Museum Neuthal eröffnet drei neue Outdoor-Angebote
Digital und 365 Tage im Jahr
Mit einem digitalen Rundgang macht das Museum die Industriekultur nun auch ausserhalb der Öffnungszeiten erlebbar.
Das Museum Neuthal in Bäretswil will für seine Besucherinnen und Besucher 200 Jahre Textil- und Industriekultur erlebbar machen. Jeden Sonntag von Mai bis Oktober zeigen Freiwillige, wie in der ehemaligen Spinnerei von Adolf Guyer-Zeller die Spindeln drehten.
Doch ausserhalb der offiziellen Öffnungszeiten ist das Museum nur für Gruppenführungen oder Schulklassen offen. Dem wollen die Verantwortlichen nun mit einem neuen Angebot entgegenwirken. «Das Ziel ist, dass die Industriekultur im Neuthal 365 Tage im Jahr erlebbar ist», sagt Museumsleiterin Nora Baur. Denn das Neuthal hat in ihren Augen mehr zu bieten als eine der weltweit grössten Sammlungen an funktionsfähigen Textilmaschinen.
Die Lösung war aber nicht, einfach mehr Info-Tafeln auf dem Areal aufzustellen. Mit Unterstützung des Kantons und dank der Jubiläumsdividende der Zürcher Kantonalbank (ZKB) konnte das Museum unter dem Motto «Dem Wasser auf der Spur» drei Projekte umsetzen und sein Angebot erweitern.
Es soll die Besucherinnen und Besucher ermuntern, das Areal ausserhalb der Fabrikgebäude zu erkunden und mehr über den Stellenwert des Wassers für die Industrie in der Region zu erfahren. «Das Wasser hat das Neuthal gross gemacht», sagt Baur. Denn die Wasserkraft war nötig, um die Maschinen zu betreiben.
Neu steht vor dem Fabrikeingang ein 3D‑Modell des Areals. Mit einer App auf dem Handy kann man die Perspektive erweitern. Auf dem Gerät sieht man dann die Bezeichnung der einzelnen Gebäude und Einrichtungen und kann gar hinter die Mauerwerke schauen.

Über die App hat man auch Zugriff zu einem neuen Audio-Walk mit dem Wasserwart aus vergangenen Zeiten.
Der kurzweilige Rundgang führt durch mehrere Stationen auf dem Areal, der Wasserwart beschreibt darin auch den Weg. Das Hörerlebnis muss also während des Spaziergangs nicht unterbrochen werden.

In der 42‑minütigen Geschichte gerät der Wasserwart unter Druck: Die Weiher sind fast leer. Und jetzt kommt auch noch Direktor Guyer‑Zeller persönlich zur Inspektion – und selbst die Springbrunnen der Fabrikantenvilla sollen sprudeln.
WAM als Wassergeist
Die Besucherinnen und Besucher kommen dabei mit bekannten Stimmen in Kontakt. Adolf Guyer-Zellers Vater Johann Rudolf Guyer-Wepf hat als Wassergeist einen Auftritt, gesprochen vom Madetswiler Schauspieler Walter Andreas Müller (WAM). Rapperin Big Zis (als Nanny Guyer-Zeller) sowie die Schauspieler Samuel Streiff (bekannt aus der Fernsehserie «Der Bestatter») und Siegfried Terpoorten übernehmen ebenfalls Rollen.
Der Audio-Walk ist gemäss den Machern auch für Kinder ab zehn Jahren geeignet. Im neuen Angebot haben die Verantwortlichen aber auch an die jüngeren Besucherinnen und Besucher gedacht. Für sie gibt es einen eigenen Parcours. Mit Glögglifrosch und Wasserspitzmaus entdecken sie den geheimnisvollen Schatz der Neuthaler Wassertiere.

Diesen Parcours findet man nicht auf der App, sondern in einem kleinen Büchlein. Das Rätselbuch mit Schatzkarte hat die bekannte Kinderbuchillustratorin Kathrin Schärer gestaltet. Das Büchlein findet man am neuen Info-Point bei der Fabrik – auch darüber freut sich Museumsleiterin Nora Baur.
Sie hofft, dass das neue Angebot auch dafür sorgt, dass noch mehr Besucherinnen und Besucher ins Museum kommen. «Ein Besuch hier lohnt sich auch mehr als einmal, es gibt so viel zu entdecken», sagt sie.
Ihre Institution ist dabei auf Kurs: 2024 gab es einen Besucherrekord, die Sonderausstellung «Mode macht Geld» wurde für eine dritte Saison verlängert.
Neue Angebote vor der Sanierung
Parallel zum neuen Outdoor‑Angebot steht dem Museum eine umfassende Erneuerung bevor. 2023 hat der Regierungsrat 27 Millionen Franken für den Umbau bewilligt. Aus der ehemaligen Spinnerei soll ein bedeutendes Museum der Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte in der Schweiz werden.
Doch die Sanierung verzögert sich. Sie erfolgt frühestens 2029 und nicht wie ursprünglich geplant 2027. Nora Baur und das Museumsteam sind trotzdem daran, die Attraktivität des Museums weiter zu stärken.
Das kostenlose digitale Outdoor-Angebot ist dabei auch nicht die einzige Neuerung in diesem Jahr. Das Museum arbeitet neu mit dem Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland (DVZO) zusammen. An den Sonntagen fährt neu der Baumwoll-Express und bringt Besucherinnen und Besucher mit einem historischen Elektrozug von Bauma und Bäretswil ins Museum.
Im Ticket ist dabei auch der Museumseintritt inbegriffen. Museumsleiterin Baur freut sich über diese neue Kooperation: «Der DVZO ist ein wichtiger Nachbar, und es ist schön, dass wir jetzt diese Synergien besser nutzen können.»
Mehr Informationen zum Angebot «Dem Wasser auf der Spur» findet man auf der Website des Museums Neuthal. Die App ist demnächst im App-Store und auf Google Play verfügbar.
Bis es so weit ist, können Besucherinnen und Besucher die Beta-Version auf der Website des Museums herunterladen (nur für Android). Die Datei für den Audio-Rundgang ist ebenfalls auf der Website verfügbar. Vor Ort hat es QR-Codes.
