Gesellschaft

Audienz beim Gmünder Oberbürgermeister

«Eine Städtepartnerschaft kann nicht von oben verordnet werden»

Der Gmünder Oberbürgermeister Richard Arnold sagt, wie man Freundschaften mit anderen Städten schliesst. Und dass sich Dübendorf nicht davor fürchten muss, angebettelt zu werden.

«Eine Städtepartnerschaft kann nicht von oben verordnet werden»

Der Gmünder Oberbürgermeister Richard Arnold sagt, wie man Freundschaften mit anderen Städten schliesst. Und dass sich Dübendorf nicht davor fürchten muss, angebettelt zu werden.

Ortstermin im Büro von Oberbürgermeister Richard Arnold (CDU) im repräsentativen Gmünder Rathaus am Marktplatz. Unten vergnügen sich Kinder auf dem riesigen Sandspielplatz, oben bietet der «OB», wie er hier von den meisten genannt wird, seinem Besuch aus der Schweiz einen Cognac an. Stadtschreiber Markus Herrmann gesellt sich dazu.

Der Schreibtisch, ja der ganze Raum ist voll mit Gastgeschenken aus aller Welt. Einen Ehrenplatz hat eine Amphore, 2500 Jahre alt, aus einem Schiff der Phönizier, das vor Antibes in Südfrankreich gesunken ist. Ein Vorgänger Arnolds hat sie einst vom Bürgermeister der Küstenstadt geschenkt bekommen.

Die Engländer kommen

Antibes ist eine von fünf Partnerstädten Schwäbisch Gmünds. Faenza in Italien und Székesfehérvár in Ungarn gehören ebenso dazu wie Bethlehem in den USA und das englische Barnsley. Von dort ist im Juli eine mehrköpfige Delegation für mehrere Tage in Gmünd zu Gast. Man isst zusammen, besucht einen Gottesdienst und das Europäische Kirchenmusikfestival, macht einen Stadtrundgang, und natürlich steht auch das Altersgenossenfest auf dem Programm. Wer aus der Bevölkerung mitmachen will, kann das unkompliziert tun.

Während die Stadtverwaltung die offiziellen Städtepartnerschaften betreut, sorgt ein Verein dafür, dass diese Partnerschaften durch persönliche Begegnungen, Freundschaften und gemeinsame Aktivitäten mit Leben gefüllt werden. Dazu gehört etwa auch die Unterstützung von Schul- und Jugendaustauschen.

Nicht die gleiche Liga

Doch hätte Schwäbisch Gmünd überhaupt Interesse an einer weiteren Partnerschaft, konkret mit Dübendorf? Schliesslich passt die Stadt an der Glatt nicht ganz ins Beuteschema der Gmünder: Die Agglogemeinde im Schatten von Zürich ist nicht nur deutlich kleiner, sondern ist auch geschichtlich wie kulturell in einer ganz anderen Kategorie als die bestehenden Partnerstädte Gmünds.

Oberbürgermeister Arnold winkt ab: «Antibes ist auch eine deutlich grössere Nummer als Gmünd, dennoch sind wir von denen Freunde des Herzens.» Und so entstünden immer weitere Freundschaften und Verbindungen. Ein Beispiel: Da Antibes und Olympia in Griechenland Partnerstädte sind, lernte Arnold auch diesen Bürgermeister kennen. Er sei für ihn ein eindrücklicher Moment gewesen, als er «als kleiner Oberbürgermeister aus Gmünd» die olympische Fahne habe halten dürfen. «Man muss nicht selber gross sein, um bei den Grossen dabei sein zu dürfen – und gegenseitig voneinander zu profitieren.»

Spielt Geld eine Rolle?

Bleibt noch das Finanzielle zu klären. So hat der Dübendorfer Stadtpräsident André Ingold (SVP) das Desinteresse an einer vertieften Verbindung mit einer anderen Kommune gegenüber dieser Zeitung einst damit begründet, dass man befürchte, von einer Partnerstadt nach finanzieller Unterstützung angefragt zu werden. Und das wolle man nicht.

Tatsächlich beklagt man sich in Schwäbisch Gmünd, immer mehr Aufgaben übernehmen zu müssen, die eigentlich Sache des Lands oder gar des Bunds wären. Dies bringe eine enorme finanzielle Belastung mit sich. Und auch wenn der aktuelle Doppelhaushalt nicht schlecht aussieht, bleibt kaum Spielraum für Investitionen. Im Gegenteil: Man muss sparen, auch weil die Stadtwerke nach jahrelanger Misswirtschaft finanziell marode sind. Und auch die wirtschaftliche Situation ist belastet, da mehrere grosse Arbeitgeber in der Stadt für die serbelnde Autoindustrie produzieren. Im Vergleich dazu schwimmt die Stadt Dübendorf nach Jahren der Überschüsse förmlich im Geld.

«Schickt eine Guggenmusik hierher»

Müssten die Dübendorfer also befürchten, im Falle einer Städtepartnerschaft von Schwäbisch Gmünd um Geld angebettelt zu werden? Oberbürgermeister Arnold lacht. Blöde Frage. Ohnehin sei eine Städtepartnerschaft nichts, was von oben verordnet werden könne. «Das bildet sich aus der Bürgerschaft und dem kulturellen Austausch heraus, wie das mit Faenza der Fall war.»

Die Partnerschaft mit Barnsley wiederum geht auf einen Gmünder Bürger zurück, der auf seinem Weg nach Wales in der ehemaligen Bergbau- und Industriestadt im Norden Englands strandete und beim dortigen Bürgermeister anregte, eine Partnerstadt mit Schwäbisch Gmünd einzugehen.

Einen möglichen Anknüpfpunkt mit Dübendorf sieht Arnold im jährlichen Guggenmusikfestival in der Stadt. «Schickt eine Guggenmusik hierher, und ein paar Offizielle sollen auch gleich noch mitkommen. Dann hat man etwas Gemeinsames, das man erlebt hat. Denn in so eine Städtepartnerschaft wächst man hinein.»

Das Problem, Herr Oberbürgermeister: Dübendorf hat gar keine eigene Guggenmusik. Arnold stutzt erst ein bisschen. Unvorstellbar, so etwas. Kommt dann aber gleich mit dem nächsten Vorschlag: «Dann machen wir doch eine gemeinsame Einhorn-Aktion.»

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