Ein ehemaliges Klostergebäude im Gfenn als Namensgeber
Im Glattal gibt es spezielle Flurnamen zuhauf. Aber woher kommt der Ursprung dieser Bezeichnungen? Darüber Bescheid weiss der renommierte Experte Martin Graf. Heute: das Gebiet Chlosterwis im Gfenn.
Im Umfeld der Lazariterkirche im Gfenn befindet sich eine grosse Wiese mit einem sie umringenden Wäldchen. Dahinter liegen noch ein paar Gebäude. Die Fläche ist im kantonalen GIS-Browser als Chlosterwis benannt. Martin Graf hat sich mit dem Flurnamen beschäftigt. Er schreibt dazu: «Chlosterwis bedeutet: die zu einem Kloster gehörende, bei einem Kloster liegende Wiese. Vielleicht ist mit dem Kloster die Lazariterkirche Gfenn gemeint, ein ehemaliges Kloster.»
Tatsächlich gehörte die Lazariterkirche aus dem 13. Jahrhundert einst zu einem Kloster des Lazarus-Ordens, dessen Laienbrüder ein Aussätzigenspital betrieben. Nach einer Restaurierung durch die Stadt Dübendorf dient die Kirche seit 1967 als paritätisches (sowohl reformiertes als auch katholisches) Gotteshaus und wird zudem für Hochzeiten und Konzerte genutzt. Daneben befindet sich eine Häusergruppe, die 1828 auf den Grundmauern des abgebrannten Konventhauses entstand. Zwei Gebäude wurden 1988 restauriert; die Klosterstube und der wiederentdeckte romanische Keller stehen heute als öffentliche Räume zur Verfügung.

Zur Person
Martin Graf (geb. 1975) ist ein Schweizer Sprachwissenschaftler, Historiker und Lexikograf. Er ist unter anderem Co-Projektleiter von ortsnamen.ch. Das ist ein Portal zur schweizerischen Ortsnamenforschung, das öffentlich zugänglich ist und regelmässig über den Stand der Namenforschung in der Schweiz orientiert. Graf war auch Leiter des Projekts «Die Siedlungsnamen des Kantons Zürich», das vom Schweizerischen Nationalfond gefördert wurde.
