Ortsdurchfahrt Grüt in Gossau wird frühestens 2029 saniert
Baustart verschoben
In den letzten Jahren hat sich Gossau zur Heimat einer Baustelle an der Grütstrasse entwickelt. Es sollte eigentlich ein weiteres Grossprojekt folgen. Doch dafür fehlt dem Kanton das Geld.
Die geplante Sanierung der Ortsdurchfahrt durch das Grüt bei Gossau verzögert sich um mindestens zwei Jahre. Statt wie ursprünglich vorgesehen 2027 sollen die Bauarbeiten nun frühestens 2029 beginnen. Der Grund dafür ist die «angespannte finanzpolitische Lage des Staatshaushalts», wie die kantonale Baudirektion mitteilt. Konkret: Dem Kanton fehlt das Geld dazu.
Dieser hat seinen Konsolidierten Entwicklungs- und Finanzplan (KEF) für die Jahre 2026 bis 2029 festgelegt. Mit dem KEF werden die Bauprojekte im Kanton reguliert: Wie sollen sich diese entwickeln, welche Leistungen müssen erbracht werden, und wie wird das Ganze überhaupt finanziert? Der Kanton rechnet für dieses Jahr mit einem Minus von rund 139 Millionen Franken, für 2027 budgetiert er ein Defizit von 25 Millionen Franken. Deshalb prüft er gerade sämtliche Tiefbauprojekte über 4 Millionen Franken, die sich nicht bereits in einer Ausführungsphase befinden. So wird nicht nur die Sanierung im Grüt zeitlich verschoben, sondern auch beispielsweise die Unterführung der Winterthurerstrasse in Uster.
Die Kosten für die Strassenbauarbeiten belaufen sich gemäss aktuellem Planungsstand auf rund 8,3 Millionen Franken. Der Anteil der Gemeinde Gossau beträgt etwa 350’000 Franken, hinzu kommen Ausgaben für Werkleitungs- und Kanalisationsarbeiten.
Tempo-30-Zone wird überprüft
Von der Sanierung der Ortsdurchfahrt im Grüt betroffen sind die Grütstrasse und die Grüningerstrasse, die instand gesetzt werden müssen. Der Kanton und die Gemeinde wollten die notwendige Erneuerung nutzen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, insbesondere für Fussgängerinnen, Fussgänger und Velofahrende. Geplant sind unter anderem der hindernisfreie Ausbau aller Bushaltestellen, ein Betonkreisel bei der Kreuzung von Hard-, Grüt- und Grüningerstrasse, zusätzliche Fussgängerübergänge und markierte Velowege. Im Zentrumsbereich ist zudem Tempo 30 vorgesehen, aus Gründen der Sicherheit und des Lärmschutzes.
Mit der Verschiebung der Bauarbeiten wird auch die Erweiterung der Tempo-30-Zone erneut überprüft. Das Vorprojekt lag im Herbst 2024 öffentlich auf. Insgesamt gingen 28 Einwendungen ein, die sich mehrheitlich gegen die Tempo-30-Zone richteten. Zusätzliche Unsicherheit bringt die Mobilitätsinitiative, welche die Zürcher Stimmbevölkerung im November 2025 angenommen hat. Sie verlangt, dass Temporeduktionen auf verkehrsorientierten Staatsstrassen und Strassen von überkommunaler Bedeutung möglichst vermieden oder nur auf kurzen Abschnitten angeordnet werden. Deshalb muss bei kantonalen Strassenprojekten mit geplanten Tempo-30-Zonen die Interessenabwägung zwischen Lärmschutz und Verkehrsfluss neu vorgenommen werden.
Die Sanierungsarbeiten werden nicht aufgehoben, sondern lediglich verschoben. Jedoch könnte dies auch etwas Ruhe in die Gemeinde bringen. Denn die Nerven der Anwohner werden seit anderthalb Jahren bereits mit einer Grossbaustelle und langen Sperrungen strapaziert. Die Baustelle ist auch vielen Gewerblern ein Dorn im Auge.
