«iBot v3» hilft bei der Spitalsuche und patzt bei den Schulferien
Die Gemeinde Fällanden hat auf ihrer Website eine KI-Suche in Betrieb genommen. Die Maschine kann vieles zuverlässig beantworten, scheitert aber auch an einigen simplen Aufgaben.
Es ist eine immer wiederkehrende Kritik aus der Bevölkerung, der an verschiedenen Behördenanlässen in Fällanden Luft gemacht wird: Wann bringt ihr endlich eure Website auf Vordermann?
Auf diese negativen Meldungen hat die Gemeinde Fällanden reagiert und Ende des vergangenen Jahrs einige Änderungen angekündigt. Mit einem Kredit in Höhe von rund 72’000 Franken wollte die Gemeinde ihre Website verbessern. Sie soll barrierefrei erreichbar sein und über ein modernes und «ansprechendes» Design, ein übersichtliches Menü und zahlreiche Onlinedienste verfügen.
Die Suchfunktion werde dank der Technologie integrierter künstlicher Intelligenz (KI) vereinfacht, indem zu verschiedensten Fragen automatisch die passenden Antworten gefunden würden.
Doch diese eigene KI-Suchmaschine lässt zu wünschen übrig. Gibt man in der Leiste die Frage «Wann findet die nächste Gemeindeversammlung in Fällanden statt?» ein, dauert es erstmal merklich lange, bis die Maschine die Antwort ausspuckt, dass die GV im Veranstaltungskalender noch nicht aufgeführt sei, oder sie verweist auf einen Termin im Jahr 2027.
Dabei ist der Anlass sehr wohl erfasst und auf den 25. November datiert. Diesen Hinweis ist in den Gefilden der Website mindestens zweimal zu finden. Immerhin kann die KI in diesem Fall ein bisschen helfen, indem sie schreibt: «Üblicherweise findet die ordentliche Budget-Gemeindeversammlung im November in der Zwicky-Fabrik statt.»
Die weiterführenden Links, die unter der Antwort auftauchen, ist ein wildgewordenes Zusammenspiel aus allgemeinen Infos zum Thema GV, völlig veralteten Anfragen von Bürgern oder einem Beitrag der Kantonsarchäologie zu den ersten menschlichen Spuren am Greifensee. Letzteres erschien beim Testversuch übrigens an zweiter Stelle des Suchverlaufs.
Die verlorene «0»
Will man wissen, wie lange Tobias Diener bereits im Gemeinderat ist, erhält ebenfalls eine unbrauchbare Antwort. Es sei kein Amtsantritt von Tobias Diener im Gemeinderat angegeben, heisst es. Lediglich seine aktuelle Amtsdauer von «2026–203» – wobei eine «0» verloren ging – ist vermerkt. Dabei spielt es eine Rolle, wie die Frage gestellt wird.
Vergisst der Nutzer das Fragezeichen am Ende des Satzes oder formuliert die Frage anders, kann die Antwort eine völlig andere sein. In diesem Beispiel rechnet die KI vor, dass Diener «spätestens» seit 2018 Teil des Gemeinderats sein müsse.
Seit wann Diener Gemeindepräsident ist, beantwortet die Maschine wiederum souverän und verweist auf einen Jahresbericht von 2018 – Dieners Amtsantritt als Gemeindeoberhaupt.
Die KI auf Fällandens Website funktioniert mit der Open-AI-Technologie. Allerdings kann sich die KI nur lokal bewegen. Das heisst nur innerhalb der Internetseite der Gemeinde. Wohingegen beispielsweise ChatGPT einen grossen Teil des Word Wide Web zur Verfügung steht.
«Sie» statt «Du»
ChatGPT findet darum auch leicht heraus, dass Tobias Diener seit 2010 im Gemeinderat ist, indem sie die Information von dessen Website abgreift.
Die hauseigene Fällander KI lässt sich zumindest belehren. Wird die Unterhaltung fortgeführt und das richtige Jahr hingeschrieben, heisst es: Sie haben recht: Tobias Diener ist seit 201 – wieder ist die «0» verschwunden – Mitglied des Gemeinderats Fällanden.
Teilweise werden bei der Suche ältere Inhalte angezeigt.
Leta Bezzola
Gemeindeschreiberin Fällanden
Und die KI ist lernfähig – zumindest teilweise. Bei der nächsten Recherche nennt sie gleich das Jahr 201 als Amtsantritt. Darauf beharrt sie allerdings und will die fehlende Null auch mit einem expliziten Hinweis darauf nicht korrigieren.
Im Umgang mit den Nutzern bleibt sie höflich beim «Sie», während man bei ChatGPT ungefragt geduzt wird. Das kumpelhafte Du kann der Fällander KI zwar angeboten werden, und sie geht auch darauf ein, doch bereits eine Frage später wechselt sie wieder in die höfliche Anrede.
Gemeinde passt laufend an
Seit wann sie in Betrieb ist, weiss die KI nicht. Dafür aber Gemeindeschreiberin Leta Bezzola. Ende Mai ist der Chatbot online gegangen. Reaktionen aus der Bevölkerung habe es bisher kaum gegeben.
Um die KI besser zu machen, hat die Gemeinde ihre Website angepasst. So hätten sie die Öffnungszeiten bei allen Abteilungen ergänzt, damit die KI diese bei der Abteilungssuche angebe, sagt Bezzola. «Auch vermerkten wir bei der Seite zur Hundesteuer, dass diese nicht vom Steueramt erhoben wird.»
Nach Schwachstellen des Systems gefragt, sagt die Gemeindeschreiberin: «Wir haben sehr viele Beschlüsse, vergangene Medienmitteilungen und Projektinformationen auf der Website, da werden bei der Suche teilweise ältere Inhalte angezeigt.»
Den Inhalt der Website passe die Gemeinde laufend selbst an. Programmiertechnische oder systematische Fehler würden dem Webanbieter gemeldet, der die Suche weiterentwickle.
Souverän – aber auch waklig
Glänzen kann die Suchmaschine bei der Recherche zum aktuellen Stand der Gemeindehaussanierung und liefert die entsprechende Antwort sowie die Medienmitteilung als Quelle. Auch bei der Frage nach dem nächsten Spital, was nach dem Tod eines Verwandten zu tun ist (inklusive Beileidsbekundungen), wo ich mich als Neuankömmling anmelde oder zum ÖV-Angebot («Fällanden hat keinen eigenen Bahnhof») liefert die KI verlässlich. Will ich eine Wohnsitzbestätigung, erhalte ich die Kontaktmöglichkeiten, und mir wird angegeben, wie teuer das Dokument ist. Angaben zum Recycling werden mir ebenfalls nutzerfreundlich serviert.
Bei der Frage nach den Schulferien kommt der Nutzer allerdings nur über den Umweg der am Ende aufgelisteten Rubriken ans Ziel. Die KI kann hier weder eine brauchbare Antwort noch eine nützliche Quelle angeben.
Auch in geografischer Hinsicht hat die Suchmaschine Verbesserungspotenzial. Trotz Aufforderung, alle Bäche und Flüsse zu nennen, werden nur Dorfbach, Fröschbach, Glatt und Jörenbach aufgeführt. Rohrbach, Wisbach oder Zilbach fehlen beispielsweise. Auf die etwas schludrige Frage «Welche Gewässer fliessen durch Fällanden?» werden gar keine Namen mehr aufgelistet.
Die KI stellt sich vor
Den in Fällanden allerseits bekannten Begriff «Sternenkreisel» kennt die KI erst, seit die Gemeinde das dazugehörige Strategiepapier am 3. September veröffentlicht hat. Zuvor musste «Sternen-Kreisel» eingegeben werden, um eine präzise Antwort zu erhalten.
Seine Mühe hat das System mit Nachfolgefragen. In einer fortlaufenden Kommunikation über ein und dieselbe männliche Person fragt die KI plötzlich: «Wen meinen Sie mit ‹er›? Bitte nennen Sie mir den Namen der Person.»
Von einer Kritik an der Website wie anfangs erwähnt, ist der KI nichts bekannt. Und nach ihr selbst gefragt, sagt sie: «Ich gebe mein Bestes, um hilfreich, sachlich und verständlich zu antworten.» Sie könne allerdings Fehler machen, und die Antworten sollten überprüft werden. Und im Zuge dieser Konversation stellt sie sich namentlich vor: «Ich bin iBot v3.»
