Gesellschaft

Velobörse Dübendorf

Imposantes Stelldichein der «Stahlesel 2.0»

An der Velobörse Dübendorf konnten die Kauffreudigen ein kostengünstiges Zweirad ganz nach dem persönlichen Geschmack erwerben.

Imposantes Stelldichein der «Stahlesel 2.0»

Velobörse Dübendorf

An der Velobörse Dübendorf konnten die Kauffreudigen ein kostengünstiges Zweirad ganz nach dem persönlichen Geschmack erwerben.

«Bruchsch en neue Göppel?» Mit diesem Slogan machten die Veranstalter auf die beliebte Velobörse Dübendorf aufmerksam. Das Wort «neu» sollte sich aber weniger auf den Status eines Zweirads im Sinn von «direkt ab Fabrik» beziehen. Neuwertigkeit war bei den Hunderten von Veloliebhabern, die am Pfingstsamstag den grossen Platz vor dem Stadthaus belebten, wohl auch nicht gefragt – eher die Suche nach der Alternative für einen fahrbaren Untersatz.

Offenbar ist die Schweiz doch auch so etwas wie ein Land der Zweiradfahrenden. Die Szenerie, in welche die Besucherinnen und Besucher der Velobörse eintauchen konnten, war allein schon in Sachen Vielfalt der präsentierten «Göppel» beeindruckend. Man hatte gewissermassen die Qual der Wahl, und wenn man nicht genau wusste, wonach man eigentlich suchen wollte, wurde dieser Ausflug gewiss zum länger andauernden Erlebnis.

Die Velobörse Dübendorf wurde von den Grünen der Stadt Dübendorf initiiert und fand heuer erneut in Zusammenarbeit mit Pro Velo Kanton Zürich statt. Interessenten erhielten wiederum die Möglichkeit, das eigene, allenfalls ausgediente Vehikel an der Börse zu verkaufen. Eine kleine Einschränkung für Privatpersonen gab es dabei: Der Verkauf von mehr als zwei Fahrrädern pro Person war den akkreditierten Händlern vorbehalten. Es wurde ebenso darauf hingewiesen, dass man das nicht mehr genutzte Fahrrad an die Organisation Velafrica spenden könne.

Damenvelo, Kindervelo, Citybike, Rennrad und viele Spezifikationen von Zweirädern mehr: Jede Besucherin und jeder Besucher hatte wohl die eigene Vorstellung mitgebracht, mit welcher Art von Fahrrad man den Heimweg, Pardon: die Heimfahrt, antreten würde.

Ein grosser Platz mit Velos und Menschen.
Vor dem Dübendorfer Stadthaus wurden viele Velos angeboten.

Auch E-Bikes waren als Wiederverkaufsobjekt willkommen. Die Veranstalter machten hier aber darauf aufmerksam, dass die Akkus aufgeladen sein sollten. Die Händler nahmen sich für die Kaufwilligen viel Zeit und brachten ihre Expertisen zu einem Fahrrad ein, priesen die Vorzüge der verschiedenen Modelle, luden zum Probefahren und nahmen mit viel handwerklicher Kompetenz auch gewünschte Anpassungen vor, etwa an der Lenker- oder Sattelhöhe. Es wurde geschraubt und gewerkelt, alles verbunden mit fachmännischen Kommentaren.

Eine mobile Velowerkstatt vor Ort machte gewünschte Eingriffe am neu erworbenen Fahrzeug möglich, zudem war ein überschaubares Sortiment an Velozubehör ausgelegt. Viele der Besucherinnen und Besucher verliessen das Areal nach einer gewissen Zeit wieder, zumeist mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht, bereit, mit einem eben erworbenen Transportmittel mehr Zeit zu verbringen.

Was die Besucher der Velobörse erzählen

Sandra Bongaards aus Fällanden ist mit ihrem Partner zur Velobörse in Dübendorf gekommen. Es sei ihr erster Besuch an einer Velobörse. Zwischen 300 und 400 Franken dürfe ihr künftiges Zweirad kosten, gibt die 32-Jährige bekannt. «Ich habe nun lange Zeit kein Velo mehr gehabt, doch seit wir an einem See wohnen, wollen wir diesen auch mal umrunden», erzählt Bongaards. Sie habe nach einem «stinknormalen» Velo Ausschau gehalten und sei relativ rasch fündig geworden. «Ich hätte mir zwar eine andere Farbe gewünscht, weil ein Velo ja auch noch ein bisschen gut ausschauen sollte, doch der hinten angebrachte metallene Korb auf dem anderen Velo hat mir den Entscheid letztlich leicht gemacht», meint sie. 320 Franken habe sie dafür hingeblättert.

Eine Frau auf einem Velo.
Sandra Bongaards ist zwar mit der Farbe ihres neuen Velos nicht ganz zufrieden, dafür umso mehr mit dem Metallkorb hinter dem Sattel.

Martina Chiolo aus Dübendorf ist vor knapp zwei Jahren aus Italien in die Schweiz gezogen. Sie habe von der Velobörse erfahren und gedacht, dass dies eine gute Gelegenheit sei, um sich mit einem kleinen Budget ein Fahrrad zu erwerben. «Ich sass schon viele Jahre nicht mehr auf einem Rad, doch nun möchte ich damit wieder vermehrt in die Natur raus, einfach locker etwas spazieren fahren», beschreibt sie ihre Beweggründe zum Fahrradkauf. Sie sei beruflich zumeist mit dem ÖV unterwegs, nun habe sie für ihre Freizeit einen fahrbaren Untersatz mit aufmontiertem Korb gefunden. «Das gefällt mir, und mit den 120 Franken, die ich dafür bezahlt habe, bin ich sogar noch unter meiner Budgetobergrenze von 150 Franken», freut sich die 26-Jährige.

Eine Frau und ihr Velo.
Martina Chiolo hat ein Velo gefunden, das ihrem Budget entspricht.

Andreas Hug aus Wallisellen besucht die Velobörse zusammen mit seinem zehnjährigen Sohn Lionel. Er sei vor einigen Jahren schon mal an der Velobörse Dübendorf gewesen. Der Grund sei stets der gleiche: Die Kinder würden wachsen, die Fahrräder irgendwann zu klein. «Wir suchen nun nach einem 26-Zoll-Rad. Es darf ein eher robustes Gerät sein, wir wollen auch auf Naturstrassen unterwegs sein», sagt Vater Hug. «Das Rad ist gekauft», ruft Lionel plötzlich dem Händler entgegen. Dieser freut sich und nimmt noch letzte Anpassungen am Rahmen vor. «Endlich kann ich wieder auf ein Velo steigen», freut sich Lionel. Es spiele auch keine Rolle, dass der Rahmen grün sei. Grün sei nach Blau und Orange seine drittliebste Farbe.

Drei Männer rund um ein Velo.
Lionel Hug (rechts) hat sein Lieblingsvelo gefunden und gekauft. Andreas Hug (Mitte) unterstützte seinen Sohn dabei.

Max Giersch aus Dübendorf besucht die Velobörse zum ersten Mal. Er ist kürzlich von Frankfurt hierhergezogen. «Ich habe mich im Freundeskreis nach einem Fahrrad umgehört, doch da hat sich nichts Vernünftiges ergeben», erzählt der 34-Jährige. Er habe zwar von seinem Opa ein robustes Fahrrad mit in die Schweiz gebracht, eines mit einer 3-Gang-Schaltung. «Doch nun möchte ich mit einer gewissen Leichtigkeit zum Beispiel auch um den nahen Greifensee fahren können», sagt Giersch. Er ist mit seiner Budgetobergrenze von 200 Franken fündig geworden.

Ein Mann mit einem Velo.
Max Giersch hatte genug von seinem alten Velo mit 3-Gang-Schaltung und hat sich ein neues gekauft.

Nicole Monnigadon und Patrick Rogalla aus Wallisellen sind noch daran, sich einen Überblick über das vielfältige Angebot zu verschaffen. «Ich bin auf der Suche nach einem Velo für den täglichen Gebrauch, zu Hause habe ich für sportliche Abenteuer bereits ein Trail-Bike», erzählt die 22-jährige ehemalige Fussballerin. Ihr Budget für ein Strassenvelo betrage 300 Franken. «Mal schauen, ob ich etwas finde», sagt sie. Partner Patrick Rogalla schliesst nicht aus, dass er selber ebenfalls mit einem Fahrrad nach Hause zurückkehren könnte. «Ich lasse mich überraschen, bin aber nicht gezielt auf der Suche», erklärt der 33-Jährige. Wie im späteren Tagesverlauf in Erfahrung gebracht werden konnte, hat Nicole Monnigadon ein Vehikel nach ihren Vorstellungen erworben.

noneEin Mann und eine Frau mit einem Velo.
Nicole Monnigadon und Patrick Rogalla gingen mit unterschiedlichen Absichten zur Velobörse.

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