Gesellschaft

Hühner und Hasen als Gspänli

In dieser Fällander Kita lernen Kinder von Tieren

Isabelle Horber glaubt daran, dass kleine Kinder vom Umgang mit Tieren profitieren können und gründete deshalb den Tierlihof in Fällanden. Sie verrät, was die Hühner und Katzen den Kleinen beibringen und wieso die Kita gerade Spenden sammelt.

In dieser Fällander Kita lernen Kinder von Tieren

Hühner und Hasen als Gspänli

Isabelle Horber glaubt daran, dass kleine Kinder vom Umgang mit Tieren profitieren können, und gründete deshalb den Tierlihof in Fällanden. Sie verrät, was die Hühner und Katzen den Kleinen beibringen und wieso die Kita gerade Spenden sammelt.

«Unsere Katzen spüren, wenn ein Kind traurig ist», sagt Isabelle Horber. «Meistens reicht die Präsenz eines Büsi schon aus, um das Kind wieder zum Lachen zu bringen.» Horber gründete und führt den Tierlihof in Fällanden für Kinder ab sechs Monaten bis zum Kindergartenalter.

In dessen Garten nahe am Waldrand wohnen vier Katzen, zwei Hasen und vier Hühner. Auch ein Hund und zwei Geissen waren Teil vom Team, die Letzteren mussten aber wegen Lärmbeschwerden der Nachbarn weggegeben werden.

Die Kinder holen gemeinsam mit einer Begleiterin Rüebli- und Gurkenreste aus der Küche, um sie den Hühnern und Hasen zu verfüttern. Aufgeregt greifen sie mit ihren kleinen Händen in die Schale, stehen einander auf den Füssen herum und rufen nach Rosalie, Henriette oder Berta. Die geduldigen Hühner sind vom Trubel ziemlich unbeeindruckt und lassen sich von den Kindern aufheben und in den Armen tragen.

Eier und alles, was dazugehört

Horber erklärt, dass die Betreuerinnen nachmittags mit den Kindern die kleinen Eier der Strupphühner holen, um sie dann zum Zvieri zu essen. «So lernen die Kinder, woher ihr Essen kommt. Nämlich nicht aus dem Supermarkt.» Auch dürfen die Kleinen, wenn sie wollen, beim Ausmisten oder Auffüllen der Tränke helfen. «Dadurch wird ihnen klar, was alles zur Pflege von Haustieren gehört.»

Die Knirpse werden ab und zu auch zu übermütig mit den Tieren. Ein kleiner Junge hält einen Stein in der Hand und klopft damit an das Gehege der Hasen, bis ihn Horber mit einem sanften «das macht man nicht» davon abhält. Ein Mädchen verkündet erschrocken, das Huhn habe es pieksen wollen, als es ihm zu nahe gekommen sei.

Zwei Hasen.
Die beiden Hasen sind sich an die Besuche der Kinder gewöhnt und reagieren gelassen.

Auch das ist laut Horber Teil des Alltags. «Die Kinder lernen im Umgang mit den Tieren, wie man mit anderen Lebewesen umgeht.» Sie nennt ein Beispiel: «Eines unserer Mädchen streichelte eine Katze. Als diese davonlief, rannte es ihr nach.» Das habe dem Stubentiger nicht gefallen. «Dass die Kinder ab und zu ‹gchräblet› werden, gehört bei uns dazu.» Das sei auch den Eltern bewusst.

Die Präsenz reicht aus

In der Krippe gelten klare Regeln: Die Kinder dürfen nicht allein in das Gehege der Hasen oder Hühner, nach jedem Besuch müssen sie die Hände waschen, und die Katzen haben Rückzugsorte, die die Kleinen nicht betreten dürfen.

Mehrere Katzenbäume.
Damit die Katzen auch mal ihre Ruhe haben, wurde eine Ecke für sie eingerichtet. Die Kinder dürfen den Bereich nur in Begleitung betreten.

Die Kinder scheinen die Regeln gut zu akzeptieren. «Sie lieben die Tiere», sagt Horber. «Sie streicheln sie, füttern ihnen Leckerli und freuen sich über deren Präsenz.» Zu Hause würden sie nach den Tieren fragen oder noch immer von dem Kita-Hund erzählen, der leider schon vor zwei Jahren habe eingeschläfert werden müssen.

Ein Kind streichelt eine Katze.
Die vier Katzen Joe, Acali, Donut und Safira sind in der Krippe geboren und wohnen jetzt dort. Ihre Präsenz spendet den Kindern Trost.

«Gerade für Kinder, die zu Hause keine Haustiere haben, ist es eine schöne Möglichkeit, mit Tieren aufzuwachsen», erklärt Horber. Einige ihrer Gastkinder hätten sogar die Geburt der vier Katzen miterleben können, die jetzt in der Krippe lebten.

Spenden für einen neuen Spielplatz

Für Horber ist die pädagogische Zusammenarbeit mit Natur und Tier bei der Leitung ihrer Kita wichtig. Die Inspiration für die Gründung stammt ebenfalls aus Fällanden, als die gelernte Fachfrau Betreuung in einer ansässigen Bauernhof-Kita tätig war.

«Das war der schönste Ort, an dem ich je gearbeitet habe», sagt sie. Als die Betreiberin 2020 aufhörte, war es für Horber klar, eine eigene Krippe mit Tieren zu eröffnen. Die meisten der Mitarbeitenden und der Gastkinder sowie fünf Hühner nahm sie mit. Im alten Kindergartenhaus am Dorfrand konnte sie sich einmieten.

Als der befristete Mietvertrag mit der Gemeinde Fällanden 2022 auslief, fand sie eine neue Bleibe. Wegen Komplikationen mit Platznutzungsvorgaben vom Kanton fiel der Plan dann aber ins Wasser.

«Glücklicherweise konnten wir den Vertrag mit der Gemeinde für das alte Kindergartenhaus unbefristet verlängern», sagt Horber. «Aber der Rechtsstreit mit dem Kanton und das gleichzeitige Zahlen der Miete für das alte und das neue Haus hat uns ein grosses Loch in die Kasse gerissen.»

Dazu kommt: Das ehemalige Kindergartenhaus ist alt und renovierungsbedürftig. Den Spielplatz im Garten dürfen sie mittlerweile nicht mehr benutzen, weil er zu alt und unsicher ist. Deshalb hat die Kita ein Crowdfunding gestartet, um Geld für eine neue Anlage zu sammeln. 15'000 von den angestrebten 30'000 Franken konnte Horber bereits durch das Verteilen von Flyern, Werbung in den sozialen Medien oder an einem Stand am lokalen Flohmarkt beschaffen. Aber bis das Spendenziel erreicht ist, spielen die Kinder um die Sicherheitsbänder am Spielplatz herum.

Ein Spielplatz.
Der Spielplatz ist wegen seines Alters nicht mehr sicher und musste abgesperrt werden.

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