Die Trainbuffs machen Dampf
Modelleisenbahn in Rikon
Am Tag der offenen Tür präsentieren die Trainbuffs in Rikon ihre Modelleisenbahn, die in der Epoche der 1940er und 1950er Jahre gestaltet ist. In den Schienen und Gipsfelsen der Anlage steckt viel Herzblut.
Ein Lämpchen blinkt, der Zug pfeift, die kleinen Räder rattern über die von Hand zusammengenagelten Schienen. Das Gespann aus Lok und Güterwagen fährt auf einer Holzbrücke über den Canyon. Neben dem Bahndamm ist im Sägewerk alles bereit für einen weiteren Arbeitstag.
Keine Frage, das kleine Miniatur-Wunderland in Rikon im Tösstal, sozusagen eine Art Wilder Westen im Miniformat, steht seinem amerikanischen Original in nichts nach.
Seit 20 Jahren bohren, hämmern und feilen die On3-Trainbuffs an ihrer Anlage, die 38 Meter lang und 15 Meter breit ist. In dieser Zeit haben sie eine umfangreiche Landschaft entlang einem 450 Meter umfassenden Schienennetz mit über 100 Weichen gebaut.

Der Name stammt von der Spurbreite der Modelleisenbahn, On3. Dies entspricht der in Nordamerika weit verbreiteten Eisenbahn-Schmalspur von drei Fuss im Massstab 1:48. Die Anlage ist eine der grössten ihrer Art in Europa.
Die kleinen Eisenbahnschwellen der Schienen bestehen dabei aus kanadischem Holz und wurden von Hand zugeschnitten und angeklebt. Am Tag der offenen Tür vom 6. und 7. Juni wird das Lebenswerk der Eisenbahnenthusiasten der Bevölkerung zugänglich gemacht.
Das Tösstaler Colorado
James Stapfer ist seit der Gründung im Jahr 2005 Teil des Teams. Losgelassen hat ihn das Eisenbahnfieber seither nicht mehr. Mit einem Steuerungsgerät steht er inmitten der Anlage und lenkt eine schwarze Lokomotive mit Güterwagen durch das Gleislabyrinth.
Bei den Trainbuffs läuft alle Kommunikation mit den Zügen über Funk. Auf der Fernbedienung kann Stapfer zwölf Funktionen wählen, wie zum Beispiel die Hupe oder das Licht. Schon kurz nachdem er eine Taste gedrückt hat, setzt sich die Dampflok in Bewegung. Zischend und hupend rattert sie durch eine Schlucht, die dem Black Canyon im US-Bundesstaat Colorado nachempfunden ist.
Im Modell wie auch im Original erheben sich massive Felsen beiderseits der eindrücklichen Schlucht. Der Unterschied: Die Felsen der Trainbuffs bestehen aus Gips. «Wir benutzen da Vorlagen aus Gummi, teils aus Amerika, teils selbst gemachte, die wir dann mit Gips befüllen», erläutert Stapfer den Prozess.




«Das Geheimnis ist, dass trotz der gleichen Vorlage dennoch verschiedene Formen entstehen. Deshalb modellieren wir die Felsblöcke anschliessend nochmals von Hand.» So erhalte jeder Abschnitt der Route seinen eigenen, unverwechselbaren Charakter.
«Das ist der Reiz an der Modelleisenbahn», schwärmt der Rentner. «Hämmern, bohren, kleben. Es gibt unglaublich viele Facetten, man kann alles selber gestalten.» Die Trainbuffs begeistern sich für die Eisenbahn des amerikanischen Westens der 1940er und 1950er Jahre.
«Für mich verkörpert diese Epoche das Idealbild der guten alten Zeit», erklärt Stapfer, der selbst in dieser Zeit geboren ist. Für ihn schwingen deshalb auch Kindheitserinnerungen mit.
Von der leeren Holzplatte zum Miniatur-Wunderland
Dass die Trainbuffs ihr Herz in ein amerikanisches Projekt stecken wollten, war dabei von Anfang an klar. Hingegen eher zufällig ergab sich die Standortwahl in einer alten Fabrikhalle von Kuhn Rikon.
«Ursprünglich planten wir eine modulare Anlage für Ausstellungen», so Stapfer. Über persönliche Kontakte seien sie auf die ehemalige Fabrikhalle der Pfannenfabrik gestossen. Statt einen kleinen Bereich mieteten sie schliesslich die gesamte verfügbare Fläche und entschieden sich für ein grösseres Projekt.
Begonnen hat die Reise des Werkelns der Eisenbahnliebhaber mit dem Erstellen des sogenannten Schattenbahnhofs, einer unterirdischen Rangieranlage unterhalb der Landschaftsoberfläche. Allein in die Holzkonstruktion investierte der Verein rund 10'000 Franken. Darauf folgten die Gleise, dann die Landschaftsbilder entlang der Strecke.



Überalterung und immer weniger Mitglieder
Jeden Freitag verbrachten die fünf Mitglieder dafür knapp sechs Stunden mit Tüfteln an ihrer Modelleisenbahn. Gerade weil die Mitgliederzahlen in den letzten Jahren stark zurückgegangen sind, ist die Vereinskasse unter Druck. Monatliche Mitgliederbeiträge helfen, das teure Hobby zu finanzieren.
Die grössere Herausforderung für die Modelleisenbahner ist jedoch die Zukunft. «Ausser jemandem sind bei uns inzwischen alle pensioniert», sagt Stapfer. Die Frage nach einem Nachfolger stand deshalb bereits im Raum. «Das Problem ist, dass der Bereich Modelleisenbahn als solcher bereits abnehmende Beliebtheit erfährt.» Die Nachfolgerfrage bleibt deshalb für die Trainbuffs vorerst ungeklärt.
Schreckmoment beim Sägewerk
Das ratternde Duett aus Lok und Wagen verlässt die wilde Schlucht und fährt auf ein Sägewerk zu. Da fällt just ein Güterwagen aus den Gleisen. Schnell stoppt Stapfer den Zug und hebt den kleinen Wagen wieder in die Schienen hinein.
Im Gegensatz zu anderen Modellen nutzen die Trainbuffs nur Wagen im sogenannten Finescale ohne übergrosse Räder. Die kleinen Räder sind zwar realitätskonformer, fallen aber leichter aus den Kurven, besonders wenn sich diese verformen. «Im Sommer ist der Betrieb tatsächlich schwieriger, weil sich wegen der Hitze die Schienen ausdehnen», erklärt er.
In den letzten 20 Jahren hat sich in der Welt der Modelleisenbahn vieles verändert. «Heute gibt es durch den 3D-Drucker viel mehr Möglichkeiten», schildert Stapfer. Auch das Baumaterial habe einen Wandel durchlaufen. «Hier ist an einigen Stellen die Technik nicht mehr auf dem neusten Stand», gibt er zu. Das nächste Projekt für die Trainbuffs steht deshalb bereits fest: die Modernisierung der Anlage.
Tag der offenen Tür
Wer die Anlage der On3-Trainbuffs selbst bestaunen möchte, ist am 6. und 7. Juni zum Tag der offenen Tür eingeladen. Die Tore an der Neschwilerstrasse 19 in Rikon stehen dabei am Samstag von 11 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr für alle Interessierten offen. Der Eintritt ist gratis. Alle Informationen zur Anlage und zum Tag der offenen Tür finden Sie unter on3trainbuffs.com. (rem)
