Gesellschaft

Für 16- bis 25-Jährige

In diesem Raum in Dübendorf finden Jugendliche Hilfe – für alles

An der Bahnhofstrasse im Space 16.25 können junge Dübendorfer einkehren, um Unterstützung in allen Lebenslagen zu erhalten. Mit edlen Hemden, Mac-Computer und Snapchat wird ihnen geholfen.

In diesem Raum in Dübendorf finden Jugendliche Hilfe – für alles

An der Bahnhofstrasse im Space 16.25 können junge Dübendorfer einkehren, um Unterstützung in allen Lebenslagen zu erhalten. Mit edlen Hemden, Mac-Computern und Snapchat wird ihnen geholfen.

Nicht alle Jugendlichen haben einen Vater, der ihnen die Krawatte vor dem Bewerbungsgespräch bindet. Oder eine Mutter, die die Bewerbung korrigiert, eine Tante, die bei den Steuern hilft, oder ein ruhiges Wohnzimmer, um lernen zu können.

Deshalb bietet die Stadt Dübendorf einen Raum für genau solche Bedürfnisse an. Er liegt an der Bahnhofstrasse und heisst Space 16.25. «Die Zahl steht für das Alter der Jugendlichen, die willkommen sind», erklärt Cristina Rampin. Die Leiterin der Kinder- und Jugendarbeit hat das Angebot vor sechs Jahren auf die Beine gestellt.

Auf der Website ist zu lesen, bei welchen Anliegen sich die 16- bis 25-Jährigen Hilfe holen können. Die Themen Arbeit, Wohnen, Gesundheit, Konflikt oder Angst sind aufgelistet, «wir unterstützen dich», steht geschrieben. Rampin erklärt: «Wir wollen ein freiwilliges und kostenloses Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene sein, die zu alt für die schulische Sozialarbeit, aber zu jung für das Arbeitsvermittlungszentrum RAV sind.» Damit versuche man, eine Lücke an niederschwelligen Anlaufstellen – vor allem nach der Sekundarschule – zu füllen.

Entstanden ist deshalb ein kleiner Begegnungsort in einem ehemaligen Gewerbelokal, wo Tische mit Computern, Drucker, ein Regal voller Broschüren, eine kleine Küche und ein Besprechungsraum zur Verfügung stehen. In einer Ecke steht ein Kleiderständer mit einigen Hemden und professionellen Reflektoren für Bewerbungsfotos. Jeweils am Mittwoch- und Freitagnachmittag sowie am Dienstag- und Donnerstagabend ist mindestens eine Sozialarbeiterin vor Ort, um den Jugendlichen zur Seite zu stehen.

«Die Hemmschwelle für dieses Angebot soll so tief wie möglich sein», erklärt Rampin. «Für viele Jugendliche sind neue, unbekannte Situationen schwierig.» Deshalb ist keine Anmeldung nötig, und das Space liegt im Stadtzentrum, um die Anreise möglichst kurz zu halten.

Jaqueline Schiffner ist die stellvertretende Leiterin. Laut ihr kennen die meisten Jugendlichen, die sie aufsuchen, sie bereits aus der Kinder- und Jugendarbeit oder wurden von Kollegen an sie verwiesen. «Dadurch, dass sie uns schon kennen, ist weniger Überwindung für einen Besuch nötig.»

Fragen zu allem Möglichen

Die Bedürfnisse der Jugendlichen, die sie besuchten, seien sehr vielfältig. Rampin zählt auf: «Sie brauchen Hilfe bei der Lehrstellensuche, bei Bewerbungen oder bei der Berufswahl. Auch familiäre Probleme oder allgemeine Sorgen zum Weltgeschehen kommen zur Sprache.» Schiffner ergänzt: «Wir helfen ihnen beim Eröffnen von Bankkonten, Beantragen von Prämienverbilligungen, Ausfüllen von Steuerformularen, Prüfen von Verträgen oder Erstellen eines Budgets.» Manche Jugendlichen wollten auch über ihre Sexualität, ihre Freundschaften oder ihre Identität sprechen.

Ein junger Mann sitzt vor dem Computer.
Für die Hilfe sind die Jugendlichen sehr dankbar.

Rampin weiss, dass manchen Jugendlichen der familiäre Rahmen für solche Unterstützung zu Hause fehlt. «Vielleicht haben die Eltern keine Zeit oder verstehen die deutsche Sprache nicht. Somit können sie den Fragen ihrer Kinder nicht gerecht werden.» Einige junge Menschen hätten auch einfach Hemmungen, mit ihren familiären Bezugspersonen über schambehaftete Dinge wie Sexualität zu sprechen.

Um die Jugendlichen zu unterstützen, bieten Rampin und Schiffner sozialpädagogische Beratungen, eine Schreibwerkstatt zur Umsetzung eigener Projekte sowie eine Infothek zur Bereitstellung von Informationen an. Im Kern handelt es sich aber bei allen Angeboten um das Zuhören oder Beantworten von Fragen. «Die Dienstleistungen überschneiden sich meistens», so Rampin. «Oft ist das Besprechen eines Themas der Türöffner für andere Anliegen.»

Das passiere durch den Aufbau von Vertrauen automatisch. Besonders wertvoll: «Die Jugendlichen profitieren voneinander», sagt Rampin. So würden sie sich gegenseitig Ausbildungen empfehlen oder kürzlich Gelerntes weitergeben. Im Gespräch bemerkten viele zudem, dass sie mit ihren Problemen nicht allein seien. «Das hilft gegen den inneren Druck, den sie sich auferlegen.»

Jugendliche helfen Jugendlichen

Bei bestimmten Fragen können die beiden Jugendbeauftragten ihren Schützlingen aber nicht mehr weiterhelfen. Schiffner erklärt, dass sie bei gravierenden, schwierigen Themen wie familiärer Gewalt oder Sucht die Jugendlichen an andere Angebote zu verweisen versuchen. «Wir bieten auch Begleitung für Erstgespräche bei Anlaufstellen an. Das hilft, ihnen die Unsicherheit zu nehmen.» Besonders wichtig dabei sei: «Wir kommunizieren so transparent wie möglich, was die nächsten Schritte sind und wieso. Damit wir ihr Vertrauen nicht verlieren und sie nicht denken, dass wir sie loswerden wollen.»

Für die Hilfe seien die Jugendlichen sehr dankbar. Rampin sagt: «Sie bringen uns grosses Vertrauen entgegen. Viele erzählen ihren Kollegen vom Angebot oder bieten sogar selbst ihre Hilfe an.» Eine junge Frau habe auch schon einen Vortrag über Steuererklärungen für die anderen Jugendlichen gehalten.

Die gegenseitige Unterstützung sei gerade jetzt besonders wichtig. «Die psychische Belastung der Jugendlichen, gerade bei Mädchen, nimmt zu», sagt Rampin. «Die jungen Menschen haben mehr Zukunftsangst als früher und machen sich Sorgen wegen der Umwelt, Kriegen und der allgemeinen Weltsituation.

Die Nachfrage nach ihrem Angebot nehme stetig zu. Aktuell betreuten sie pro Tag zwei bis vier Jugendliche, aber dank ihrer steigenden Bekanntheit würden es immer mehr. Deshalb wollen Rampin und Schiffner das Angebot ausbauen. Neben den regulären Öffnungszeiten und der digitalen Beratung über Whatsapp wollen sie auch eine selbständige Nutzung des Raums mit einem Schlüsseltresor ermöglichen, um den Bedürfnissen der jungen Menschen gerechter zu werden.

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