Feuchtfröhliches Verderben? Als es in Wald noch über 50 Wirtshäuser gab
200’000 Liter Wein und Schnaps pro Jahr
Während der Alkoholkonsum heutzutage mehr und mehr in den Hintergrund tritt und aus gesundheitlicher wie ethischer Sicht hinterfragt wird, war er früher fester Bestandteil des Alltags. Lag das nur an der Anzahl der Gaststätten?
Nach einem Kurzbesuch im kleinen Heimatmuseum Wald weiss man deutlich mehr über die Geschichte der Gemeinde, als die historischen Gassen und teils jahrhundertealten Häuser auf den ersten Blick preisgeben. Im Museum selbst erfahren Besucherinnen und Besucher jedoch viel über deren bewegte Vergangenheit: So geht aus einem historischen Dokument hervor, dass Wald im Jahr 1541 bereits vier Gastwirtschaften zählte. Mehr als 200 Jahre später, genauer 1766, wurde berichtet, dass die Gemeinde im Begriff sei, zu «verderben».
Denn neben den inzwischen sieben öffentlichen Wirtshäusern gab es da noch 28 sogenannte Winkelwirtschaften – unerlaubte Schankwirtschaften ohne Schankbewilligung. Die Folge: Allein in Wald wurden zu dieser Zeit pro Jahr an die 200'000 Liter Wein und Schnaps konsumiert. Es mussten Vereine gegen den Alkoholmissbrauch gegründet werden. Darunter der Abstinenzler-Verein, der Blaukreuzverein Wald, der Guttempler-Orden Scheidegg oder die Trinkfürsorgestelle Wald, um nur einige von ihnen zu nennen.
Die üblichen Verdächtigen
«Rössli»: Bereits 1581 wurde ein Jacob Brändli als «Rössli»-Wirt genannt. 1663 erhielt der Gasthof das Tavernen- und Metzgrecht. Das bedeutet, dass die Leute von Fischenthal, Hinwil, Dürnten und Rüti verpflichtet waren, ihr Fleisch nur in Wald zu holen. Im gemütlichen Restaurant bogen sich sprichwörtlich die Balken an der Decke, weil sich im oberen Stock gerne Tanzgesellschaften vergnügten.
«Löwen»: Seit 1640 ist auch der Gasthof Löwen im Tavernenrecht verzeichnet. Er war neben der «Krone», dem «Rössli» und dem «Ochsen» die führende Wirtschaft im Dorf. Der «Löwen» war Gemeindestube und wurde auch für Gerichtsverhandlungen des Landvogts von Grüningen gebraucht.
«Freihof»: Im «Freihof» war der «Chirurg» Kunz als Wirt und Haarschneider tätig. Er befasste sich auch mit dem Ziehen von Zähnen, dem Ausreissen von Finger- und Zehennägeln, dem Schröpfen oder dem Aderlass. Daneben trank er gern. Damit man ihm nicht auf die Schliche kam, leerte er den Wein in leere Giftflaschen aus der nahen Apotheke.
«Schweizerhof»: Das Wirtshaus Schweizerhof wurde 1861 durch Schankwirt Halbheer um drei Stockwerke erweitert. Die gesamte Dorfjugend beteiligte sich daran, Ziegel auf das Dach zu hieven. Mit zunehmender Last auf dem Dach brachen die Mauern langsam in sich zusammen, bis das Gebäude einstürzte. Opfer gab es keine. 1862 wurde das Haus wiederaufgebaut. (lda)
