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Ein wachsendes Hobby

Fünf Apfelsorten von einem Baum: Michael Egli aus Wetzikon weiss, wie das geht

Mittels Veredelung kann Michael Egli in seinem Garten über 30 verschiedene Früchte ernten. Und das, obwohl er nur 14 Bäume hat. Er erklärt uns, wie das funktioniert – und was ihn daran fasziniert.

Michael Egli aus Wetzikon geht leidenschaftlich seinem Hobby der Veredelung nach. Im Frühling zeigt sich die Pracht seiner Arbeit.

Foto: Jan Gubser

Fünf Apfelsorten von einem Baum: Michael Egli aus Wetzikon weiss, wie das geht

Ein wachsendes Hobby

Mittels Veredelung kann Michael Egli in seinem Garten über 30 verschiedene Früchte ernten. Und das, obwohl er nur 14 Bäume hat. Er erklärt uns, wie das funktioniert – und was ihn daran fasziniert.

Im Frühjahr zeigt sich die ganze Pracht von Michael Eglis Arbeit. Dann nämlich blühen seine Bäume – und machen sichtbar, dass sie keine gewöhnlichen Bäume sind. Denn an einem Baum blühen unterschiedliche Blüten, in Pink und in Rosa. Wie das geht? «Mit Veredelung», sagt der 53-jährige Wetziker stolz.

Die Veredelung – auch Pfropfen genannt – dreht sich rund um die Kreuzung von Frucht- und Kernobstbäumen. Oder vielmehr um das Anwachsen-Lassen unterschiedlicher Sorten am selben Baum. «So kann ich bis zu fünf verschiedene Apfelsorten an einem Baum wachsen lassen», erklärt Egli.

Diese Veredelung sei handwerklich simpel, erklärt Egli, brauche aber Fachwissen und das richtige Timing. Im Januar würden die Äste der Mutterbäume angeschnitten. Dann nämlich sind die Äste trocken und wachsen schnell zusammen. An den Anschnitt wird danach der Ast der neuen Sorte, auch Reis genannt, angesetzt. Dafür gibt es diverse Methoden, unter anderem die gängigsten beiden: das Kopulieren und das Rindenpfropfen.

Zwei Wege führen zur Veredelung

«Ich persönlich bin Fan des Kopulierens.» Dabei wird ein Ast schräg angeschnitten, der anzusetzende Ast der neuen Sorte ebenfalls – und dann werden beide wie zwei Puzzleteile verbunden. Anschliessend befestigt Egli den Anschnitt mit Velogummi. «Der Vorteil des Gummis ist: Er wird spröde und fällt von allein ab.» Genau wie bei einer Wunde, die heilt, oder einem Verband, der sich löst.

Beim Rindenpfropfen hingegen wird einer der Leitstämme (pro Baum gibt es etwa drei oder vier dickere Äste, die aus dem Stamm wachsen) angeschnitten und ein neuer Ast zwischen Rinde und Stamm gesetzt. Der Vorteil hierbei sei, dass man gleich mehrere Sorten auf einen Leitstamm setzen könne.

Auch diese Methode findet man in Eglis Garten. Welche er für welchen Baum wählt, entscheidet er intuitiv: «Das kommt auf den Baumwuchs, die Fruchtsorte und meine Laune an», sagt er lachend.

Die speziellen Sorten respektive die Äste (Reiser) holt er jeweils im Kanton Aargau bei einem Züchter. «In einer Baumschule dort gibt es über 500 Sorten Äpfel», schwärmt Egli.

«Immer dieselben Verdächtigen»

Er spricht mit Leidenschaft über sein Hobby, dem er schon seit Jahrzehnten nachgeht. «Ich habe zu jedem Baum eine persönliche Verbindung und setze mich sehr detailliert damit auseinander, welche Sorten ich mir in den Garten hole», sagt er.

So habe er beispielsweise die Sorte Kronprinz Rudolf aus Österreich, dem Geburtsland seiner Frau. Sein Kakibaum kommt aus Bergamo, wo seine Mutter ihre Wurzeln hat. «Jede Pflanze erzählt eine persönliche Geschichte», erklärt er. «Sowohl über sich als auch über mich.»

Es begeistert ihn, wie viele Sorten, beispielsweise Apfelsorten, es gibt – und es erstaunt ihn, wie wenige man in der Schweiz tatsächlich kennt. So gebe es weltweit über 25’000 Apfelsorten, in der Schweiz rund 1200. «Aber im Supermarkt hat man immer dieselben drei, vier Verdächtigen», sagt er.

Dabei gebe es so viele feine Äpfel. Beispielsweise den Zitronenapfel, die Sorte Ohio oder Baya Marisa – drei seiner Lieblingssorten, die er nun vor seiner eigenen Haustür griffbereit hat. Doch nicht nur Äpfel, sondern auch viele andere Früchte wachsen in seinem Garten: So unter anderem Aprikosen, Pfirsiche, Kakis, Quitten, Zwetschgen und Birnen.

Die Veredelung – ein Werkzeug der Landwirtschaft

Michael Egli nutzt die Methode der Veredelung, um in seinem Garten Dutzende Sorten verschiedener Früchte anpflanzen zu können. Das Werkzeug der Veredelung ist jedoch kein unbekanntes und wird neben dem landwirtschaftlichen Obstbau beispielsweise vor allem im Anbau von Weintrauben genutzt.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird die Methode genutzt, um die europäischen Reben vor der Reblaus zu schützen. Dabei werden die Äste respektive Reiser der europäischen Weintraube auf den Stamm der amerikanischen Unterlagsrebe gesetzt, die resistenter gegen das Insekt ist.

Ein Highlight – jedes Jahr

Wer sich die Veredelung ebenfalls zum Freund machen oder einen Obstbaum kaufen will, sollte gemäss Eglis Empfehlung darauf achten, welche Sorte er nimmt. «Es lohnt sich, sich damit auseinanderzusetzen. So einen Baum hat man für 20, 30 Jahre.»

So sei es unter anderem wichtig, sich für einen Lagerapfel zu entscheiden, der bis zu vier Monate haltbar sei – «sonst hat man nach einer Woche nur noch faule Äpfel, und dafür ist die Arbeit einfach zu schade».

Er selbst erntet rund 100 Äpfel im Jahr, die meisten davon verschenkt er. Dafür arbeitet Egli jeden Monat an seinen Bäumen, zwischen Witterung, Krankheiten und Schnitten. Es sei eine Wechselwirkung, aber immer wieder spannend.

«Für mich ist die Veredelung einfach ein Highlight – jedes Jahr wieder, wenn ich neue Sorten ansetze. Nicht nur die blühenden Bäume im Frühling, sondern vor allem, um zu sehen, wozu die Natur fähig ist. Das ist doch herrlich!»

Das perfekte Team

Nicht nur sein Faible für die Gartenarbeit und süsse Früchte brachte ihn zu dem Hobby. Bereits in seiner Kindheit hatte Michael Egli Berührungspunkte mit dem Thema. Damals hat er seinen Onkeln bei der speziellen Behandlung der Bäume zugeschaut.

Mit rund 20 Jahren fand er über einen Freund zurück zur Leidenschaft. «Mit Max Hug, der bis heute mein Fischer- und Baumfreund ist, habe ich die Veredelung wirklich angefangen.» Anschliessend hat er auf dem Land des Vaters in Adetswil experimentiert – und ist bis heute dabei geblieben.

Heute ist die Veredelung fester Bestandteil seiner Gartenarbeit – und die Gartenarbeit ein Ausgleich zu seiner Arbeit als Aussendienstmitarbeiter bei der Zürich Versicherung, der er seit 25 Jahren nachgeht. «Das Werkeln draussen ist wie Ferien für mich», sagt er. «Ich glaube, so ein Ausgleich ist wichtig, um alle Facetten des Lebens wertzuschätzen.» Er liebe seinen Job, aber brauche genauso das «Erden» im Freien.

Seit mehr als 14 Jahren lebt Egli mit seiner Familie im Eigenheim in Wetzikon, in dessen Garten er den Bäumen beim Wachsen und Gedeihen zusieht. Seine Frau übrigens habe überhaupt keinen grünen Daumen. «Dafür macht sie aber die besten Apfelstrudel und Kaiserschmarrn, was uns zu einem eingespielten Team macht», sagt er schmunzelnd.

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