Die Geschichte eines alten Hauses in Wila, das einst abgerissen werden sollte
Zweite Chance für Abrissobjekt
Eine Familie verliebt sich in ein altes Haus, das dem Untergang geweiht schien. Was wie ein kitschiger Herzschmerz-Roman tönt, hat sich in Wila tatsächlich so zugetragen. Gibt es ein Happy End?
Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick: Als Lukas Degen das alte Haus unterhalb der Kirche Wila zum ersten Mal richtig wahrnahm, liess es ihn nicht mehr los. «Es sieht aus wie die exakte Kopie meines Elternhauses», erzählt der gelernte Schreiner.
Obwohl er in Wila aufgewachsen ist, fiel Degen das Doppeleinfamilienhaus an der Schalchenstrasse erst vor etwa acht Jahren auf – als die baufällige Scheune, die davorstand, abgerissen wurde. «Zuvor war es so dahinter versteckt, dass es wohl den meisten Wilemern so erging wie mir.»
Kurz darauf vernahm Lukas Degen, dass die Liegenschaft abgerissen werden sollte. «Ich fand das sehr schade für dieses eigentlich schöne Haus, das für mich gar nicht wie ein hoffnungsloser Fall aussah», erinnert er sich. Auch seinen Eltern sprang die verblüffende Ähnlichkeit zu ihrem eigenen Haus, das sie noch immer bewohnen, sofort ins Auge.


Deshalb war er erleichtert, als er im Januar 2022 im «Tössthaler» lesen konnte, dass dieses Gebäude nach der Intervention des Heimatschutzes wohl doch nicht abgerissen werden darf.
Chance erkannt …
Das Schicksal meinte es gut mit der Familie Degen – und dem Haus. «Wenige Wochen später zeigte mir meine Frau ein Inserat, in dem genau dieses Anwesen verkauft werden sollte.» Die damalige Eigentümerin war eine Immobilienfirma. Nachdem das geplante Mehrfamilienhausprojekt mit acht Wohnungen ins Wasser gefallen war, schien für sie das Objekt nicht mehr von Interesse zu sein.
Der Heimatschutz befand das alte Haus nämlich als durchaus schützenswert. «Das Gebäude hat eine bewegte Geschichte, auch wenn vieles im Dunkeln liegt.» Erstmals erwähnt worden sei es 1820, doch deute die Bauweise klar darauf hin, dass es wesentlich älter sei – vermutlich rund 300-jährig.
Schriftliche Dokumente oder Originalpläne fehlen, anders als bei Degens Elternhaus, dessen Geschichte bis ins 18. Jahrhundert gut belegt ist. «Sicher ist: Das Bauwerk war mit grosser Wahrscheinlichkeit nie ein Restaurant, wie lange angenommen wurde.» Neuere Gutachten der Denkmalpflege, die erstmals auch das Innere untersuchten, widerlegten diese These.
… und ergriffen
Lukas Degen hat sich intensiv mit der Geschichte des historischen Baus beschäftigt, denn: «Wir haben die Liegenschaft an der Schalchenstrasse gekauft», so der glückliche neue Besitzer. Das war vor vier Jahren – die Familie Degen übernahm die Liegenschaft zunächst mit bestehendem Mietverhältnis. «Erst nachdem der Mieter ausgezogen war, konnte eine genaue Bestandesaufnahme erfolgen.»
Schnell zeigte sich: Das Haus war stärker in Mitleidenschaft gezogen als erwartet – teils ist es nicht mehr bewohnbar. Wasser war eingedrungen, es gab Schäden an der Bausubstanz, Pflanzen wuchsen bis in die Innenräume. Erste dringliche Sanierungen, etwa an den Dachfenstern, waren unvermeidlich, um weitere Schäden zu verhindern.
Trotzdem war für die Familie von Anfang an klar, dass sie das Gebäude nicht einfach seinem Schicksal überlassen wollte. «Viele sehen hier einfach ein altes Haus», sagt Lukas Degen, «für uns ist es ein gut gebautes, geschichtsträchtiges und gesegnetes Bauwerk.» Damit spielt er auf die Lage direkt unterhalb der Kirche an – für die gläubige Familie etwas Besonderes.

«Der Entscheid für den Kauf war eine Mischung aus Bauchgefühl und Vernunft.» Ausschlaggebend sei nicht nur die emotionale Bindung gewesen, sondern auch die Lage mitten im Dorf, mit überraschend viel Raum drum herum. Ideal für eine Familie mit vier Kindern: «Geplant ist ein Einfamilienhaus mit Option auf eine Einliegerwohnung.»
Nun heisst es: Ärmel hochkrempeln und anpacken
Die Familie will selbst einziehen und das Haus eigenhändig renovieren. Ein Herzensprojekt für Degen, der als ursprünglich gelernter Schreiner auch einige Jahre auf dem Bau gearbeitet und alte Häuser umgebaut hat. Heute ist er als Leiter zentrale Dienste tätig und im Nebenerwerb Fahrlehrer.
Seit 2023 läuft die intensive Vorarbeit: Gerümpel wurde ausgeräumt, der Zustand untersucht, zusammen mit einem Architekten ein Projekt erarbeitet und schliesslich ein Baugesuch eingereicht. Das Ganze dauerte länger als erhofft, doch zeigten sich Gemeinde und Bevölkerung wohlwollend: «Die Leute freuen sich, dass dieses Haus nicht abgerissen wird.»
Für die Familie ist das Projekt mehr als eine Renovation. «Es ist ein Beitrag zum Erhalt gelebter Geschichte – und ein Zeichen dafür, dass nicht jedes alte Haus durch einen Neubau ersetzt werden muss.» Ziel sei es, dem Gebäude wieder Aufmerksamkeit zu schenken und es für kommende Generationen zu erhalten.
