Für Madame Frigo ist in Fällanden definitiv Schluss
Vandalismus und Lärmbelästigungen haben dazu geführt, dass der gelbe Community-Kühlschrank von Madame Frigo in Fällanden aus dem Ortsbild verschwindet. Am Ende hat die Gemeinde den Stecker gezogen.
Mehr als drei Jahre hat Angela Liotta für Madame Frigo gekämpft, nun muss sie aufgeben: Der öffentlich zugängliche Kühlschrank, in den Menschen überschüssige, noch geniessbare Lebensmittel legen können, ist ausser Betrieb. Das hehre Vorhaben, Bedürftigen zu helfen und gleichzeitig Foodwaste zu bekämpfen, ist gescheitert.
Als Grund gibt Liotta Vandalismus, Littering und Lärmbelästigung rund um den Standort beim Gemeinschaftszentrum (GZ) an. Jugendliche hätten das Gerät zum Kühlen von Bier benutzt, Pizza zum Spielplatz neben dem GZ bestellt, Abfall liegen lassen oder im Gebüsch verstreut. Anwohner hätten über Lärm und einen respektlosen Umgang seitens der Jugendlichen geklagt.
Um das Problem anzugehen, habe das Team der Jugendarbeit immer wieder das Gespräch gesucht, Sicherheitsleute hätten patrouilliert, und es sei auch zu mehreren Polizeieinsätzen gekommen. Doch ohne Erfolg. «Was das Fass zum Überlaufen gebracht hat, waren verschmierte Lebensmittel an den Hauseingangstüren», so Liotta. «Es war einfach nicht mehr tragbar.»
Gemeinde hat genug
Am Ende war es die Gemeinde, die dem Vorhaben den Stecker gezogen hat, wie Gemeindeschreiberin Leta Bezzola auf Anfrage bestätigt. «Aufgrund der Vorfälle wurde Frau Liotta auch kein anderer Standplatz auf einem Grundstück der Gemeinde angeboten.»
Die Initiantin ärgert sich nicht über diesen Schritt. «Die Gemeindeverwaltung und der Gemeinderat haben diesen Kühlschrank von Anfang an grossartig unterstützt», schreibt sie in einer Stellungnahme und hebt das Engagement von Geld- und Essenspendern hervor. Dank dem Projekt hätten mehrere Asylbewerber, die den Kühlschrank betreut hätten, ins Schweizer Arbeitssystem integriert werden können.
Gute und verdorbene Lebensmittel
Allerdings war das Angebot im Community-Kühlschrank, den es in der Schweiz mittlerweile an 189 Standorten gibt, nicht immer über alle Zweifel erhaben. Diese Redaktion hat letztes Jahr über mehrere Wochen immer wieder hinter die Kühlschranktür geschaut und fand dabei regelmässig verdorbenes Essen oder Lebensmittel wie Fisch und Fleisch, die nicht für die Weitergabe geeignet sind.
Liotta zeigte sich damals überzeugt, dass die Leute in guter Absicht handeln würden. Auch dass der Kühlschrank wiederholt komplett leer gewesen sei, sei in einer vergleichsweise kleinen Gemeinde wie Fällanden völlig normal. Dies hätten ihr Vertreter des Dachvereins Madame Frigo bestätigt. Der Community-Kühlschrank in Fällanden sei «eine Erfolgsgeschichte», sagte sie noch vor einem Jahr. «Das Ziel, Foodwaste zu verhindern, ist erreicht.»
Die Probleme, die nun zum Aus von Madame Frigo führten, zeichneten sich jedoch schon damals ab. Wiederholt wurde der Kühlschrank an seinem früheren Standort bei der Zwicky-Fabrik mit Böllern oder Sprayereien beschädigt. Auch haben Unbekannte immer wieder Innenteile gestohlen. Das führte schliesslich dazu, dass der Community-Kühlschrank im Juni dieses Jahrs zum Gemeinschaftszentrum verlegt wurde – wo er nun gerade mal zwei Monate in Betrieb war.

