Gesellschaft

60 Jahre Jugi Dübendorf

«Als das Jugendhaus geschlossen wurde, konnten wir das gar nicht begreifen»

Heinz Baumann erinnert sich an seine Zeit im Dübendorfer Jugendhaus Anfang der 1970er Jahre. Das Jugi war für ihn ein ungemein wichtiger Treffpunkt und Rückzugsort, der in der Stadt dann plötzlich nicht mehr erwünscht war.

«Als das Jugendhaus geschlossen wurde, konnten wir das gar nicht begreifen»

60 Jahre Jugi Dübendorf

Heinz Baumann erinnert sich an seine Zeit im Dübendorfer Jugendhaus Anfang der 1970er Jahre. Das Jugi war für ihn ein ungemein wichtiger Treffpunkt und Rückzugsort, der in der Stadt dann plötzlich nicht mehr erwünscht war.

«Es war Anfang der 1970er Jahre, als ich das erste Mal mit dem Jugendhaus in Berührung kam, ich war damals 15 Jahre alt. Das Jugendhaus war für mich eine ganz wichtige Anlaufstation. Man hat dort seine Freunde getroffen. Es war ein Ort, an dem immer etwas lief. Ich war später auch in der Betriebskommission, die bestand aus einem harten Kern von acht bis zehn Personen.

Wir haben selber Sachen organisiert: kleine Veranstaltungen, Diskussionsrunden, Ausstellungen, manchmal ein Konzert von lokalen Bands. Wir haben auch kleinere Renovationen gemacht, die Wände gestrichen, im Garten gearbeitet und natürlich geputzt. Bei Veranstaltungen gab es einen kleinen Kiosk. Am Samstagabend konnte man auch mal Party machen und laute Musik hören. Mir gefielen die Beatles, aber auch die Stones, Deep Purple, Pink Floyd oder Yes.

Für mich war das Jugendhaus auch deshalb wichtig, weil man dort über die Dinge reden konnte, die einen als Jugendlichen beschäftigten. In der Pubertät war man ja nicht immer glücklich. Sei es mit der Schule, der Arbeit oder mit den Herausforderungen, die man sonst so hatte. Ich bin in einem toleranten Elternhaus aufgewachsen und hatte es im Grunde gut, nur meine langen Haare sorgten immer für Diskussionen.

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Ganz wichtig war für mich der damalige Leiter Mik Magos. Er war ein sehr innovativer, motivierender Typ. Er konnte die Leute mitreissen und hatte gute Ideen. Ich fand es damals recht fortschrittlich von Dübendorf, dass es überhaupt ein Jugendhaus gab und dass man dort ziemlich frei werken und machen konnte.

Zur Person

Heinz Baumann ist 71 Jahre alt und wohnt in Dübendorf, wo er mit wenigen Jahren Unterbruch sein ganzes Leben verbracht hat. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter (von denen keine das Jugi besuchte) sowie seit Kurzem zwei Enkelinnen.

Baumann absolvierte eine kaufmännische Lehre in einer Marketingagentur. Danach arbeitete er als Marketing- und Mediaplaner und machte das Diplom zum eidgenössischen Verlagsfachmann. Zum Abschluss seiner beruflichen Laufbahn übernahm er für drei Jahre die Betriebsleitung der Dübendorfer Kinos Orion.

Es war eine bewegte Zeit. Der Vietnamkrieg und die Proteste haben mich beschäftigt, später auch die Jugendunruhen in Zürich. Natürlich diskutierte man untereinander über Politik, aber politische Veranstaltungen habe ich im Jugendhaus nicht in Erinnerung. Es gab zum Beispiel die Reihe ‹Interessante Berufe›, bei der Leute aus ihrem Berufsalltag erzählten. Das war eigentlich viel typischer für das Jugendhaus.

Drogen waren in meiner Erinnerung kein grosses Thema. Es gab einzelne Geschichten von Leuten, die Drogen konsumiert haben. Das waren aber Ausnahmen. Haschisch und Cannabis kamen erst gegen Ende meiner Jugendzeit langsam auf. Im Jugendhaus selbst war das klar unerwünscht. Man wollte nicht in Verruf kommen und den Gegnern noch zusätzliche Argumente liefern.

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Im Herbst 1973 wurde das Jugendhaus geschlossen, nach angeblich unüberbrückbaren Differenzen zwischen den Dübendorfer Behörden und den Jugendhausförderern. Der hohe Besucherzuspruch wurde für das Jugendhaus zum Vorwurf – eigentlich absurd. Die andauernden Lärmklagen aus der Nachbarschaft waren ein Grund, der zur Schliessung führte. Ein anderer war die behördliche Nichtbewilligung von mehr Stellenprozenten, die eigentlich für die Führung des Hauses nötig gewesen wären. Uns Junge hat das getroffen, wir konnten das gar nicht recht begreifen.

Als das Jugendhaus Anfang der 1980er Jahre wieder eröffnet wurde, bin ich nicht mehr hingegangen. Da hatten wir schon andere Treffpunkte wie Restaurants oder Bars, die eigene Wohnung oder irgendwo draussen.  

Eine ganz besondere Erinnerung habe ich an meine Zeit im Jugendhaus, denn dort habe ich meine Frau Therese kennengelernt. Ich weiss es noch genau, wie ich sie im Vorraum beim Eingang das erste Mal gesehen habe. Ein paar Monate später hatten wir eine feste Beziehung. Später haben wir geheiratet – 1990 während einer USA-Reise in Las Vegas.

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Zum Jugendhaus selber hatte ich in den letzten Jahrzehnten keinen Bezug mehr. Doch vor wenigen Wochen wurde ich von der Kinder- und Jugendarbeit zusammen mit einem früheren Schulfreund wegen der Feier zum 60-jährigen Bestehen eingeladen. Wir haben ein Gespräch über die frühere Zeit geführt und auch ein kurzes Video gemacht.

Als ich wieder im Haus stand, kamen sofort Erinnerungen: Hier hat man gesessen und diskutiert, dort war die Bar, da unten der Partyraum. Natürlich ist das Haus in die Jahre gekommen, aber eigentlich hat sich gar nicht wahnsinnig viel verändert. Das war schön. Denn es hat Anstösse gegeben, sich an Dinge zu erinnern, die man längst vergessen hatte.»

(Aufgezeichnet von Thomas Bacher)


Am Samstag, 5. September, wird das 60-jährige Bestehen der Dübendorfer Kinder- und Jugendförderung gefeiert. Der Anlass findet im und rund um das Jugendhaus an der Storchengasse 14 statt und dauert von 17 Uhr bis Mitternacht. Auf dem Programm stehen Konzerte und eine Ausstellung, es gibt eine Hüpfburg, einen Boxautomaten, einen Fotocamper und eine Schminkecke. Auch für die Verpflegung ist gesorgt.

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