Revival der Jungbürgerfeier – Bäretswil macht den Anfang
Neues Konzept
Ist die Idee der Jungbürgerfeier noch zu retten? «Ja!», finden Gemeinderat Christian Fischer und Sonja Meier von der Standortförderung Zürioberland. Am Freitag findet in Bäretswil die erste Feier seit 15 Jahren statt.
An seine eigene Jungbürgerfeier kann sich Christian Fischer noch flüchtig erinnern. «Wir haben mit dem Gemeinderat eine alte Spinnerei angeschaut, es wurden – zumindest aus der Sicht von uns Jugendlichen damals – langweilige Reden gehalten», erzählt er. Auch dieser Anlass endete, viele werden es kennen, feuchtfröhlich.
Seit Fischer mit seiner Jungbürgerfeier den Eintritt ins Erwachsenenalter feierte, sind etliche Jahre vergangen, und seither hat das Interesse an dieser Art von Veranstaltung kontinuierlich abgenommen. Immer weniger Gemeinden in der Schweiz laden ihre neuen Stimmberechtigten deswegen noch ein, das SRF berichtete bereits im Jahr 2022 über den Rückgang.
Auch in Bäretswil, wo Fischer als Gemeinderat für das Ressort Gesellschaft zuständig ist, hat es seit rund 15 Jahren keine solche Feier mehr gegeben – doch genau dies wollte der EVP-Politiker ändern. «Ich habe mich gefragt, wie man bei Jugendlichen mehr Bewusstsein dafür schaffen kann, dass politische Teilhabe wichtig ist und dass ihre Stimme zählt.»
Gemeinsam mit Sonja Meier, ebenfalls wohnhaft in Bäretswil und Mutter von drei Kindern, entwickelte er diese Idee weiter. Durch ihre Anstellung bei der Standortförderung Zürioberland konnten sie auf eine bestehende Kooperation mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil zurückgreifen.
Im Rahmen des Projekts «Nachhaltige Entwicklung Zürioberland mit jungen Erwachsenen» wurden dann mit jungen Menschen aus der Region Ideen für innovative Projekte in ihren Gemeinden gesammelt.
«Die Studierenden haben ein umfangreiches Konzept zum Revival der Jungbürgerfeiern erstellt», erzählt Fischer. Und ergänzt: «Wir wollten bewusst etwas Neues schaffen – nicht nur für den jeweiligen Jahrgang, der gerade 18 Jahre alt wird, sondern auch für die, die es erst im Jahr darauf werden.»
Zweifel des Gemeinderats sind kein Hindernis
Der Gemeinderat war zwar anfänglich noch skeptisch. Doch Fischer und Meier liessen sich nicht abbringen, sie nahmen das Projekt gemeinsam mit zwei Jugendlichen – eine davon ist Fischers Tochter – selbst in die Hand. Sie erstellten eine eigene Website, druckten Plakate, verschickten Einladungen.
«Während der Vorbereitungsphase haben wir immer wieder festgestellt, dass viele Jugendliche noch nie etwas von Jungbürgerfeiern gehört hatten – einfach, weil sie schon seit Jahrzehnten immer unwichtiger geworden sind», erzählt Sonja Meier. Noch ein Grund mehr für das vierköpfige Organisationskomitee, dies zu ändern.
30 von etwa 150 Jugendlichen haben sich bisher zur sogenannten Jungbärifeier angemeldet – eingeladen wurden die Jahrgänge 2007 und 2008. Fischer und Meier verbuchen das als Erfolg. «Wir möchten das Projekt kontinuierlich über mehrere Jahre aufbauen, es soll keine Einzelveranstaltung bleiben.» Dafür habe man sich ein abwechslungsreiches Programm überlegt, das bewusst mit dem eingestaubten Image der Jungbürgerfeiern brechen solle.
Das Programm umfasst zwar auch einen «Pflichtteil», also die Vorstellung des Gemeinderats und der Parteien. «Natürlich sollen die Jugendlichen darüber informiert werden, welche Rechte und Pflichten sie nun haben. Es soll aber auch um ein lässiges Zusammensein gehen», erzählt Meier. «Die Alten sollen an diesem Abend irgendwann in den Hintergrund treten und das Feld den Jungen überlassen», meint Fischer.
Konkret bedeutet dies: Pizzawagen, Quizze und Spiele, inklusive DJ und Barbetrieb – natürlich auf Kosten der Gemeinde. Läuft die Jungbürgerfeier damit also doch wieder auf das klassische Besäufnis hinaus? «Das ist nicht unser Ziel. Ganz auf Alkohol werden wir aber nicht verzichten, weil wir die Jugendlichen nicht bevormunden möchten», erklärt Fischer. Ab dem dritten Getränk müsse aber jeder selbst zahlen.
Gibt es ein Comeback der Jungbürgerfeier im Oberland?
Sollte der Abend ein Erfolg werden, könnte dies auch eine Signalwirkung für andere Gemeinden im Oberland haben. «Bereits in der Projektphase kamen vorsichtige Interessenbekundungen aus den umliegenden Gemeinden», berichtet Meier. «Bei der Standortförderung Zürioberland unterstützen wir auch gern bis zur Konzeptentwicklung – organisatorisch, kommunikativ sowie mit Expertise und Netzwerk.»
Am Ende geht es dem Organisationskomitee nicht nur um die Schaffung dieses einen Anlasses. «Es gibt in unserer Gemeinde sehr viele Angebote für Senioren, aber wenige für Jugendliche. Das möchte ich ändern», betont Fischer. Nicht zuletzt ist der Bäretswiler selbst Vater von drei Töchtern im Alter von 13, 17 und 19 Jahren.
Meier ist ähnlicher Meinung. «Vielerorts ist das Gemeindeangebot für junge Erwachsene ausserhalb eines Vereins gering. Dabei ist es doch so wichtig, dass sich die junge Menschen im Gemeindeleben einbringen. Das können sie auch abseits politischer Ämter und Parteien.»
