Vom Theater ins Buch: Lubomir kehrt zurück
Werk der Tösstaler Marionetten
Ein neu aufgelegtes Kinderbuch erinnert an das wichtigste Werk des Puppenspielers Werner Bühlmann und seine Tösstaler Marionetten.
1975 erhielt der Oberländer Werner Bühlmann eine einmalige Chance. Er durfte mit einem Stipendium für einen Studienaufenthalt an das renommierte Puppentheater in Bukarest. Dort hatte er die Inspiration für eine ganz besondere Figur: den Hirtenjungen Lubomir.
Der 2023 verstorbene Theatermacher baute die Figur, erfand eine Rahmenhandlung und führte sie ein Jahr später erstmals im Marionettentheater auf. «Lubomir, das war Werners ‹Stradivari›, seine wertvollste und feinste Figur», sagt seine langjährige Lebenspartnerin Ursula Egli. Nicht nur die Marionette, sondern auch die Geschichte bedeutete ihm sehr viel. Und sie verhalf ihm zum Durchbruch.
1985 gründete Bühlmann die Tösstaler Marionetten und wagte mit dem Theater den Sprung in die Selbständigkeit. Sein Atelier richtete er in Rikon ein – im Dachstock eines Gebäudes von Kuhn Rikon. Der ausgebildete Lehrer legte damit den Grundstein für seinen Werdegang als professioneller Puppenspieler.

Unzählige Male spielte er die Geschichte von Lubomir, vom Hirtenbuben, der von einer verzauberten Blume träumt. Mithilfe der Fee, des weissen Vogels und des gewitzten Zwergs Zipfel macht er sich auf die abenteuerliche Suche nach ihr. Das Stück kam beim Publikum gut an.
So wurde sogar das Schweizer Fernsehen auf Bühlmanns Produktion aufmerksam. Es startete ein Pilotprojekt für einen Puppenfilm. 1989 hatte Lubomir in zehn Folgen des «Guetnachtgschichtli» in allen vier Landessprachen seinen Auftritt in der ganzen Schweiz.
«Lubomir war sehr bekannt», erinnert sich Egli. «Und ich bin mir sicher, viele Kinder von damals wissen heute noch, wer Lubomir ist.»
Ein handliches Kinderbuch
Mitte der 1990er Jahre gab Bühlmann ein Bilderbuch mit der Lubomir-Geschichte heraus. «Für die Illustrationen gewann er Suzanne Dubach, seine ehemalige Banknachbarin im Gymi in Wetzikon», erzählt Egli.
Das Bilderbuch bedeutete Bühlmann fast so viel wie seine Lubomir-Marionette. Er verkaufte es jeweils nach seinen Vorstellungen.
Deshalb nahm es ihn sehr mit, dass die beauftragte Druckerei vor gut zehn Jahren die ganzen Restbestände einstampfte. «Es war sein Wunsch, dass es eine Neuauflage gibt», sagt Egli.
Werner Bühlmann konnte dieses Projekt vor seinem Tod 2023 aber nicht mehr umsetzen. Seine Lebenspartnerin kümmerte sich deshalb zusammen mit Bekannten um die neue Auflage, die kürzlich erschienen ist. Das Buch hat sie für die neue Fassung überarbeitet. «Die Texte waren für die heutige Zeit etwas zu lang», sagt sie. Zudem gibt es nun zu jedem Bild eine Textseite. Um dies zu ermöglichen, hat Suzanne Dubach nochmals neue Bilder gestaltet.
Etwas war Egli dabei ebenfalls sehr wichtig: das Format. «Ich wollte, dass Kinder das Buch problemlos unter ihren Arm klemmen können und es in den Taschen von Eltern und Grosseltern gut Platz hat.» Sie wisse, wovon sie rede. Schliesslich habe sie das Lubomir-Buch ihren Enkelkindern unzählige Male vorgelesen.
Die «Stradivari» bleibt im Koffer
Werner Bühlmanns Lieblingsfigur lebt aber nicht nur in Buchform weiter. Denn auch die Tösstaler Marionetten gibt es weiterhin. 2020 hat der Gründer das Theater an Seraphin Schlager weitergegeben. «Werner hat mich unter strenger und liebevoller Hand in die Aufgabe eingeführt», sagt Schlager. Er tritt mit den Marionetten gelegentlich noch öffentlich auf, fokussiert sich aber vor allem auf Engagements an Schulen.
Dort spielt er auch immer wieder die Geschichte von Lubomir. Die «Stradivari», also Bühlmanns Marionette, bleibt dafür aber im Koffer. «Ich habe mir unter Anleitung von Werner eine Kopie angefertigt», sagt Schlager.
Die Geschichte komme bei den Kindern immer noch gut an. Wenn Lubomir sich auf die Suche nach der Zauberblume begibt, sind die kleinen Zuschauerinnen und Zuschauer nicht nur zum Stillsitzen da. Sie dürfen auch spontan kleinere Rollen übernehmen. «Für viele ist es das erste Mal im Theater», sagt Schlager. Oftmals mit grossen Augen.
Ursula Egli ist überzeugt, dass Bühlmanns Werk eine wichtige Botschaft hat: «Lubomir zeigt Mut und macht weiter, auch wenn es schwierig ist.» Deshalb müsse sie unbedingt weitergetragen werden – im Marionettentheater und im Buch.
Buchbestellung
Wer sich an Lubomir erinnert und gerne ein Buch der Neuauflage erwerben will, kann sich bei Ursula Egli via E-Mail ursula.egli@gmail.com melden. Ein Buch kostet 20 Franken plus Versand.