Das Hörspiel «Füürio!» lässt die Flammen in Grüningen erneut wüten
Neuveröffentlichung Hörbuch
Wie weit würdest du gehen, wenn alles auf dem Spiel steht? Dieser Frage muss sich der Protagonist des Mundart-Thrillers «Füürio!» stellen, der vom 300 Jahre alten Grüninger «Stedtlibrand» handelt.
Der Grüninger Nachtwächter Konrad Wiederkehr befindet sich in einer grossen Zwickmühle: Bis Sonnenaufgang hat er Zeit, seine Unschuld im Fall eines Diebstahls zu beweisen, ansonsten landet er vor dem Landgericht.
In letzter Not bekommt er ein verlockendes Angebot, im Gegenzug muss er jedoch Brandstiftung begehen. Noch in derselben Nacht steht ein Drittel des «Stedtli» in Grüningen in Flammen.
Der Brand von 1685 war in der frühen Neuzeit eines der prägendsten Ereignisse im Oberland. Die historische Brandnacht in Grüningen wird nun nach mehr als 300 Jahren mit einem Hörspiel akustisch rekonstruiert.
Einmalige Aufarbeitung des «Stedtlibrands»
Der 50-minütige Mundart-Thriller «Füürio!» erscheint am 14. Juni und basiert auf historischen Quellen – verbunden wird Geschichte mit modernem Storytelling. Minnesang, Pferdehufe und ein Brutzeln, das die Haare zu Berge stehen lässt: Die Hörerinnen und Hörer sollen sich in die Rolle des Nachtwächters versetzen und das Grüningen von damals aus seiner Perspektive erleben.
«Beim Durchstöbern nach historischen Quellen haben wir Glück gehabt», meint Simon Storz, Teil des Produzententeams. Aufgrund des hohen Stellenwerts von Grüningen im 17. Jahrhundert wurde zum tragischen Vorfall viel dokumentiert. «Die Schwierigkeit war eher, was man weglässt», fügt er hinzu. Das Hörspiel beinhaltet historisch belegte Persönlichkeiten und Fakten. Da das Ziel nicht eine reine Chronik war, enthält die Geschichte auch fiktive Elemente.

«Der ‹Stedtlibrand› war eine faszinierende Vorlage, und ich begann daraus eine Geschichte zu entwickeln», schreibt Produzent Nicola Perot in einer Mitteilung. Mit dem Hörbuch sollte eine spannende Krimi-Geschichte in das Setting von Grüningen und des Brands gebettet werden. Mit «Füürio!» wurde eine einmalige Aufarbeitung des «Stedtlibrands» in Grüningen geschaffen.
Die Schaffer von «Füürio!»
Das Hörspiel erschuf ein Grüninger Trio: Matthias Flöscher, Simon Storz und Nicola Perot. Letzterer, als professioneller Schauspieler tätig, wurde für seine Arbeiten unter anderem mit dem Schweizer Fernsehfilmpreis ausgezeichnet. Er war massgebend an der Ausarbeitung des Drehbuchs beteiligt und spricht die Stimme des Nachtwächters Koni Wiederkehr.
Für die historische Recherche war Flöscher zuständig. Neben seinem Beruf als Jurist führt er seit Jahren als Nachtwächter in einer mittelalterlichen Theatergruppe durch das «Grüninger Stedtli». Seine Erfahrung half dem Trio unter anderem das Verhalten, den Stand in der Gesellschaft und die Lebensweise eines damaligen Nachtwächters zu rekonstruieren. Durch sein Wirken verfügte er bereits über ein breites Wissen zur Geschichte Grüningens und wichtige Kontakte für die weitere Recherche.
Verantwortlich für die Audioproduktion und Leitung der Aufnahmen war Storz. Er war bei Radio 1 und SRF im Bereich Nachrichten- und Wissenschaftsjournalismus tätig.
Studiomiete, Sprecherinnen und Sprecher, Softwares und Werbung – das alles kostet. Obschon die drei durch das breite Fachwissen durchaus Kosten einsparen konnten, waren sie froh, dass die Verwirklichung des Projekts von der Gemeinde Grüningen unterstützt wurde.
Sie hat «Füürio!» finanziell unterstützt: «Ich finds mega lässig, dass es die Jungen einerseits interessiert und sie andererseits das Hörspiel initiiert haben. Deshalb haben wir das auch unterstützt», sagt Carlo Wiedmer (SVP), Gemeindepräsident von Grüningen.
Vom Restaurant ins Tonstudio
Die Zusammensetzung des Produzententeams von «Füürio!» ist kein reiner Zufall. Flöscher, Storz und Perot sind bereits seit der Primarschule befreundet.
In den Ferien in Bilbao vor ungefähr zwei Jahren kamen die drei Grüninger dann in einem Restaurant auf die springende Idee fürs Hörbuch. «Beim langen Warten aufs Essen haben wir unsere Stimmen verstellt und herumgealbert», erzählt Matthias Flöscher.
Auf eine Serviette haben sie daraufhin einige Stichpunkte notiert. Zurück im Hotel, kam es dann zu einem ersten Entwurf der Grundgeschichte. Schnell wurde klar: Das Hörspiel soll wirklich entstehen.

Von der ersten Archivrecherche bis zur finalen Audioproduktion wurde das Hörbuch komplett in Eigenregie geschaffen. Die Ausarbeitung des Drehbuchs und die Vorbereitungen für die Sprecherinnen und Sprecher kostete sie knapp ein Jahr. Etwa drei Monate dauerten Schnitt und Fertigstellung von rund 16 Stunden vertontem Rohmaterial an.
Als waschechte Grüninger hat das Produzententrio in der Vergangenheit schon viel von der Gesichte des «Stedtlibrands» mitbekommen. «Die Leidenschaft zu Grüningen und dessen Geschichte verdanken wir unserem damals gemeinsamen Primarlehrer», fügt Flöscher hinzu. Dieser hat das Drehbuch übrigens vor der Umsetzung gegengelesen – und vor allem zur Aufarbeitung der Geschichte kommentiert. «Wir wollten unserem Heimatort etwas zurückgeben», erklärt Simon Storz.
Neben der Freude daran, war die Schaffung eines Hörspiels unter langjährigen Freunden auch mit dem Eintauchen in eine neue Welt verbunden. «Wir haben viel Fachwissen ausgetauscht und voneinander gelernt», so Sturz.
Mit «Füürio!» haben die drei Grüninger nun einen Startschuss gesetzt. «Wir sind sehr offen, weitere Hörbücher zu schaffen», verkündet Storz. Wenn eine Gemeinde mit einer tollen Geschichte anklopfe, seien sie jederzeit bereit, diese zu vertonen. Es müsse sich aber nicht zwingend um eine historische Geschichte handeln – solange sie spannend sei.
Hier kann man «Füürio!» erleben
Am Sonntag, 14. Juni, um 16 Uhr findet die Premiere im Schloss Grüningen statt. Die Tickets sind jedoch schon vergriffen. Wer sich die Geschichte dennoch anhören möchte, kann diese ab dem 14. Juni auf diversen Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Music und Co. kostenfrei mit Werbung oder einem entsprechenden Abo streamen. (daz)
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