In Egg ist das Mittagessen ein Gemeinschaftserlebnis
Egger Zmittag
Eine grosse Truppe an Freiwilligen lädt jeweils am ersten Montag im Monat zum gemeinsamen Essen – und das schon seit über zehn Jahren. Ein Besuch vor Ort.
Der Koch schneidet eine dünne Scheibe des Schweinerückens ab und reicht sie zum Probieren. Perfekt gegart. Es ist 11 Uhr. In der Küche des Pfarreizentrums der Katholischen Kirche St. Antonius in Egg herrscht Hochbetrieb. Am Herd steht unter anderen Walter Alder. Der 71-Jährige ist gelernter Koch und hat früher unter anderem im «Hirschen» in Egg gewirtet.
Heute kocht er abwechslungsweise mit Peter Frick – ebenfalls ein ehemaliger Profikoch – für den Egger Zmittag. Der findet jeweils am ersten Montag im Monat statt. Organisiert wird er von der Katholischen und der Reformierten Kirche Egg in Zusammenarbeit mit der Alterskommission der Politischen Gemeinde Egg. Schon seit 2015 findet der Anlass statt – bei dem bis zu 90 Essen serviert werden.
Der Zmittag wird von einem Freiwilligenpool von bis zu 25 Leuten getragen – pro Morgen stehen rund
12 Freiwillige bereit, die Früchte schnippeln, Salat waschen, die Tische eindecken, servieren und Teller abräumen.
Sie tragen alle eine rote Kochschürze mit der Aufschrift «Egger Zmittag». Zu den Mitgründern des Egger Zmittag gehören Peter und Elsbeth Frick.
«Wir kochen gerne mal etwas, was die Leute zu Hause sonst nicht machen, weil es zu aufwendig ist», berichtet Walter Alder. Heute steht als Vorspeise ein Salat auf dem Menüplan, gefolgt von einem sous-vide gegarten Schweinerücken (im Wasserbad bei niedriger Temperatur gegart) mit Kartoffelgratin. Als Vegi-Variante gibt es eine panierte Jackfruit. Zum Dessert wartet ein frischer Fruchtsalat. Am Herd steht auch Werner Senn, der früher als Maschineningenieur tätig war. «Ich bin pensioniert und habe Zeit. Gerne gebe ich der Gesellschaft jetzt im Alter etwas zurück», erklärt er sein Engagement.
«Es geht vielen Gästen darum, nicht allein zu Hause, sondern wieder mal in Gemeinschaft zu essen», verrät Diakon Martin Oertig. Und Sozialdiakonin Jeannette Haldimann ergänzt: «Es können am Rande des Essens auch persönliche Gespräche über Krankheit und Tod entstehen. Aber es wird auch viel gelacht während des Essens.»
Der Zmittag, der pro Person 15 Franken inklusive eines Gläschens Wein und eines Kaffees kostet, erfüllt mehrere Bedürfnisse. Hier können persönliche Kontakte gepflegt werden, und das persönliche Netzwerk erweitert sich. Zudem hilft das gemeinsame Essen gegen Einsamkeit und verstärkt die Zugehörigkeit zur Dorfgemeinschaft. «Das Essen ist inzwischen zu einem niederschwelligen und gastfreundlichen Treffen geworden», betont Haldimann.
Heute sitzen auch Ruth und Louis Auderset an einem der schön eingedeckten Tische. «Ich freue mich, denn heute muss ich nicht kochen», erklärt Ruth Auderset, die regelmässig mit ihrem Mann hierherkommt. «Wir sitzen hier mit unseren Freunden zusammen und haben eine gute Zeit», erklärt sie.
Auch Margrith und Alexander Frey lassen sich das Mittagessen schmecken. «Wir treffen hier immer viele bekannte Gesichter. Es gibt viel zu bereden. Wir sind gerne hier in Gesellschaft», erklärt das Ehepaar.
Bevor das Essen losging, hat Martin Oertig noch eine Geschichte vorgelesen; über einen japanischen Bauern und seinem Sohn, in der es um Glück und Unglück ging. Die Moral der Geschichte: Manchmal soll man nicht alles vorschnell nach Glück und Unglück beurteilen – denn das Leben geht oft seinen eigenen Weg und wird aus Unglück oft wieder Glück. Das Glück sei bei denen, die vertrauen – so die Botschaft. Und dann wird endlich gegessen und geredet.
