Er sorgt in Hinwil mit viel Engagement für Sauberkeit
Anfangs mit Geflüchteten unterwegs
Hansruedi Benz ist Raumpate in der Gemeinde – was dahintersteckt, verrät er hier.
Schon wieder. Eine achtlos weggeworfene Aludose. Hansruedi Benz bleibt gelassen und schnappt sich das Stück mit seiner Abfallgreifzange, die er für sich noch optimiert hat – mit einem zusätzlichen längeren Griff. «Das war nötig, sonst macht mir der Arm wegen der ständigen Greifbewegung weh», erklärt der 82-Jährige, der mit seiner Schubkarre und in gelber Warnweste vor der Scheune beim Gemeindeplatz steht.
Schon seit zehn Jahren sammelt er ehrenamtlich Abfall auf den Strassen, auf dem Trottoir oder in den Gebüschen der Gemeinde. «Heute liegt nicht viel rum», meint er noch, während sein Greifer schon den nächsten Plastikbecher gepackt hat.
Wie ein niederschwelliger Sprachkurs
«Ich leistete mit meiner Frau Margrit 2016 auf der Balkanroute einen Helfereinsatz für Flüchtlinge. Damals hat es mir den Ärmel reingenommen.» Und so wollte das Ehepaar Benz auch in Hinwil etwas für Geflüchtete anbieten. So entstand zusammen mit der Reformierten Kirche im «Perlencafi», das auch heute noch besteht, ein Café international: ein Treffpunkt für Schweizer und Migranten. Die geflüchteten Frauen waren hier weiterhin mit dem Haushalt beschäftigt – ihre Männer, die im ersten halben Jahr als Flüchtlinge nicht arbeiten dürfen, sassen ohne Beschäftigung da.
Das änderten Hansruedi und Margrit Benz. In Absprache mit dem Sozialdienst Hinwil wurden sogenannte Abfalltouren eingerichtet. Die Männer aus Syrien, Eritrea oder Afghanistan machten sich ab sofort zweimal in der Woche freiwillig zum Abfallsammeln auf. Die rund zweistündigen Touren führten auch bis nach Hadlikon, zum Ringwiler Weiher oder nach Wernetshausen.
«Auf den Touren haben wir zusammen viel geredet – das war die beste Form eines niederschwelligen Sprachkurses. Zudem haben die Geflüchteten die Gemeinde so besser kennengelernt und auch Dankbarkeit vonseiten der Einheimischen für ihre Freiwilligenarbeit erfahren.»
2022 endete das Engagement. «Neue Flüchtlingsfamilien kommen meist aus der Ukraine. Sie sind besser ausgebildet und finden eher schneller einen Job», weiss Benz. Doch das freiwillige Abfallsammeln in der Gemeinde läuft weiter. Denn 2023 suchte Hinwil zum Stopp gegen das Littering sogenannte Raumpatinnen und Raumpaten. Die Idee: Freiwillige sorgen in selbst ausgesuchten Gemeindegebieten für Sauberkeit, indem sie Abfall einsammeln. «Die Massnahme ist kostengünstig, entlastet den Reinigungsdienst und reduziert nachweislich das Littering», schrieb die Gemeinde Hinwil damals.
Bald wieder Clean-up-Day
Das Raumpatenschaft-Projekt wird schweizweit von der IG saubere Umwelt (IGSU) unterstützt – so auch in Hinwil, wo die Gemeinde mit der IGSU zusammenarbeitet. Bis zu acht Freiwillige waren schon als Raumpatinnen und Raumpaten aktiv. Die IGSU organisiert jeweils auch den Clean-up-Day, an dem Freiwillige in der ganzen Schweiz Aufräumaktionen starten: diesmal am 18. und 19. September.
Hansruedi Benz ist weiterhin jeden Montag und Freitag – das ganze Jahr, ob im Sommer oder im Winter – auf Abfalltour mit seiner Schubkarre. Seine Tour führt ihn unter anderem vom Gemeindehausplatz zum Bahnhofplatz. Ein Stahlrohr, einen Wäscheständer, zahlreiche Flaschen oder gar Gummistiefel: all das hat er allein in den vergangenen zwei Monaten gesammelt. Und vor allem Hunderte, wenn nicht schon Tausende von Zigarettenstummel. «Mit den Rauchenden ist das schon ein Problem. Zuerst landet die durchsichtige Folie ums Päckli auf dem Boden, dann die einzelne Zigarette und am Schluss noch das Päckli selber. Das ist schon nervig», ärgert sich Benz. Auch Portemonnaies hat er schon gefunden – aber meist ohne Geld darin.
Wieder bückt sich der engagierte Rentner, der früher unter anderem als Sozialpädagoge im Werkheim Uster als Werkstattleiter tätig war. «Vorher hat mich jemand darauf aufmerksam gemacht, dass hier Scherben rumliegen. Also mache ich diese schnell weg mit Schaufel und Besen», sagt Benz.
«Ich will mich nicht mehr aufregen wegen des einfach so weggeworfenen Abfalls. Ich bin meist mit Humor unterwegs und rede auch mit vielen im Dorf. Ich mache das als Dienstleistung für die Bevölkerung, die dieses Engagement schätzt.» Wie zum Beweis kreuzen gerade zwei Fussgänger seinen Weg mit einem «vielen Dank für ihre Arbeit».
