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Emotionsfokussierte Therapie

Ustermer Paarberaterin: «Sieben von zehn Paaren hilft die Methode dauerhaft»

Beziehungen können kompliziert sein – vor allem, wenn man sich immer wieder in denselben Mustern verkeilt. Die Paarberaterin Larissa Weile hat schon zahlreichen Paaren aus der Abwärtsspirale geholfen.

Sie sitzt in ihren Sitzungen buchstäblich zwischen den Stühlen: Paarberaterin Larissa Weile.

Foto: Letizia Vecchio

Ustermer Paarberaterin: «Sieben von zehn Paaren hilft die Methode dauerhaft»

Emotionsfokussierte Paartherapie

Beziehungen können kompliziert sein – vor allem, wenn man sich immer wieder in denselben Mustern verkeilt. Die Paarberaterin Larissa Weile hat schon zahlreichen Paaren aus der Abwärtsspirale geholfen.

Wenn die erste Verliebtheit verflogen ist und sich der – vielleicht manchmal graue – Alltag über eine Beziehung legt, schleichen sie sich still und heimlich ein: die Streitigkeiten. Anfangs kommen sie nur als leiser Unmut daher, dass der Partner schon wieder nicht an den Einkauf gedacht hat. Handelt es sich aber um einen «Wiederholungstäter», kann sich die Angelegenheit zur handfesten Ehekrise auswachsen.

«Jedes Paar hat sein ganz spezielles, eigenes Thema, das immer wieder zu Streit führt», erklärt die Ustermer Paarberaterin Larissa Weile. Oftmals sei das Streitmuster schon so fest verankert und seien die Fronten teils so verhärtet, dass ein eigenständiger Ausstieg aus der Dynamik unmöglich erscheine. Dort setzt Weiles Arbeit an.

Hinter jedem Konflikt stehen unbefriedigte Bedürfnisse

Gemeinsam mit dem Paar trägt Weile Schicht für Schicht des verkrusteten Streitmusters ab. Spannend: In den meisten Fällen ist den Paaren gar nicht bewusst, worum es ihnen beim Konflikt eigentlich geht. «Es wird dann zwar um nicht ausgeräumte Spülmaschinen, unfair verteilte Care-Arbeit oder die Socken gestritten, die mal wieder auf der Couch liegen gelassen wurden – doch darum geht es nur teilweise», erklärt die Paarberaterin.

Denn dies sei maximal die halbe Wahrheit: «Unter der Oberfläche brodeln oft die wirklichen Emotionen, die hinter dem Konflikt stehen.» Damit man diese identifizieren könne, brauche es aber erst einmal einen geschützten Rahmen, in dem sich beide Partner verletzlich zeigen könnten. Und einen Weg, den Konflikt im Moment des Aufkommens zu identifizieren und nicht erst eskalieren zu lassen.

Zwei Poster in der Praxis von Larissa Weile. Zu sehen: Giraffen, die unterschiedliche Emotionen durchleben.
Welche Emotionen sind im Spiel? Die Giraffen, die unterschiedliche Emotionen durchleben, bieten Hilfestellung.

Dies ist aber gar nicht mal so einfach. «Die Emotionen können innerhalb von Millisekunden hochkochen, wenn der Partner sich auf eine bestimmte Weise verhält», erklärt Weile. Schnell schaukle sich der Streit hoch, auch die Rollen seien dann klar verteilt: «In der Regel gibt es eine Person, die sich während des Streits zurückzieht, und eine, die genau das nicht aushalten kann – nämlich die Kontakt suchende Person, die schnell wieder die Bindungssicherheit herstellen will», erklärt die Paarberaterin. Das lässt den Streit weiter eskalieren.

Wissenschaftlich belegt: Die Emotionsfokussierte Paartherapie

«Das Streitmuster ist dann wie ein Tanz, ein Beziehungstanz», so Weile. «Und genau den wollen wir ändern.» Das gelinge dadurch, dass man die verletzten oder unbefriedigten Grundbedürfnisse der Partner identifiziere, etwa nach Nähe, Geborgenheit oder Gesehenwerden. Gemeinsam mit dem Paar entwickelt Weile dann neue Tanzschritte, wenn man so will, damit genau diese Bedürfnisse künftig artikuliert werden können.

Um beim Beispiel des Kontaktsuchers und des Rückzüglers zu bleiben: Hier wird versucht zu verstehen, welche Gefühle hinter dem Verhalten stehen, etwa Verletzlichkeit, Angst vor Zurückweisung oder das Bedürfnis nach Nähe – statt bloss Wut oder Kritik, die zuerst erkennbar sind.

«Natürlich klappt das nicht auf Anhieb. Aber es ist schon viel gewonnen, wenn sich Paare im Moment der bevorstehenden Eskalation darüber bewusst werden, was gerade passiert», meint Weile. Dadurch entstehe langfristig mehr Handlungsspielraum, dem anderen seine Bedürfnisse konstruktiver zu kommunizieren.

Larissa Weile hilft Paaren dabei, ihre Streitigkeiten beiseitezulegen.
Manchmal helfen auch Rollenspiele mit Tierfiguren, um Dynamiken aufzuzeigen.

Die Methode, mit der die Ustermerin arbeitet, nennt sich Emotionsfokussierte Paartherapie und wurde in den frühen 1980er Jahren von der Britin Dr. Sue Johnson und dem Kanadier Leslie Greenberg entwickelt. Ihre Wirksamkeit erforschte man wissenschaftlich, wobei sie als eine der wirksamsten Methoden im Bereich der Paartherapie identifiziert wurde.

Sie basiert auf Erkenntnissen der Bindungstheorie und geht davon aus, dass enge Beziehungen ein grundlegendes Bedürfnis nach emotionaler Sicherheit erfüllen – ähnlich wie die Bindung zwischen Kindern und ihren Bezugspersonen.

Studien belegen, dass sie bei etwa 70 Prozent der Paare nachhaltig und schnell Verbesserungen bringt – oder «Entspannung», wie Weile es nennt.

Erfolg zeigt sich bereits nach wenigen Sitzungen

Der Erfolg der Methode zeigt sich immer wieder im Arbeitsalltag der Beraterin – und das oft schon nach wenigen Sitzungen. Dabei seien es oft vor allem Paare in langjährigen Beziehungen, die zu ihr kämen, die meisten davon mit Kindern. «Einmal kam auch nur einer der beiden Partner. Da war ich schon etwas irritiert», erzählt Weile lachend. Doch auch mit dieser Person habe sie arbeiten können, irgendwann sei auch der Partner mit zu den Sitzungen gekommen.

Gibt es auch Paare, die einfach nicht zusammenpassen? «Oh, die meisten passen schon hervorragend zusammen», meint Weile mit einem Augenzwinkern. Ob sie damit die sich gegenseitig befeuernden Dynamiken der Partner meint, lässt sie offen. Eine Beratung könne zwar fast immer sehr sinnvoll und sogar wichtig sein, um Unterstützung zu bekommen. «Jedoch ist die Emotionsfokussierte Paartherapie keine geeignete Methode für Paare, die von Gewalt in der Beziehung betroffen sind. Dort braucht es andere Ansätze und Interventionen.»

Larissa Weile hilft Paaren dabei, ihre Streitigkeiten beiseitezulegen.
Wenn mal Tränen fliessen oder Nervennahrung gefragt ist: Tüechlibox und Zückerlischale stehen immer bereit.

Dass Larissa Weile in der Paarberatung landete, war übrigens mehr Zufall als langfristige Planung. Die gelernte Drogistin wollte nämlich eigentlich auf Ernährungsberatung umsatteln. Doch bei einer ihrer Klientinnen hatte sie dann ein Aha-Erlebnis. Die Frau berichtete, unter ihrem zu hohen Süssigkeitenkonsum zu leiden. Weile stellte mit ihr einen Ernährungsplan auf. Doch irgendwie wollte sich nichts an der Situation bessern. «Als ich dann in einem Gespräch etwas nachgehakt habe, erzählte die Frau, dass ihr Mann sie betrogen habe. Da war mir klar: Hier muss man ansetzen.»

Um Menschen also auf tieferer, emotionaler Ebene zu helfen, liess sich Weile im Anschluss zur psychosozialen Beraterin und später auch zur Paarberaterin ausbilden. Inzwischen arbeitet sie seit acht Jahren in einer Gemeinschaftspraxis in Uster, ganz in der Nähe des Bahnhofs. «Ich empfinde meinen Job als zutiefst sinnstiftend und bereichernd. Es ist genau das, was ich machen möchte.» Dies liege letztlich auch an der Methode, mit der sie arbeite. Der Emotionsfokussierten Paartherapie. «Ich habe viel ausprobiert, doch da dachte ich: Das ist es!»

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