Gesellschaft

Zug um Zug

In diesem Ustermer Hotel ist das königliche Spiel zu Gast

Viele Erwachsene spielen gern online Schach - doch noch lieber von Angesicht zu Angesicht.

In diesem Ustermer Hotel ist das königliche Spiel zu Gast

Zug um Zug

Abends in lockerer Runde sein Schachspiel verbessern – das bietet der Schachverein Schachpunsch neu an, der bisher vor allem Kindern das Schachspielen nähergebracht hat.

Hier im Hotel Illuster haben an diesem Abend spezielle Gäste eingecheckt. An vier Tischen im Hotel-Restaurant wird nicht gegessen, sondern gespielt; das königliche Spiel Schach. Seit Februar gibt es beim Ustermer Verein Schachpunsch ein neues Angebot; das Schach-Café, das sich an Erwachsene richtet.

Jeden zweiten Mittwoch wird hier von 19.30 bis 21.30 Uhr gespielt. «Die Zahl der Teilnehmer und Interessierten wächst seitdem langsam, aber stetig», berichtet Arthur Janssen. Der 49-Jährige unterrichtet an dem Abend Schach. Bis im vergangenen Jahr war er Präsident des Vereins, jetzt ist er weiter im Vorstand aktiv.

Schon seit 2013 existiert Schachpunsch. Hervorgegangen ist der Schachplausch als Projekt des Elternrats vom Ustermer Primarschulhaus Pünt. Dabei werden Kinder etwa ab 5 bis 16 Jahren jeden zweiten Samstag im Schachspiel unterrichtet. Gespielt wird in der Kantonsschule Uster. «Seit Oktober 2023 sind wir nun als Verein Schachpunsch Uster organisiert und sind beim Schweizerischen Schachbund Mitglied», erzählt Janssen.

Mann mit BRett
Ist als Schachlehrer und Vorstandsmitglied vom Verein Schachpunsch dabei: Arthur Janssen.

Einer der Schachlehrer ist seit Beginn Arthur Janssen. «Ich habe früher in den Niederlanden als Kind schon intensiv Schach gespielt und war auch in einem nationalen Kader dabei.» Am heutigen Abend sind auch seine Frau Katharina und sein Sohn Frank dabei, um Schach zu spielen.

Leute
Gespielt wird im Hotel Illuster.

«Bisher war es so, dass es für die Jugendlichen hier in unserem Verein nach dem Schachpunsch kein Angebot für Erwachsene gab. Doch das Bedürfnis danach war gross, so haben wir nun eben das Schach-Café gegründet.» Beim Besuch vor Ort wird an fünf Tischen gespielt.

«Mit dem Schach-Café nehmen wir die Tradition auf, dass früher oft in Lokalen Schach gespielt wurde. In einer lockeren Atmosphäre», wie Janssen sagt. Auch hier wird zum Spiel ein Tee geschlürft und ein Bier getrunken – aber nur alkoholfreies, denn für das Schachspiel braucht es einen klaren Kopf.

Wer kann ins Schach-Café kommen? «Man sollte Grundkenntnisse haben und beispielsweise wissen, wie die einzelnen Schachfiguren sich über das Brett bewegen dürfen.» Mehr braucht es nicht, denn auch Anfänger lernen hier im Schach-Café auf anschauliche Weise noch so manche Tricks und Kniffs kennen. «Wir vermitteln hier unter anderem Taktik und Kombinationen», verrät Janssen.

BRett
Beim Schach-Café erfährt man so einige Kniffs und Tricks.

Während der Corona-Pandemie habe Schach einen grossen Schub erlebt, weiss Arthur Janssen. «Viele haben begonnen, online zu spielen – gegen Spielerinnen und Spieler auf der ganzen Welt. Doch es fehlte das Erlebnis, sich persönlich am Brett gegenüberzusitzen.»

Zwei
Mitten in der Partie: Amar Djekhrif (links) und Bernhard Krauss.

Genau das schätzen viele der Teilnehmer hier. Er habe gern das Brettspiel Dame nach russischer Art, das auch auf einem Schachbrett gespielt wird. Das sei in der Schweiz aber weniger bekannt – so sei er nun auf Schach umgestiegen, erzählt Amar Djekhrif (39). «Ich spiele auch ab und zu auf dem Computer Schach. Aber das ist kein Vergleich. Hier bin ich mit vielen Leuten in Kontakt», berichtet Bernhard Krauss (65).

Bretter
Viele der Erwachsenen haben vorher online Schach gespielt. Auf der rechten Seite spielen gerade Lotte Untersander (weisse Figuren) und Katharina Janssen gegeneinander.

Auch Lotte Untersander (77) sitzt heute über ein Schachbrett gebeugt. «Als Kind habe ich mal ab und zu ein paar Schachfiguren übers Brett bewegt. Nun habe ich das neue Angebot hier in Uster gesehen und mich entschlossen, Schach nochmals richtig zu lernen.» Ihr sitzt Katharina Janssen gegenüber. «Ich komme aus der ehemaligen Sowjetrepublik Kasachstan. In der Sowjetunion war Schach sehr populär, auch haben wir in der Familie Schach gespielt.»

Typ
Spielt gerne Schach: Frank Janssen.

Auch Frank Janssen ist heute Abend mit dabei. Der 16-Jährige spielte schon als Kind Schach. «Ab und zu spiele ich auch mit gleichaltrigen Freunden. Dabei kann das Niveau aber stark variieren», sagt er mit einem Lächeln.

Zwei
Spielen als Ehepaar gegeneinander: Samartha und Peter Stybalkowski.

Als Ehepaar sitzen sich heute am Schachbrett Samartha (Ü40) und Peter Stybalkowski gegenüber. «Ich habe früher in der Schule schon Schach gespielt», berichtet der 52-Jährige. Seine Frau erklärt: «Hier lernt man sehr viele Kombinationen, das macht Spass.»

So geht es bei einem Beispiel gerade um den Läufer, der den König mit «matt» bedrohen soll. Wobei dieser reagieren muss. Die Figur, welche die Dame deckt, kommt nach vorne und schlägt sie. Irgendwie so ging der geniale Zug. Besser, Sie kommen mal beim Schach-Café vorbei, um sich das alles von Arthur Janssen erklären zu lassen – in gelassener und entspannter Atmosphäre unter Schachfreunden.

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