Gesellschaft

Naturschutzverein auf Exkursion

Auf der Suche nach Fällandens verstecktem Schatz – den Krebsen

Der Naturschutzverein von Fällanden hütet ein Geheimnis: Die Mitglieder wissen, wo es in der Gemeinde seltene Steinkrebse gibt. In der Dunkelheit spüren sie die wegen ihres schmackhaften Fleisches gefährdeten Krustentiere auf.

Auf der Suche nach Fällandens verstecktem Schatz – den Krebsen

Naturschutzverein auf Exkursion

Der Naturschutzverein Fällanden hütet ein Geheimnis: Die Mitglieder wissen, wo es in der Gemeinde seltene Steinkrebse gibt. In der Dunkelheit spüren sie die wegen ihres schmackhaften Fleischs gefährdeten Krustentiere auf.

Der Naturschutzverein Fällanden organisierte am Freitag nach der Dämmerung eine Suche nach den seltenen und mittlerweile fast ausgestorbenen Steinkrebsen im Dorf. Obwohl von Suchen eigentlich nicht die Rede sein kann: Kaum hatte sich die Gruppe von rund 20 Personen nach kurzer Wanderung um eine seichte Stelle eines Bachs versammelt, entdeckten die Erwachsenen und die Kinder einen der nachtaktiven Krebse um den anderen.

Vorstandsmitglied und Exkursionsleiter Martin Schumacher nahm der Gruppe vorher das Versprechen ab, den genauen Ort und den Namen des Bachs mit den Krabbeltieren streng geheim zu halten. Denn: «Steinkrebse galten und gelten als Delikatesse», erklärt Schumacher der Runde. «Früher wurden sie oft gefangen und gegessen.» Ein Vereinsmitglied verrät etwas beschämt: «Das haben wir damals auch gemacht.»

Fällander Bach als Ausnahme

Mittlerweile ist der Steinkrebs unter anderem wegen dieser Übernutzung fast ausgestorben und lässt sich nur noch in wenigen Fliessgewässern in der Schweiz finden. Um herauszufinden, ob es sie in Fällanden noch gibt, haben Schumacher und seine Kollegen alle Bäche in der Gemeinde abgelaufen. «Wir haben sie beinahe aufgegeben, bis wir ganz am Schluss doch noch fündig wurden», sagt er. «Das war unser Highlight des Jahres.»

Und sie fanden nicht wenige: Auf einem Abschnitt von 200 Metern hätten sie rund 180 Krebse gezählt. «In diesem Sinne besitzen wir in Fällanden einen kleinen Schatz», sagt Schumacher stolz.

Die kleinen Schätze krabbeln im Schein der vielen Stirn- und Taschenlampen im seichten Wasser herum. Sie sind braun und daumen- bis bleistiftgross. Neben ihnen liegen einige leere Krebspanzer, da die Krustentiere sich in ihrem bis zu zehn Jahre langen Leben regelmässig ihr Aussenskelett abstreifen. Ein kleiner Junge findet sogar eine einzelne Schere, die er herumträgt und stolz den anderen präsentiert.

Eine Krebsschere in einer Hand.
Die Trophäe des Abends: Ein Junge fand eine lose Schere.

«Hier chillt ein ganz Grosser!», ruft ein anderes Kind. Schumacher klettert in den Bach und setzt ihn in einen Plastikbehälter mit Wasser. Als er ihn der interessierten Gruppe zeigt, schnappt der Krebs erbost mit den Scheren, worauf die Zuschauer erschreckt aufschreien. «Damit fressen sie unter anderem Insekten oder Amphibien, wie zum Beispiel Libellen, Wasserkäfer, Frösche oder gar ihre eigenen Artgenossen», erklärt Schumacher.

Keine einfache Zeit für Steinkrebse

Auch wenn sich die Krebse mit ihren Werkzeugen gegen andere Lebewesen verteidigen können, sind sie gegen viele andere Einwirkungen machtlos. Neben der Übernutzung machen ihnen zum Beispiel der hohe Gülle- oder Pestizidgehalt im Wasser, die Verbauung der Gewässer, Krankheiten und die sommerliche Trockenheit zu schaffen.

Das Letztere sei besonders dieses Jahr einschneidend gewesen. Schumacher erklärt, dass in austrocknenden Gewässern die Krebse auf kleinem Raum in Tümpeln zurückbleiben. Komme dann ein heftiges Sommergewitter, spüle es alle gleichzeitig weg. «Das ist in diesem Fällander Bach definitiv vielen Krebsen auch passiert.»

Immerhin entspringe dieser Bach im Wald, weshalb er unverbaut sei und auch nicht durch eine Landwirtschaftszone fliesse. Schumacher sagt: «Zum Glück für die Krebse ist das Wasser hier so sauber, dass man es fast trinken kann.»

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