Dübendorf hat nun eine eigene KI – und er hat sie gemacht
Tausende Dokumente auf Knopfdruck
Sie kann tief in der Vergangenheit Dübendorfs recherchieren, Reden für Politiker schreiben – und gibt Auskunft über die finanziellen Verhältnisse früherer Einwohner: die Dübi-KI. Die Anwendung mit Daten zu füttern, hat Monate gebraucht.
Befragt man die weltweit am meisten genutzte künstliche Intelligenz (KI) ChatGPT zum Gfenner Original «de Chli Heiri Ruedi», bekommt man bloss inhaltsleeres Gestammel. Macht man dasselbe hingegen mit der Dübi-KI, läuft die Anwendung zur Höchstform auf: Sie liefert biografische Daten, Anekdoten und ordnet das Ganze auch noch in den historischen Kontext ein.
Während die grossen KIs mit ihrem globalen Wissen auftrumpfen, kennt sich die Dübi-KI bestens in der Vergangenheit Dübendorfs aus. Sie recherchiert auf der Basis von 171 Quellen, vom Statutenbuch des Lazariterordens aus dem frühen 14. Jahrhundert bis zur Chronik der Holzkorporation Dübendorf mit dem Stand vom Januar 2026.
Unzählige Schriften und Dokumente
Entwickelt hat die Dübi-KI Urs Müller, 70 Jahre alt, Mitarbeiter der Ortsgeschichtlichen Dokumentationsstelle, Mitglied im Dübendorfer Verschönerungsverein. Müller beschäftigte sich beruflich bereits mit Computern, als man Befehle noch mit Lochkarten eingeben musste, bildete bei IBM Programmierer aus, war Datenanalyst für Banken.
Und nun eben die Dübi-KI. «Wobei», winkt er ab, «so furchtbar kompliziert ist das nun auch wieder nicht.» Und die Idee habe auch nicht er gehabt, sondern die Dübendorfer Primarschulpräsidentin Susanne Hänni (GLP). Diese habe die von der Zentralbibliothek digitalisierten Dübendorfer Heimatbücher in einem Vorgängermodell für Recherchen genutzt und ihn eines Tages gefragt, ob man das Ganze nicht mit dem riesigen Fundus der Ortsgeschichtlichen Dokumentationsstelle ergänzen könne.
Müller konnte. Und machte sich zusammen mit einem Kollegen daran, unzählige Dokumente, Schriften und Buchseiten einzuscannen und in die KI-Anwendung hochzuladen. Eine Arbeit, die Wochen, ja Monate in Anspruch nahm.


Dass die Dübi-KI offiziell lediglich auf die genannten 171 Quellen zugreifen kann, hat einen pragmatischen Grund: Um Lizenzgebühren zu sparen, fasste Müller teilweise Hunderte Seiten in einem Dokument, sprich: einer Quelle, zusammen. Ebenso die 200 Seiten eines Heimatbuchs. Oder die gesamte Chronik eines Vereins. Bei der Fülle von Dokumenten wäre die Lizenz ansonsten sehr teuer. So aber kostet ihn die Sache nur ein paar Franken pro Monat.
Verwechslung, aber kein Blödsinn
Die Dübi-KI läuft auf NotebookLM, einem KI-gestützten Notiz- und Recherchetool von Google. Im Gegensatz zu den Platzhirschen ChatGPT oder Gemini, die auf umfangreichen Trainingsdaten basieren und Antworten aus Sprachmustern generieren, arbeitet NotebookLM mit den vom Nutzer hochgeladenen Dokumenten und deren Inhalt.
Das hat den Vorteil, dass die Dübi-KI nicht halluziniert, also keinen Blödsinn erzählt. Es könne in seltenen Fällen vorkommen, dass die KI Daten falsch interpretiere oder verwechsle, etwa wenn unterschiedliche Protagonisten den gleichen Namen hätten, räumt Müller ein. «Aber insgesamt bin ich sehr zufrieden mit den Antworten.»

Die Dübi-KI erleichtert die Arbeit der Hobbyhistoriker in der Ortsgeschichtlichen Dokumentationsstelle in der Bettli-Kaserne ungemein. Die Mitarbeiter müssen sich nicht mehr immer durch das riesige Archiv kämpfen, Aktenschränke durchstöbern, Kisten durchsuchen, Chroniken sichten. Nun reicht eine kurze Abfrage.
Wobei es Einschränkungen gibt. Sensible Personendaten oder Dokumente und Bücher mit Copyright wurden nicht digitalisiert, sondern müssen immer noch vor Ort herausgesucht werden. Für vertiefte Recherchen kommt man also nicht um Handarbeit herum.
Bis zu 80 Abfragen am Tag
Für den «normalen» Nutzer reicht das vorhandene Datenmaterial aber allemal. Der Link zur Dübi-KI ist auf der Website des Verschönerungsvereins zu finden, für den Gratiszugang nutzt man das persönliche Google-Konto. Ende April wurde das Projekt an der Dübi-Mäss erstmals öffentlich vorgestellt, mittlerweile kommen laut Müller an Spitzentagen 60 bis 80 Abfragen zusammen. «Die Leute haben den Plausch daran, das höre ich immer wieder.»
Die Anwendung bündelt nicht nur Dübendorfer Wissen aus mehreren Jahrhunderten, sie liefert auf Wunsch auch eine statistische Aufbereitung von Daten zu Bevölkerungsentwicklung oder Finanzen. Man kann sich ganze Reden mit historischem Bezug schreiben lassen, alte Telefonbücher einsehen oder im öffentlichen Steuerregister seine Neugier stillen.
Praktisch – und dabei elementar für den Faktencheck: Über die Quellenangabe in der Antwort öffnet sich in einem separaten Fenster das entsprechende Dokument.
Wer Unterhaltung sucht oder Informationen lieber hört als liest, der kann sich durch die Podcasts klicken. Rund ein Dutzend gibt es bereits davon – in guter Qualität und vollautomatisch generiert. Eine Folge handelt vom Gfenner Original Heiri Ruedi.
Der Test: Was kann die Dübi-KI?

Aufgabe: Ein volksnaher Dübendorfer Politiker tritt nach 25 Jahren zurück. Schreibe für ihn eine launige Rede, in der er auf seine Amtszeit zurückblickt.
Liebe Dübendorferinnen, liebe Dübendorfer,
25 Jahre – eine halbe Ewigkeit! Als ich 2001 antrat, waren wir knapp 22'000 Seelen. Heute sind wir über 32'000 und marschieren stramm auf die 40'000 zu. Wir sind nicht nur mehr geworden, wir sind auch höher hinaus: Schaut euch das Hochbord an – vom Gemüseacker zum Mini-Dubai mit dem Jabee Tower und den Three-Point-Türmen. Damals war die Glattalbahn nur eine kühne Idee auf Papier. Heute verbindet sie uns mit der Welt, genau wie das Zwicky-Areal, wo aus alter Industrie urbanes Leben wurde.
Auf dem Flugplatz ist es ruhiger geworden, seit die Kampfjets 2005 abzogen. Aber statt Stacheldraht haben wir jetzt den Innovationspark und den Flugweg für uns alle. Klar, das Lädeli-Sterben schmerzt, aber unsere Obere Mühle bleibt der kulturelle Anker. Wir haben die Verwaltung modernisiert und 50 Jahre Parlament gefeiert. Ich gehe mit Stolz: Dübi ist heute eine Stadt mit Profil!

Aufgabe: Erzähle mir einen Witz mit Dübendorfer Bezug.
Im Dübendorfer Weiler Gockhausen nimmt man das Prinzip von Geben und Nehmen sehr genau. Als ein hungriger Arzt dort bei einem Patienten zum Essen blieb, war er vom Fleischgericht völlig begeistert: «Wunderbar! Was ist das für ein Hochgenuss?» Der Patient meinte nur trocken: «Eichhörnliragout!» Als der Arzt bleich wurde, erklärte der Gockhauser seelenruhig: «Reine Notwehr! Die Biester haben mir über Nacht den ganzen Kirschbaum leer gefressen. Jetzt herrscht wieder Gerechtigkeit: Erst hatten sie mein Dessert, jetzt hab ich sie als Hauptspeise!»
(Anekdote aus dem Bildband «Gockhausen – Geschichte, Bilder, Geschichten» aus dem Jahr 2015.)
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Aufgabe: Wieso ist das Leepünt-Areal noch nicht überbaut?
Das Leepünt-Areal blieb wegen zahlreicher gescheiterter Pläne und politischer Uneinigkeiten über Jahrzehnte unbebaut. Bereits 1984 scheiterte ein Stadthausprojekt am Architekturstil. 1994 bewilligte das Volk zwar einen Neubau, lehnte jedoch 1997 einen Stadtsaal ab. Auch die Initiative «Stadtkern = Leepünt» von 2015 wurde verworfen. Laut Quellen fand über 20 Jahre lang kein Projekt eine Mehrheit im Gemeinderat. Nach Workshops und einem partizipativen Prozess präsentierte der Stadtrat 2023 eine neue Skizze. Diese sieht nun eine Überbauung mit Wohnungen, Gewerbe- und Versammlungsräumen sowie einem naturnahen Park vor.

Aufgabe: Erzähle mir die Geschichte von Tempo 30 in Dübendorf in Reimform.
Zweitausendvier wollt’ man’s zum ersten Mal wagen,
Doch das Volk tat zu Tempo 30 «Nein» sagen.
Auch dreizehn lehnt’ der Rat einen Vorstoss ab,
Für Beruhigung im Städtli war’s damals zu knapp.
In Gfenn wird für Sicherheit stetig gerungen,
Dort sind Petitionen für dreissig erklungen.
Heute darf das Volk über Limits entscheiden,
Um Lärm in den Quartieren zu vermeiden.
