Der Schweinezüchter, der auf Shrimps umstieg
Neue Proteinproduktion in Volketswil
Die Bauernbrüder Lukas und Dany Schulthess wollten mal etwas Neues ausprobieren. In ihrem ehemaligen Schweinestall in Gutenswil schwimmen nun kleine Shrimps. Aber deren Aufzucht ist gar nicht so leicht.
Es riecht noch immer nach Schwein. Der Geruch der ehemaligen Ferkelzucht hängt dem lang gezogenen Stall bis heute an. Doch in dem Gebäude werden keine Säugetiere mehr aufgezogen.
Vielmehr stehen am Platz der ehemaligen Muttersauen zwei je zehn Kubikmeter grosse Becken neben einem Pool, der sich über die gesamte Länge des Gebäudes erstreckt. Agronom Lukas Schulthess hat die Schweinezucht 2023 wegen seines Veterinärstudiums aufgegeben und die Inneneinrichtung des Stalls von ihm und seiner Schwester am Ortsrand von Gutenswil entfernt.
Aquakultur – selbst gemacht
Das, um zusammen mit seinem Bruder Dany, der ebenfalls Agronom ist, in dem Gebäude eine Shrimp-Zucht zu starten. «Wir haben nach einer sinnvollen Nutzung des leer stehenden Gebäudes gesucht», erklärt Lukas Schulthess. «Wir wollten etwas ausprobieren, das nicht jeder macht», ergänzt Dany Schulthess.
Zusammen mit ihrem Schwager gründeten sie eine Firma und begannen Ende 2025, den Stall umzubauen. Sie isolierten das Gebäude neu und sehr gründlich (die Shrimps mögen es warm) und liessen drei Aufzuchtbecken einbauen. Insgesamt investierten sie rund 200'000 Franken in das Projekt. «Wir versuchen, die Kosten möglichst tief zu halten, und drehen jeden Franken um», erklärt Lukas Schulthess. Denn externe finanzielle Unterstützung bekämen sie nur vom Projekt «Innovativi Puure».


Die Anlagen stammen von einem Erbauer von Koiteichen. «Es gibt in der Schweiz kaum Anbieter für Systeme von Shrimp-Aufzucht», erklärt Dany Schulthess. Viel haben sie aber auch selbst zusammengebastelt, gestrichen oder geschweisst. Lukas Schulthess witzelt: «Der Unterschied zwischen einem Schweisser und einem Bauern ist, dass der Schweisser weiss, dass er kein Bauer ist.»
Auch die Bewilligung für den Bau der Anlage zu bekommen, war nicht einfach. «Eine solche Anfrage bekommen die Behörden hier in der Umgebung selten», sagt Lukas Schulthess. «Darum waren sie gegenüber der Idee zuerst skeptisch.» Auch die Reaktionen aus der Landwirtschaft seien unterschiedlich ausgefallen. «Manche belächeln uns, andere sind verwundert oder interessiert. Aber wir nehmen ja niemandem das Geschäft weg.»
Die Wissenschaft der Garnelen
Seit Mitte Juni schwimmen nun die ersten 40'000 Pazifischen Weissfussgarnelen in einem der kleineren Tanks, die sie «Nursery», also Kinderzimmer, nennen. Im grün gefärbten und ständig in Bewegung gehaltenen Salzwasser sind sie kaum zu erkennen. Das liegt daran, dass sie erst ein bis zwei Zentimeter gross und grösstenteils transparent sind.


Gefüttert werden sie mit acht verschiedenen Futtern. Ein angestellter Junglandwirt kommt zweimal täglich für insgesamt rund zwei Stunden vorbei. Er kontrolliert die Wasserwerte und passt die Dosierung des jeweiligen Futters an.
Bald sollen die Garnelen auch mit Biofloc unterstützt werden. Mit dieser Praxis werden die natürlichen Ausscheidungen der Shrimps durch Bakterien wieder in Nährstoffe umgewandelt. So muss auch das Wasser nie gewechselt werden.
Momentan züchten die Brüder die Biofloc-Bakterienkulturen in zwei grossen Behältern heran. Daneben stehen zwei grosse Bottiche, die mit kleinen Kunststoffstücken gefüllt sind und den Wasserkreislauf mit Bakterien reinigen sollen. Der Stall wirkt mit den verschiedenen Behältern und zahlreichen herumstehenden Wassertests wie ein grosses Experimentierlabor.


«Wir probieren aus und lernen ständig dazu», sagt Lukas Schulthess. Das Wissen haben sie von anderen Shrimp-Farmen in der Schweiz, die bereit waren, ihr Know-how zu teilen. Zumindest von jenen, die noch übrig sind: «Aktuell schliessen gerade sehr viele Shrimp-Zuchtbetriebe», sagt Lukas Schulthess. Sein Bruder ergänzt: «Das macht uns ein wenig Sorgen.»
Optimistisch sind sie trotzdem, immerhin ist so auch die Konkurrenz kleiner. «Indem wir unsere Shrimps vor Ort herstellen, können wir unseren Kunden ein regionales, nachhaltiges und hochwertiges Produkt anbieten», sagt Lukas Schulthess. «Dafür müssen auch keine Mangroven abgeholzt werden, wie das bei Farmen im Ausland der Fall sein kann», erklärt sein Bruder.
Für Restaurants und Feinschmecker
Als Kunden haben sie Gastronomen oder Private im Auge, die die Shrimps direkt bei ihnen bestellen. Einige Köche aus der Umgebung hätten bereits Interesse an ihrem Produkt bekundet. Dany Schulthess sagt: «Die Nachfrage ist da. Wir müssen jetzt herausfinden, wie gross sie ist.»
Verkauft werden sollen die Shrimps vollständig mit Kopf und Beinen und schockgefroren unter dem Namen Zürishrimp für rund 100 Franken pro Kilo. Die Garnelen essen beide übrigens selbst gerne. Am liebsten kommen sie ganz schlicht auf den Grill – mit etwas Chiliöl.

Bis die Shrimps zum Verzehr bereit sind, dauert es aber noch zwei bis drei Monate. In wenigen Wochen können die kleinen Tiere in das grosse Becken umziehen. Darüber müssen die Brüder noch ein Netz installieren. Dany Schulthess sagt: «Die Shrimps springen jeweils bei Voll- und Leermond wie wild aus dem Wasser. Sie sind unruhig, weil viele sich zu diesen Zeitpunkten häuten.»

