Gesellschaft

Unterricht während der Hitze

Schulen ohne Klimaanlagen – ist das noch möglich?

Die Hitzewelle hat gezeigt, wie stark sich die Dübendorfer Klassenzimmer im Sommer aufheizen. Nun stellt sich die Frage, ob die Schulhäuser künftig ohne Klimaanlagen noch auskommen.

Schulen ohne Klimaanlagen – ist das noch möglich?

Die Hitzewelle hat gezeigt, wie stark sich die Dübendorfer Klassenzimmer im Sommer aufheizen. Nun stellt sich die Frage, ob die Schulhäuser künftig ohne Klimaanlagen noch auskommen.

Wegen der Hitzewelle wurde es in den vergangenen Wochen richtig heiss in den Dübendorfer Klassenzimmern. Die Primarschule reagierte und ermächtigte die Lehrpersonen, den Unterricht für zwei Tage flexibel zu gestalten (siehe Box).

Mit den zunehmenden Hitzetagen drängt sich die Frage auf, ob es künftig ohne Klimaanlagen in den Klassenzimmern noch erträglich ist. Für Dübendorf würden sich solche Lösungen mit dem Neubau des Birchlen-Schulhauses oder der Sanierung und Erweiterung des Stägenbucks anbieten.

Mit einer Wärmepumpe, die auch kühlen kann, wird laut Primarschulpräsidentin Susanne Hänni (GLP) das Birchlen ausgestattet. Zudem sind für den 64-Millionen-Franken-Bau auch Hitzeminderungen im Aussenbereich geplant. So sollen laut Hänni 80 Bäume gepflanzt werden. Dazu gebe es zahlreiche Wasserrinnen und «Glungge», in die das Dachwasser ablaufen könne.

Mit der Denkmalpflege muss man halt ein bisschen streiten.

Urs Maurer

Architekt

Der Zürcher Architekt und Pädagoge Urs Maurer beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Überhitzung von Schulhäusern. Er findet eine Wärmepumpe zur Kühlung, wie sie im Birchlen zu Einsatz kommen soll, «eine planbare und mögliche Lösung». Allerdings mache das nur Sinn, wenn dabei die Temperatur an Hitzetagen bis 25 Grad oder leicht darunter gedrückt werden könne.

Hitzefrei an der Dübendorfer Schule

Primarschulpräsidentin Susanne Hänni (GLP) sagt, dass die beiden speziellen Unterrichtstage vom 25. und 26. Juni je nach Schulhaus ganz unterschiedlich verlaufen sind. «In der Schule Three Point war es angenehm kühl, und es fand regulärer Unterricht statt.»

In den restlichen Schulhäusern seien am Donnerstagnachmittag viele Klassen noch einem bereits geplanten Programm gefolgt. Am Freitagnachmittag hätten dann gegen 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, nach Hause zu gehen. «Mit den übrigen Kindern wurden Spiele gemacht, eine Wasserschlacht, oder es gab eine Runde Glace.»

Die Lehrpersonen seien frei darin, andere Unterrichtsformen einzuplanen, wie etwa in den Wald oder in die Badi zu gehen, erklärt Hänni. «Doch das Freibad ist in Dübendorf diesen Sommer geschlossen, und 2000 Kinder in den Wald zu schicken, das geht auch nicht.» (dam)

Ein «No-Go» sind für den pensionierten Architekten von oben bis nach unten durchgehende Fenster auf den Ost-, Süd- und Westfassaden. «Ohne entsprechenden baulichen Wärmeschutz ist die Überhitzung vorprogrammiert.»

Im Neubau Birchlen sind zwar grosse Fenster vorgesehen, die aber mit Stoffmarkisen ausgestattet sind, womit die Sonneneinstrahlung abgehalten wird. Die Storen seien elektrisch betrieben und würden automatisch gesteuert, heisst es seitens der Primarschule. Zudem sei der Glasanteil reduziert worden, beispielsweise an der Südseite beim Singsaal.

Klimaanlage für den Kindergarten

Noch abzuklären gilt es hingegen, wie das Stägenbuck für den Sommer parat gemacht wird. Die Schulanlage mit Baujahr 1975 soll saniert und erweitert werden. Über den Projektierungskredit in Höhe von 7,2 Millionen Franken entscheidet die Stimmbevölkerung voraussichtlich im September an der Urne. 107 Millionen Franken soll der Bau letztlich kosten.

Hänni sagt, dass die detaillierte Planung erst nach dem Entscheid an der Urne fortgesetzt wird. Hürden gebe es etwa wegen des Denkmalschutzes. Für die Denkmalpflege erinnert die Schule mit ihrer Kubatur an nordafrikanische Lehmbauten.

Beim Neubau des Kindergartens auf demselben Areal bestünden hingegen keine solchen Auflagen. Eine Klimaanlage im Verbund mit einer Photovoltaikanlage mache dort Sinn und sei auch vorgesehen.

Als erfrischende Massnahme auf dem Pausenhof will die Schule später auch den Brunnen beim Stägenbuck wieder in Betrieb nehmen. Dieser ist laut Hänni bereits seit 15 oder 20 Jahren ausser Betrieb. Grund dafür seien Sicherheitsbedenken und altersbedingte Schäden gewesen. Das Abflussbächlein des Brunnens über den Platz mit einer Breite von 40 Zentimetern wurde als zu gefährlich für spielende Kinder eingestuft. Mit der Sanierung soll eine niedrigere Wassertiefe geprüft werden. 

Kühl im Three Point, heiss in Gockhausen

Angenehmere Temperaturen herrschen bereits heute für die Schüler und Lehrpersonen in der Hochhausschule im Three-Point-Tower. Es sei dank Lüftung und guter Isolierung rund 10 Grad kühler als in anderen Schulhäusern, wie etwa dem Schulhaus Dorf oder dem Schulhaus Gockhausen. Dort werde es vor allem unter dem Dach sehr heiss.

Für die beiden Schulanlagen Gockhausen und Dorf sei eine Sanierung in Planung, sagt Hänni. «Bis diese umgesetzt ist, wird es allerdings noch etwas dauern.» Die Primarschulpflege hat an ihrer letzten Sitzung die Prüfung der Situation und von Massnahmen für alle Schulanlagen in Auftrag gegeben. Resultate liegen noch keine vor.

Architekt Urs Maurer kennt das Problem bei älteren Gebäuden. Diese hätten zwar oft kleinere Fenster, was das Aufheizen verringere. Die schlechte Isolation bewirke jedoch einen Wärmeeintrag, und die dicken Mauern bei den denkmalgeschützten Bauten der letzten Jahrhundertwende könnten bei langen Hitzeperioden regelrecht als Wärmespeicher fungieren. «Über Nacht kühlen die Schulhäuser nicht mehr aus, da hilft auch die Nachtabkühlung durch Lüften nichts mehr.»

Verbessern lasse sich die Situation etwa durch Klimaanlagen mit der Stromgewinnung mittels Solarzellen. Solche Einbauten könnten relativ rasch erfolgen. «Mit der Denkmalpflege muss man halt ein bisschen streiten», sagt Maurer. Er weiss aber aus Erfahrung: «Wenn sich einer stur stellt, ist es schwierig.»

Lehrerverband plädiert für Klimaanlagen

Eine Temperaturobergrenze in Schulräumen fordert der Schweizer Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer. Präsidentin Dagmar Rösler sagt, ab 26 Grad nehme die kognitive Leistung der Kinder ab. «Ab 30 Grad ist ein regulärer Unterricht nicht mehr möglich.»

Es ist uns bewusst, dass Klimaanlagen kosten, aber im Winter wird ja auch geheizt.

Dagmar Rösler

Präsidentin Schweizer Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer

Mit Schulklassen in den Wald oder die Badi zu gehen, könne eine Alternative sein. «Doch dies kann man in Zukunft nicht einfach wochenlang machen, da man auch einen Lehrplan zu erfüllen hat», sagt Rösler, die als Lehrerin selber Klassen unterrichtet.

Problematischer erachtet sie es, Schülerinnen und Schüler wegen der Hitze nach Hause zu schicken. «Die Schulen haben gegenüber den Eltern eine Betreuungspflicht.»

Ein Schulhaus.
In der Dübendorfer Three-Point-Überbauung steht die erste Hochhausschule der Schweiz. Dank der Lüftung und den Storen bleibt es auch in den Klassenzimmern kühler als in anderen Schulhäusern.

Massnahmen wie die Beschattung der Gebäudehülle mit Bäumen oder Deckenpropeller in Schulräumen könnten zwar helfen. Die Deckenventilatoren würden die Luft zirkulieren lassen, aber bei einer gewissen Temperatur bringe das auch keine Erfrischung mehr.

Für Rösler ist klar: Wenn Schulhäuser so aufheizten, dass andere Massnahmen nicht mehr nützten, dann werde man mittelfristig nicht darum herumkommen, diese mit Klimaanlagen und damit verbundenen PV-Anlagen zu bestücken. «Es ist uns bewusst, dass das kostet, aber im Winter wird ja auch geheizt. Jetzt muss man sich überlegen, was man im Sommer macht, um Lernen zuverlässig zu ermöglichen.»

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