Gesellschaft

Ehrenamtlicher Einsatz für Tierheimhunde

Dübendorferin gibt vergessenen Hunden eine frische Frisur

Sarah Jäggli hält kaum aus, wie viele Hunde in Tierheimen bleiben müssen. Um ihnen eine bessere Chance auf Vermittlung zu geben, wäscht, striegelt und stutzt die Dübendorfer Hundefriseurin lokale Tierheimhunde ehrenamtlich zurecht.

Dübendorferin gibt vergessenen Hunden eine frische Frisur

Sarah Jäggli hält kaum aus, wie viele Hunde in Tierheimen bleiben müssen. Um ihnen eine bessere Chance auf Vermittlung zu geben, wäscht, striegelt und stutzt die Dübendorfer Hundefriseurin lokale Tierheimhunde ehrenamtlich zurecht.

Im kleinen Raum an der Zürcherstrasse in Volketswil fliegen Tausende Hundehaare oder gar in Büscheln durch die Luft. Es riecht nach nassem Fell. Die Stahlwanne in der Ecke ist eigentlich ungefähr so gross wie ein Kühlschrank. Aber wenn Kiara drinsteht, scheint das Becken plötzlich ganz klein.

Der kurzhaarigen, rehbraunen Hündin ist überhaupt nicht geheuer, was gerade mit ihr passiert. Eine tätowierte Frau mit braunen Haaren und viel Entschlossenheit macht die zweijährige Dobermann-Bernhardiner-Mischung von unten bis oben mit der Duschbrause nass. Für Kiara, die seit ihrer Geburt bereits fünfmal die Besitzer in Deutschland wechseln musste und schliesslich im Tierheim Strubeli in Volketswil landete, ist dieses Bad wohl ein Novum.

Deshalb versucht sie verzweifelt, aus der grossen Wanne rauszuklettern, und benutzt Hundefriseurin Sarah Jäggli dafür als Trittbrett. Da Kiara aber in der Wanne angeleint ist, steht sie nur mit den Vorderpfoten auf der Schulter von Jäggli. Mit ihren grossen, honigbraunen Hundeaugen schaut sie sich Hilfe suchend nach ihrer Betreuerin Sarah Baumberger um.

Zwei Frauen baden einen Hund.
Wenn Kiara könnte, würde sie sich am liebsten verkriechen.

Die beim Tierheim Strubeli angestellte Tierpflegerin begleitet die Hündin ausnahmsweise zu deren Termin im Hundesalon von Jäggli. «Normalerweise sind die Hundebesitzer bei den Terminen ihrer Hunde nicht dabei», erklärt diese. Aber Kiara hat keinen normalen Termin, zu dem sie von ihrem Besitzer gebracht wurde. Denn sie hat keinen. «Ohne ihre Betreuerin wäre die Fellpflege für sie mehr Stress als eine gute Tat.»

Aus persönlicher Überzeugung

Jäggli bietet in ihrer Freizeit Hunden aus Tierheimen aus der Umgebung kostenlos eine Fellpflege an. Das sind ein bis vier Hunde pro Monat. Zu den Tierheimen gehören aktuell das Strubeli, das Pfötli in Winkel und die Tierstation Esperanza in Würenlos. Das Ziel der Dübendorferin: «Ich will Schweizer Tierheimhunden helfen, vermittelt zu werden.» Sie legt einen besonderen Fokus auf die lokale Vermittlung. «Es gibt zu viele Leute, die Hunde aus dem Ausland importieren, um die Auflagen der Tierheime zu umgehen.» Mit viel Nachdruck ergänzt sie: «Aber wieso sollte man das tun, wenn all unsere Tierheime voll sind mit Hunden?»

Den Grund für die vollen Zwinger sieht sie in der Einstellung der Menschen. «Man sollte sich sehr gut überlegen, ob man wirklich einen Hund will. Hunde sind Lebewesen und keine Gegenstände, die man einfach abschieben kann.»

Dieses Thema ist für Jäggli, die auch selbst zwei Hunde hat, ein Herzensprojekt. Als sie durch das Tierheim Strubeli gelaufen sei, um Kiara abzuholen, hätte sie am liebsten alle Hunde mit nach Hause nehmen oder vermitteln wollen.

Dabei sei es für sie gar nicht so einfach, ihre Hilfe den Tierheimen anzubieten. «Viele Tierheime darf ich gar nicht betreten, da dort zum Beispiel Hunde aus gerichtlichen Beschlagnahmungen oder wegen Tierschutzfällen sind.» Komme eine Behandlung trotzdem zustande, müsse sie teilweise zuerst eine Geheimhaltungserklärung unterschreiben oder dürfe den Hund nicht auf Social Media zeigen.

Erleichterung für das Heim

Einer der drei Hunde aus dem Tierheim Strubeli, die sie behandelt hat, hat dank ihr bereits ein neues Zuhause gefunden. Kiaras Vorgängerin Luna wartet aber trotz der Fellpflege von Jäggli noch auf einen neuen Besitzer.

Sarah Baumberger ist dankbar für die Hilfe von Jäggli. «Die Fellpflege ist für uns hilfreich, vor allem bei langhaarigen Hunden. Wir haben dafür oft keine Zeit.» Zudem erleichtere es, Bewerber für die Hunde zu finden, «weil sie hübscher aussehen». Jäggli ergänzt: «Menschen sind oberflächlich.»

Baumberger posiert mit Kiara.
Sarah Baumberger ist Kiaras Betreuerin. Sie trainiert die Hündin und konnte mit ihr schon Fortschritte machen.

Damit Kiara so gut aussieht wie möglich, wird sie von Jäggli nun mit hypoallergenem Shampoo eingeseift. Das reinige, helfe gegen Juckreiz und beuge Milben vor, erklärt Jäggli, die sich mit hochgekrempelten Ärmeln über Kiara beugt. Diese gibt japsende Geräusche von sich, ihre Hinterbeine zittern vor lauter Unsicherheit, und sie versucht, Jäggli zu entkommen.

Es ist ein ausgesprochenes Chaos in dem kleinen Raum. Aber Jäggli und Baumberger wissen damit umzugehen. Wie zwei Ruhepole lassen sie sich nicht von der nervösen Hündin aus der Fassung bringen. Jäggli arbeitet geübt, beide reden beruhigend auf sie ein. «Alles gut, alles gut, schnell durchatmen. Stressig, gell?»

Mit Bimsstein gegen Juckreiz

Sobald das Bad fertig ist, ist die Welt für Kiara wieder in Ordnung. Übermütig tapst sie im Salon herum und taucht alle, die nicht schnell genug ausweichen, in einen Sprühnebel aus Hundeparfüm. Danach rubbelt Jäggli sie mit einem Tuch ab. Mithilfe von viel Leberpaste wird die Hündin dann auf ein Podest gelockt, damit die Friseurin sie trocken blasen, ihr die Nägel stutzen und ihr Fell mit einem Bimsstein bearbeiten kann.

Fellbüschel sammeln sich auf dem Boden an und bilden einen Teppich, während Jäggli mit langen Zügen durch das Fell bürstet. «Mit regelmässiger Fellpflege verhindere ich Juckreiz und sonstiges Unwohlsein und verbessere ihr Hautbild», erklärt sie. Leider seien die wenigsten Hunde für die Pflege in einem Salon sozialisiert. Auch kämen nur wenige Besitzer regelmässig in den Salon. «Vor allem die Pflege von kurzhaarigen Hunden wird oft unterschätzt.»

Kiara entspannt sich derweil auf dem Podest. Das Bürsten sei für sie wie eine Massage. Mittlerweile hat die Hündin auch verstanden, wie sie mit ihrer grossen Pfote selber Leberpaste aus der Tube drücken kann.

Kiara drückt auf die Tube.
Kiara hat das Prinzip der mit Leberpaste gefüllten Tube schnell verstanden und nutzt das zu ihrem Vorteil.

Baumberger sagt: «Kiara ist ein sehr intelligenter, energiegeladener und lernfähiger Hund.» Trotzdem würde sie sie aber nur für erfahrene Halter empfehlen. «Sie merkt schnell, ob ein Mensch konsequent mit ihr umgeht.» Zudem möge sie keine anderen Hunde, weshalb sie in der Öffentlichkeit einen Maulkorb trage.

Kiara sitzt auf der Wiese.
Kiara wartet noch immer auf Bewerbungen für ihre Adoption.

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