«Von Schuld und Unschuld» – Nicolas Lindt und sein eigener Krimi
Autor aus Wald
Ein Leben wie in einem Kriminalroman? Nicht ganz. Der Schriftsteller Nicolas Lindt hat in Gerichtssälen einst unglaublichen Fällen beigewohnt. Die Neuausgabe seines Buchs gewährt tiefe Einblicke.
Wer sich mit den grössten Schweizer Kriminalfällen beschäftigt, wird unweigerlich auf den «Fall Tschanun» stossen. Der offenbar masslos überarbeitete und schwer depressive Chef der Zürcher Baupolizei stürmte vor 40 Jahren eines Morgens im April 1986 von seiner direkt nebenan liegenden Wohnung ins Hochbauamt und erschoss vier seiner leitenden Mitarbeiter durch direkte Kopfschüsse kaltblütig. Ein fünfter kam mit schweren Verletzungen davon. Der Amoklauf dauerte zehn Minuten, der angeblich begeisterte und talentierte Hobbytänzer flüchtete nach Frankreich und wurde drei Wochen später im Burgund gefasst.
Wie kam es dazu, dass der 1941 in Wien geborene und als offenkundig gebildet geltende Architekt Günther Tschanun unter derart grossen Druck geriet, dass er die Kontrolle verlor und Menschen aus seinem Umfeld mit dem Leben dafür bezahlen mussten? Waren die 600 Überstunden, seine 84-Stunden-Wochen und der chronische Mangel an Personal oder die Mäkeleien zwischen ihm und seinen 40 Mitarbeitenden, die angeblich seine Autorität untergruben, die Gründe für die Tat?
Diese Frage stellte sich auch der in Wald lebende Nicolas Lindt. Er war zum «Tatzeitpunkt» Gerichtskolumnist und verfasste vor einigen Jahren ein Buch über die Gerichtsfälle, die ihm während jener Zeit äusserst nahegingen. 40 Jahre nach der Bluttat im Zürcher Bauamt hat er sein Buch neu aufgelegt.

