Erziehen ohne Wut
Familienleben
Viele Eltern kennen den Moment, in dem sie innerlich kurz vor dem Explodieren stehen. Gerade im Familienalltag treffen Nähe, Zeitdruck und starke Gefühle immer wieder aufeinander. Wer rechtzeitig innehält, kann Kindern zeigen, dass Wut sein darf, Gewalt aber nicht.
Matteo ist 5 Jahre alt und spielt Ritter. Der Besen ist sein Schwert, die Vasen sind seine Gegner.
Seine Mutter sagt mehrmals «Stopp!», doch Matteo schwingt weiter seine Waffe. Für Scherben hat die Mutter gerade keine Zeit: Bald kommen Matteos Geschwister nach Hause, und das Mittagessen muss bereitstehen; für die Arbeit muss sie noch vor 12 Uhr eine E-Mail verschicken. Dann fällt eine Vase zu Boden und geht in die Brüche. Wütend packt die Mutter Matteo, schreit ihn an und schüttelt ihn.
Für Konflikte gibt es Lösungen
Solche oder ähnliche Szenen sind vielen Familien vertraut. Die meisten Eltern kommen irgendwann an ihre Grenzen, und aus Verunsicherung und Überforderung wird Frust oder Wut. Eine erste Hilfe ist dann, innerlich bis 10 zu zählen, wenn nötig bis hundert, und zwischen den Zahlen tief ein- und auszuatmen.
Wichtig ist auch, Gefühle zuzulassen und klar zu benennen. Ein Satz wie «Ich bin sehr wütend und muss mich beruhigen» schützt das Kind vor negativen Worten oder Taten, die verletzen. Danach kann eine kurze Auszeit helfen: ein Glas Wasser trinken, im Gang durchatmen oder einmal ums Haus gehen.
Reden, wenn sich die Lage beruhigt hat
Kinder brauchen Erwachsene, die zuhören und ihre Gefühle ernst nehmen. Das stärkt ihr Selbstvertrauen. Im Alltag hilft es, Kinder altersgerecht mitreden zu lassen: Wo dürfen sie mitentscheiden, wo setzen die Eltern Grenzen? Gemeinsame Lösungen erleichtern es, Abmachungen einzuhalten.
Ein Streit lässt sich am besten klären, wenn alle wieder ruhig sind. Dann können Eltern und Kind überlegen, was beim nächsten Mal hilft. Kommt es dennoch zu einer heftigen Reaktion, braucht das Kind eine ehrliche Entschuldigung in einfachen Worten. Eltern können erklären, warum sie überreagiert haben, ohne dem Kind ihre Schuldgefühle aufzubürden.
Bei Matteo könnte die Mutter auf Augenhöhe sagen: «Die Vasen müssen heil bleiben. Spiel Ritter im Zimmer, oder wir suchen zusammen ein anderes Spiel.» Geht doch etwas kaputt, kann sie ihre Wut benennen, kurz hinausgehen und später mit Matteo die Scherben aufwischen.
Das Gespräch zum Vorfall folgt, wenn die Gefühle abgekühlt sind. Wiederholen sich solche Eskalationen, ist Unterstützung durch vertraute Menschen oder Fachpersonen wichtig.
Familienleben
Jeden Monat erhalten Eltern hier praktische Impulse für ihren Familienalltag. Die Inhalte entstehen in Zusammenarbeit mit Fachpersonen der kantonalen Kinder- und Jugendhilfezentren (kjz). Die kjz bieten kostenlose Beratungen und Veranstaltungen an und unterstützen Eltern bei Erziehungsfragen, in belastenden Situationen oder bei Konflikten. In der Region finden Sie kjz in Dübendorf, Pfäffikon, Rüti und Uster.
www.zh.ch/kjz

