra einen Eismeister? Lohnt sich das für den Verein? «Die Qualität des Eises ist entscheidend. Es hat Einfluss auf die Bahn des Curlingsteins und die Gleiteigenschaften», erklärt Patrizia Hobi, die beim CC Wetzikon fürs Marketing zuständig ist. Der Klub hat rund 150 Aktive, die regelmässig auf dem Eis spielen. Die Saison läuft jeweils von Oktober bis März.
Zahlreiche Turniere
Zudem finden hier auch Einführungskurse und Plauschturniere und -events statt. «Wir veranstalten auch regelmässig Turniere im Breitensport und auf professionellem Niveau», sagt Hobi. Jetzt zum Saisonstart das Turnier zum 66-Jahr-Jubiläum des CC Wetzikon, das von morgen Freitag bis am Sonntag im Curling Center Wetzikon stattfindet.
Zudem nutzen das Curling-Eis auch ambitionierte Sportlerinnen und Sportler: So, wie Elena Mathis aus Bäretswil, die an den diesjährigen Olympischen Spielen für das italienische Damen-Curlingteam mitspielte und hier in Wetzikon trainiert. Zudem wurden die Juniorinnen vom Team Limmattal-Wetzikon eben erst im März Schweizer Meisterinnen.
Bis vor zwei Jahren wurde das Eis hier in Wetzikon von einem Schweizer Eismeister hergestellt, der aber in Pension ging. Zukünftig soll das Eis von internen Mitgliedern hergestellt und gepflegt werden. Derzeit leitet Frazer Shaw drei Mitglieder an. «Ich gebe mein Wissen gern weiter – in der Anfangszeit braucht es wohl immer noch Unterstützung meinerseits, aber längerfristig kann man das Eis hier selber herstellen.»
Rund zehn Tage braucht der Aufbau. Am Anfang gibt es nur einen nackten Betonboden. Entkalktes Wasser und die richtige Temperatur sorgen für das Eis, das am Schluss rund vier Zentimeter dick ist und in mehreren Schichten langsam aufgebaut wird. Mit einer Maschine mit scharfen Hobelmessern, mit der Frazer Shaw regelmässig übers Eis läuft, kann er immer wieder für gleichmässig dickes Eis sorgen.
Damit das Eis gefroren bleibt, sorgt ein Pipelinesystem unter dem Betonboden, durch das ein Kältemittel fliesst. Übrigens: Die Herstellung von Curling- und Eishockey-Eis ist ähnlich, die Struktur des Eises unterscheidet sich aber stark. «Hockey-Eis ist dicker und härter. Es wird viel mehr beansprucht durch die Schlittschuhe», erklärt Shaw, der bisher nur das viel subtilere Curling-Eis herstellt.
