Hier wird so manchem Schweizer aus der Patsche geholfen
Oberländer auf Weltreise
Mit dem umgebauten Wagen durch ferne Länder reisen – das ist beliebt. Dabei kommen Fahrer und Autos an ihre Grenzen, wie beispielsweise auf den Bergstrecken in Tadschikistan. Wer wie auch schon Oberländer eine Autogarage braucht, ist bei Anar Maul richtig.
«Vielen Dank für deine Hilfe. Ohne euren Service wären wir nicht mehr weitergekommen! Gruss aus Wetzikon.» Diese Dankeszeilen stehen ohne nähere Angaben auf einem alten Zettel, den Anar Maul mit Stolz zeigt. Zudem blättert er durch sein altes Notizbuch, in dem der auf russisch die Ort notiert, woher seine Kundschaft stammt. Deutschland, England, Franlreich, Niederlande, Tschechien und Schweiz. Hier hat er die Autokennzeichnen notiert: AG, SH, SO und ZH – darunter eben den Eintrag Wetzikon und auch Hinwil hat er aufgeschrieben. «Ich glauber das war ein Ehepaar auf Weltreise», sagt er dazu.
Die Szene spielt sich in Duschanbe ab, der Hauptstadt von Tadschikistan, der ehemaligen Sowjetrepublik in Zentralasien. Das Land mit seinen rund 11 Millionen Einwohnern besticht durch seine herrliche Landschaft. Der Staat zwischen China, Afghanistan, Kirgisistan und Usbekistan besteht zu rund 90 Prozent aus Gebirge. Hier ragen die Berggipfel bis über 7000 Meter in die Höhe, der höchste Berg ist der Pik Ismoil Somoni mit 7495 Metern.
Auch viele Wagen aus der Schweiz schon repariert
Das Land zieht jährlich viele Abenteurer in ihren Autos an. Beliebt ist der Pamir Highway, dessen Strassen auf über 4000 Meter führen. Ein Härtetest für Auto und Fahrer. Und hier kommt Anar Maul wieder ins Spiel. Der 51-Jährige führt in Duschanbe mit einem Geschäftspartner den Autoservice und das Autotechnik-Zentrum Antares TJ Liqui Moly. Hier stranden viele der Autoabenteurer auf ihren Reisen von Europa über Russland nach China. «Ich habe schon viele verrückte Fahrzeuge hier in der Werkstatt gesehen. Umgebaute Feuerwehrwagen, alte Militärautos mit speziellen Aufbauten oder tolle Offroader», erzählt Anar Maul in bestem Hochdeutsch.
Aufgewachsen ist er in Aserbaidschan, später lebte Anar Maul in Deutschland, wo er die Ausbildung zum Werkzeugmechaniker absolvierte. Inzwischen besitzt Anar Maul den deutschen Pass. 2008 zog er mit seiner tadschikisch-deutschen Frau und seinen Kindern nach Duschanbe. Bald machte er sich selbständig in der Autobranche. Ein wichtiger Schritt: Er wurde zum einzigen Händler in Tadschikistan des bekannten deutschen Schmiermittelherstellers Liqui Moly.
«Wir wollten aber nicht nur Ölwechsel anbieten, sondern haben auch gleich noch eine Werkstatt», sagt Anar Maul. Inzwischen arbeiten hier 15 Mitarbeiter. Und die müssen auch immer wieder mal improvisieren. «Manchaml gibt es keine Ersatzteile für die Autos, die nach den Fahrten über die nicht immer gut ausgebauten Bergstrecken zu uns kommen. Aber wir finden immer eine Lösung. Zudem bestellen wir auch Ersatzteile, die nach kurzer Zeit bei uns eintreffen.»
Fast die ganze Welt sei in seiner Autowerkstatt schon zu Gast gewesen – auf Hinweise bei der App iOverlander.com, die Tipps und Tricks für Autofahrer auf speziellen Strecken im Ausland verbreitet. Und auch zeigt, wo es gute Autowerkstätten mit Fachpersonal gibt. «Wir haben auch viele Wagen aus der Schweiz. Oft sind es ältere Leute, die im Ruhestand sind und länger auf Abenteuerreise gehen», berichtet Anar Maul.
